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Über 60 Angehörige der Unterstützergruppe „Asyl/Migration“ sowie einige Interessierte konnte der Koordinator, Georg Schrenk, im kath. Pfarrzentrum St. Ulrich begrüßen. Zu Beginn stellte er den Sachstand in Deutschland und Dillingen dar. In der Stadt sind in dezentralen Unterkünften derzeit 397 Asylbewerber (einschließlich der unbegleiteten Jugendlichen) untergebracht. Darunter sind auch 65 Anerkannte, die noch auf Wohnungssuche sind. Danach stellte Martin Scherer von der Kolpingsakademie Donauwörth/Dillingen die Aus- und Weiterbildungsangebote vor, die für Asylbewerber in den nächsten Monaten interessant werden. Ergänzt wurden seine Ausführungen von Franz Gerstmeir von der Agentur für Arbeit Dillingen. Zusammen mit dem Koordinator wies er eindringlich darauf hin, dass das Erlernen der deutschen Sprache Grundvoraussetzung für eine qualifizierte Berufsausbildung bzw. –ausübung ist. Franz Gerstmeir hob auch deutlich hervor, dass das Engagement der Unterstützerinnen und Unterstützer dafür verantwortlich ist, dass manch Schwierigkeiten bereinigt werden konnten und größere soziale Spannungen bei uns ausgeblieben sind. Björn Kirstein vom Jobcenter Dillingen stand dann für Fragen im Rahmen des Übergangs der Zuständigkeit vom Landratsamt/Sozialamt zum Jobcenter nach der Anerkennung zur Verfügung. Von Unterstützerinnen und Unterstützern wurde der Umfang der Fragebogen, die ausgefüllt werden müssen, aber auch die Tatsache bemängelt, dass es immer noch keine Vernetzung zwischen den Behörden gibt. Außerdem machten sie deutlich, dass die Anerkannten ohne Begleitung insbesondere auch durch Sprachkundige, meist gar nicht in der Lage sind, die entsprechenden Vordrucke auszufüllen. Georg Schrenk wies darauf hin, dass derzeit Versuche stattfänden und voraussichtlich ab April 2016 Datennetze zwischen den zuständigen Dienststellen geschaffen werden sollen, die dann den Datenaustausch erleichtern. Im weiteren Verlauf wurde über die Möglichkeiten für die Sprachausbildung durch Paul Weishaupt und Jutta Libicher informiert. Dazu wäre es wünschenswert, wenn die Asylbewerber in den Unterkünften Zugang zum Internet erhielten. Auch auf der Internetseite der Unterstützergruppe „Asyl/Migration“ www.asyl.dillingen.de sind immer wieder interessante Informationen zum Deutschunterricht zu finden. Mit Hinweisen auf die Fortsetzung der vom bayerischen Justizminister angeregten Rechtsbildung durch Beamte des Amtsgerichts Dillingen am 03.03.16 sowie dem Termin für das 13. Rundgespräch am 31.03.16 mit MdB Gabriele Fograscher (SPD) beschloss der Koordinator die Veranstaltung verbunden mit einem Dank an die Mitwirkenden, aber auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

"Manch Helfergruppe ist professioneller aufgestellt als die zuständigen Behörden"

Herr Schrenk, ich gratuliere Ihnen recht herzlich zu Ihrer Wiederwahl. Freuen Sie sich über diesen Wahlsieg?
Es gab ja leider keine Gegenkandidaten. Ich sah mich in die Pflicht genommen und mir wurde von einigen Mitgliedern unserer Gruppe klar gemacht, dass ich weitermachen muss, da sie ansonsten ihre Mitarbeit einstellen.

Wenn Sie einen Blick zurückwerfen: was sehen Sie?
Wir haben einiges erreicht, trotzdem sind wir nicht optimal aufgestellt. Mir fehlt manchmal die Rückkopplung des ein oder anderen Unterstützers!

Vor einem Jahr klagten Sie, der Staat lasse Sie und Ihr Team in der Flüchtlingsfrage alleine. Hat sich in dieser Einschätzung, mit Blick auf die vergangenen Debatten der letzten Monate, etwas geändert?
So deutlich habe ich nie geklagt. Mein Kritikpunkt ist die Art der Organisation. Da wird noch zu viel unkoordiniert gearbeitet. Man will zwar jetzt ein gemeinsames Netz schaffen, das geht aber alles zu langsam! Manch Helfergruppe ist professioneller aufgestellt als die zuständigen Behörden.

In Ihrer vergangenen Amtszeit haben Sie mehrere offene Briefe, unter anderem an das BAMF, die Bayerische Staatsregierung, die Bundesregierung, das Europaparlament und die EU-Kommission geschrieben. Haben Sie darauf irgendeine Reaktion erhalten?
Von der Bayerischen Staatsregierung und dem Büro von Herrn Junker gibt es eine Antwort. Die anderen Stellen haben sich nicht gemeldet. Mein Brief an den damaligen Präsidenten des BAMF führte zu einer Einladung zur Außenstelle München und einem 60-Minuten-Gespräch. Allerdings fehlen mir realisierte Ergebnisse auf unsere Vorschläge.

Was bräuchten die Ehrenamtlichen in Dillingen an der Donau momentan am dringendsten?
Wenn der Zulauf an Asylbewerbern so weiter geht: Weitere Unterstützerinnen und Unterstützer! Außerdem halte ich nach wie vor im LRA Dillingen ein Projektgruppe „Asyl“ unter einheitlicher Leitung bestehend aus Mitarbeitern der Fachbereiche Soziales, Ausländerbehörde, Jugendamt und Gesundheitsamt für erforderlich.

Können Sie einen Ausblick geben, welchen Herausforderungen sich die Unterstützergruppe Asyl/Migration Dillingen im kommenden Jahr gegenübergestellt sieht?

  • sicherstellen, dass in den Unterkünften keine soziale Spannungen auftreten
  • Koordination der Deutschausbildung insbes. mit den Akademien, die Ausbildung anbieten
  • Integration der anerkannten Asylbewerber in unsere Gesellschaft
  • Wecken von Verständnis bei der Bevölkerung für die Flüchtlinge, die aus Kriegsgebieten kommen.

Herzlichen Dank für diese Einschätzung.

Das Interview wurde schriftlich per E-Mail geführt.

Applaus für ein Jahr Engagement für die Menschenwürde

Ein verdienter Applaus für ein Jahr Arbeit: mit Begeisterung bedankten sich die versammelten Helfer bei ihrem Leitungsteam, bevor sie es - mit einer Änderung - wiederwählten

Das 11. Rundgespräch kam am 3. Dezember seiner Aufgabe nach und hat neben zahlreichen anderen besprochenen Punkten die Wahlen zum Koordinator, Deutschlehrerkoordinator, Spendenkontobeirat und deren Stellvertreter durchgeführt. Sämtliche Helfer sind dabei in Ihrem Amt bestätigt worden, lediglich Frau Libicher wird Frau Lüters im Amt der stellvertretenden Deutschlehrerkoordinatorin ablösen. Wir danken an dieser Stelle recht herzlich allen Helfern für ihre Arbeit im vergangenen Jahr und freuen uns sehr, dass sie sich erneut zur Wahl gestellt haben. Wir wünschen ihnen viel Glück und alles Gute für die Herausforderungen, die anstehen. Das nächste Rundgespräch wird voraussichtlich Ende Januar 2016 stattfinden.

Lesen Sie hier den vollständigen Bericht zum 11. Rundgespräch.


Das „Parlament“ unserer Unterstützergruppe, das Rundgespräch, ging am 15. Oktober in die 10. Runde.

... Glück? Zumindest eine neue Homepage. Beim 9. Rundgespräch zogen wir Bilanz – und erinnerten an die Aufgaben, die vor uns liegen

 

Immerhin, Geburtstagsgäste kamen genügend. Mehr als einhundert Unterstützerinnern und Unterstützer sowie Oberbürgermeister Frank Kunz fanden sich am 10.09.2015 im katholischen Pfarrzentrum St. Ulrich zum 9. Rundgespräch ein. Die Moderation übernahm wie immer unser Koordinator Georg Schrenk, der mittlerweile mit „seinen“ Asylanten einen Vollzeitjob übernommen hat. Doch diese Bezeichnung sei falsch, sagte Schrenk. Es gehe nicht um „seine“ oder „unsere“ Asylanten, es gehe um Menschen, die eine menschenwürdige Behandlung verdienten. Ganz so, wie es das Grundgesetz in Artikel 1 fordert. Natürlich sei die Flüchtlings“krise“ eine Herausforderung – aber eine, die man anpacken müsse. Stammtischparolen würden hier nicht weiterhelfen. Helfen müssten wir, als Deutsche und als Christen, und zwar in Form von Deutschunterricht und Patenbesuchen. Dabei könne es aber nur um Hilfe zur Selbsthilfe gehen, so, wie es unser neu beschlossenes Leitbild auch vorsieht. Denn Helfen hat Grenzen, und wer nicht eine gewisse Distanz wahre, werde nicht in der Lage sein, gewisse Rückschläge wie die Abschiebung einzelner Asylbewerber zu verkraften. Das BAMF habe sich hier schlicht an bestehende Rechtsnormen zu halten – da helfe alle Nächstenliebe nichts.

Für diejenigen jedoch, die bleiben dürfen, ist Integration das Gebot der Stunde. Ohne Deutschkenntnisse werde hier nichts funktionieren – egal ob es um das alltägliche Leben oder eine Arbeit/Ausbildung geht. Hinderlich seien hier die immer noch sehr langen Bearbeitungszeiten der Anträge beim BAMF. Deswegen hat unsere Gruppe bereits zwei Offene Briefe an die Zuständigen Stellen geschrieben, es bleibt nur zu hoffen, dass die Politik endlich den Ernst der Lage begreift. Vor Ort in Dillingen würde sich unser Koordinator dafür eine hauptamtliche Arbeitskraft im Rathaus wünschen.

Eine eigenen Internetseite hilft sicher bei unserem Ziel, das Thema Asyl in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Auf dem Rundgespräch wurde deshalb unsere neue Homepage www.asyl.dillingen.de offiziell vorgestellt. Dort findet sich alles Wissenswerte zum Thema, Informationen für Interessierte, ein Veranstaltungskalender mit Berichten über unsere Aktionen und eine FAQ Asyl, die versucht, die wichtigsten Anliegen der Bevölkerung aufzugreifen und darauf eine Antwort zu geben. Daneben hat das Rundgespräch auch erstmals ein neues Logo beschlossen, dass in Kürze an dieser Stelle veröffentlicht werden wird.

So endet ein eher unspektakulärer Geburtstag: mit dem Hinweis auf das kommende Rundgespräch am 15.10.2015 um 19:30 Uhr, bei dem als wesentlichen Höhepunkt der Islambeauftragte der evangelischen Landeskirche in Baden-Württemberg über eine Religion informieren wird, der viele Flüchtlinge angehören, und über die wir doch recht wenig wissen: den Islam. Bis dahin freuen wir uns sehr, wenn wir noch weitere neue Unterstützerinnern und Unterstützer begrüßen können. Dazu nehmen Sie einfach mit Koordinator Georg Schrenk unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! auf. Bis bald!

 

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