Applaus für ein Jahr Engagement für die Menschenwürde

Applaus für ein Jahr Engagement für die Menschenwürde beim 11. Rundgespräch

Ein verdienter Applaus für ein Jahr Arbeit: mit Begeisterung bedankten sich die versammelten Helfer bei ihrem Leitungsteam, bevor sie es - mit einer Änderung - wiederwählten

Das 11. Rundgespräch kam am 3. Dezember seiner Aufgabe nach und hat neben zahlreichen anderen besprochenen Punkten die Wahlen zum Koordinator, Deutschlehrerkoordinator, Spendenkontobeirat und deren Stellvertreter durchgeführt. Sämtliche Helfer sind dabei in Ihrem Amt bestätigt worden, lediglich Frau Libicher wird Frau Lüters im Amt der stellvertretenden Deutschlehrerkoordinatorin ablösen. Wir danken an dieser Stelle recht herzlich allen Helfern für ihre Arbeit im vergangenen Jahr und freuen uns sehr, dass sie sich erneut zur Wahl gestellt haben. Wir wünschen ihnen viel Glück und alles Gute für die Herausforderungen, die anstehen. Das nächste Rundgespräch wird voraussichtlich Ende Januar 2016 stattfinden.

Lesen Sie hier den vollständigen Bericht zum 11. Rundgespräch.

Das 11. Rundgespräch „Asyl/Migration“ brachte für die zahlreichen Mitglieder der Gruppe und die interessierten Bürger eine Vielzahl von Antworten. Zu Beginn stellte der Koordinator der Gruppe, Georg Schrenk, die Arbeit der vergangenen Monate vor. Dabei stellte er eindeutig fest, dass Antworten für globale Lösungen nur durch die Politiker und nicht die Unterstützergruppe gegeben werden könnten. Für die Ehrenamtlichen vor Ort komme es darauf an, die Situation „im Griff“ zu behalten. Ausgehend von den 360 Asylbewerbern einschließlich der sogenannten unbegleiteten Jugendlichen in unserer Stadt unterstützte er die Feststellung von Oberbürgermeister Frank Kunz, dass auch im Landkreis eine Verteilquote auf die Kommunen notwendig sei. Dillingen nimmt zurzeit über 25 % der Asylbewerber auf, die dem Landkreis Dillingen zugewiesen werden. Als das erste Rundgespräch, damals initiiert von der Fraktion SPD/ Grüne/FW e.V., in Dillingen im September 2014 stattfand, nahmen 19 Menschen teil und in der Stadt waren ca. 40 Asylbewerber. Heute sind über 120 Menschen in die Liste der Unterstützer als Mitglieder eingetragen und versucht durch mannigfaltige Aktivitäten wie Betreuung in den Unterkünften, Begleitung zum Einkauf, bei Behördengängen, Arztbesuchen, Schwimm- und Fahrradkurse, Deutschausbildung sowie das Möbel- und Gerätelager und vieles andere mehr sich der Asylbewerber anzunehmen. Sorge bereite Schrenk zufolge nach wie vor die Tatsache, dass die Möglichkeiten zur Beschäftigung in Betrieben zwar grundsätzlich ab dem 3. Aufenthaltsmonat in Deutschland vorhanden sei, allerdings fehle es vor Ort auch noch an geeigneten Angeboten. Außerdem führe die erforderliche Nachrangigkeitsprüfung, die bis zum 15. Aufenthaltsmonat durchgeführt werden muss, manchmal dazu, dass freie Stellen an Menschen aus Mitgliedstaaten der EU vergeben werden. Der Koordinator Deutschunterricht Paul Weishaupt erläuterte dann den Stand der Deutschausbildung sowohl durch Ehrenamtliche als auch durch die Sprachausbildungsstätten. Dabei stellte er fest, dass gerade durch die seit dem 01.10.15 durch die Arbeitsagenturen finanzierte Deutschausbildung für Asylbewerber mit hoher „Bleibewahrscheinlichkeit“ manch Asylbewerber/in seine/ ihre Fähigkeiten überschätze und dem Lerntempo nicht gewachsen sei. Der Stellvertretende Koordinator Peter Schromm, der die Verbindung zur Berufsschule Höchstädt unterhält, erläuterte, dass es dort derzeit sieben sogenannte „BAF-Klassen“ (Berufsschule für Asylsuchende und Flüchtlinge) mit insgesamt 140 Schülern, davon aus Dillingen 40 gebe. Weitere Klassen seien geplant, dazu bedürfe es vor allem der Bereitstellung von entsprechenden Räumen, aber auch von Lehrkräften. Georg Schrenk erläuterte die besonderen Herausforderungen, die einer Lösung zugeführt werden müssten, wie die Mängel in der Organisation der Zuführung neuer Asylbewerber, die zum Teil überlangen Wartezeiten bis zu einer Entscheidung, die ungelöste Frage der Finanzierung von Familienzusammenführungen bis zu den noch vorhandenen Optimierungsmöglichkeiten bei den zuständigen Behörden. Dazu stellt er fest, dass die Vorschläge der Unterstützergruppe nicht durch Perfektionismus, sondern die täglichen Erlebnisse geprägt sind. Er wies auch eindringlich darauf hin, dass die Integration der Menschen keine Einbahnstraße sei. Sie könne nur dann funktionieren, wenn Asylbewerber und alle Bürger gemeinsam daran arbeiteten. Rechtsanwalt Thomas Demel leitete dann die anstehenden Wahlen, die lediglich bei der Stellvertretenden Koordinatorin Deutschausbildung eine Änderung brachten. Erika Lüters bat von diesem Amt entbunden zu werden, als Nachfolgerin wurde Jutta Libicher gewählt. An der Spitze der Gruppe wird nach wie vor Georg Schrenk als Koordinator stehen, der von seinem Stellvertreter Peter Schromm und dem Deutschlehrerkoordinator Paul Weishaupt weiter unterstützt wird. Kurzinterviews mit Georg Schrenk und Peter Schromm finden Sie hier. Wir danken an dieser Stelle recht herzlich dem alten Leitungsteam für seine Arbeit, bedanken uns für die erneute Kandidatur und wünschen dem neuen Leitungsteam alles Gute und viel Glück für die kommenden Herausforderungen.

Anschließend stellten sich Oberbürgermeister Frank Kunz sowie Oberregierungsrat Peter Alefeld, moderiert von Stadtpfarrer Wolfgang Schneck, den Fragen der Teilnehmer. Die Frage nach Kindergartenplätzen beantwortete Oberbürgermeister Frank Kunz mit dem Hinweis, dass es zur Zeit noch freie Kindergarten- und Krippenplätze gibt und er bereits mit dem Kindergartenträger, der katholischen Pfarreiengemeinschaft Dillingen, in Gesprächen über Lösungsmöglichkeiten sei, um den steigenden Bedarf zu decken. Der Bedarf an Schulplätzen finde momentan seine Grenzen im vorhandenen Lehrpersonal. Die Frage nach der Dauer der Zusammenführung von Familien, die in Deutschland disloziert untergebracht sind, konnte Oberregierungsrat Peter Alefeld nur dahingehend beantworten, dass genaue Zeiten nicht prognostiziert werden könnten und meist eine Genehmigung des BAMF notwendig sei. Leider, wie die Unterstützer aus eigener Erfahrung wissen, dauert es manchmal sechs Monate und mehr, bis derartige Anträge entschieden werden. Von Unterstützern/innen wurde die Dislozierung der im Landratsamt zuständigen Fachbereiche kritisiert. So ist zum Beispiel der Asylbewerber bearbeitende Teil des Sozialamtes ausgelagert worden und gerade die Meldeprozeduren nach Ankunft verlangen nicht nur von den Asylbewerbern, sondern auch von den Ehrenamtlichen einen hohen Zeiteinsatz, um die Wege zu bewältigen. Nach Meinung der Angehörigen der Unterstützergruppe sollten die zuständigen Stellen wieder zusammengefasst werden. Gemäß Oberregierungsrat Peter Alefeld ist eine andere Lösung als die derzeitige aus Platzgründen aber nicht möglich. Eindringlich wurde von Schwester Vera Fischer darauf hingewiesen, dass es Asylbewerber in unserer Stadt gibt, bei denen im Aufenthalt kein Ziel mehr erkennbar ist. So sind Menschen aus Albanien und Mazedonien schon über ein Jahr hier und Entscheidungen stehen aus. Ähnliches gilt übrigens für Senegalesen, Nigerianer, Menschen aus Tschetschenien/Kasachstan aber auch einige Syrier, Eritreer und Somalier. Auf diese berechtigte Klage gab es keine befriedigenden Antworten. Georg Schrenk wies darauf hin, dass er schon mehrfach schriftlich beim BAMF deswegen vorstellig geworden sei (unseren Offenen Brief dazu siehe hier), Änderungen bisher aber nicht eingetreten sind. Eine Unterstützerin bat Oberbürgermeister Frank Kunz zu prüfen, ob nicht für Parkraum vor den dezentralen Unterkünften ein kostenfreier Parkschein für Helferinnen und Helfer ausgestellt werden könnte. Er sagte zu, dies noch einmal zu überprüfen. Die berechtigte Klage über die unrealistischen Vorladungszeiten von Asylbewerbern zum Gespräch beim BAMF (morgens um 08:00 Uhr) Außenstelle München hat dazu geführt, wie Oberregierungsrat Alefeld mitteilte, dass der Landrat dazu ein Schreiben an den Vizepräsidenten des BAMF gesandt hat. Unsere Unterstützergruppe hat ebenfalls beim BAMF eine Verschiebung dieser Zeiten beantragt.
Anschließend bot der Kinderschutzbund bezüglich der Kinderbetreuung, aber auch zur Information der Eltern unter den Asylbewerbern seine Unterstützung an. Georg Schrenk warb für neue Unterstützer, in dem er feststellte, dass man in dieser ehrenamtlichen Tätigkeit Menschen aus anderen Kulturkreisen kennen lerne, hautnah von den Zuständen in den Herkunftsstaaten erfahre und helfe, „soziale Brennpunkte“ in unserer Stadt zu vermeiden. Er appellierte daran, nicht wegzuschauen, sondern zu unterstützen. Keine einzige der derzeit sich im Umlauf befindlichen „Parolen“ halte auch nur einen Menschen von der Flucht ab. Er wies auch noch einmal eindringlich darauf hin, dass es mit darauf ankomme, den Asylbewerbern unsere Kultur und Rechtsordnung zu verdeutlichen, aber auch ihre Kultur zu akzeptieren. Mit dem Dank des Oberbürgermeisters an die Unterstützerinnen und Unterstützer und dem Dank des Koordinators an die Mitwirkenden, aber auch die Teilnehmer endete eine Veranstaltung, die ihre Fortsetzung Ende Januar 2016 haben wird – der Termin wird selbstverständlich auch an dieser Stelle wieder bekanntgegeben werden.

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