Sprachworkshop soll Beschäftigungslose Flüchtlinge integrieren

Nur wenige sind sich bewusst, dass das deutsche Asylrecht seit 2016 die Menschen in zwei Klassen einteilt: in diejenigen mit einer „hohen Bleibeperspektive“ – und in diejenigen, die so schnell wie möglich wieder gehen sollen. Erstere kommen beispielsweise aus Syrien, Eritrea oder dem Irak. Sie haben Zugang zu Sprach- und Integrationskursen und zu Arbeitserlaubnissen. Letztere haben nichts.
„Diese Trennung ist etwas künstlich“, beschwert sich unser 1. Vorsitzender und Koordinator Georg Schrenk. Denn man geht bei den zuständigen staatlichen Stellen davon aus, dass Asylanträge schnell bearbeitet und abgelehnte Asylbewerber schnell abgeschoben werden. Das ist jedoch immer noch nicht der Fall. Das Ergebnis: beschäftigungslose junge Männer, die von Staats wegen dazu verurteilt sind, mehr als vier Jahre in Asylunterkünften herumzulungern und drohen, in die Kriminalität abzurutschen. Teils nachdem sie bereits in den Arbeitsmarkt integriert waren. Führende Asylexperten wie Georg Strasser aus Starnberg warnen bereits seit Jahren vor den Folgen dieser Politik für Bayern. „Die Politik stellt sich taub und lässt diese Menschen alleine“, so Schrenk. In Dillingen handele es sich schätzungsweise um einen Kreis von ca. 90 Personen.

Kursinhalte: von Bewerbung bis Waldspaziergang

Daher nehmen wir das Problem selbst in die Hand: zusammen mit der Diakonie Neu-Ulm starteten wir am 12. September das neue Integrationsprojekt „Come on!“. Es soll Flüchtlingen ohne Zugang zu Arbeit und Sprachkursen neue Perspektiven bieten. „Wir wollen ihre Kompetenzen erweitern und ihr Selbstbewusstsein stärken“, so Dieter Kogge, Flüchtlings- und Integrationsberater der Diakonie, der das Projekt betreut. Dazu werde am ersten Kurstag mit einem kleinen Deutschtest das Eingangsniveau der Teilnehmer überprüft.
Unter „Kompetenzen“ verstehen er und sein Team nicht nur Sprachkenntnisse auf einem Niveau von A1 bis A2, sondern auch Kenntnisse über das Leben in Deutschland. Die Teilnehmer sollen die wichtigsten Verkehrsregeln kennenlernen, sich mit der Rolle von Mann und Frau in unserer Gesellschaft auseinandersetzen, Bewerbungen schreiben, anhand der Zeitungslektüre einen Zugang zu Dillingen finden und sogar „die Bibel als christliches Dokument“ kennenlernen. Der passionierte Jäger Schrenk plant außerdem einen Waldspaziergang.

Im Mittelpunkt: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit

Ganz besonderes Augenmerk legt das neunköpfige Team auf zwei Tugenden, die als „typisch deutsch“ gelten: Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. „Eine große Herausforderungen bei vielen Kursen, die wir bereits durchgeführt haben“, gibt Schrenk zu.
Um dieses Problem zu lösen, hat sich das Team von „Come on!“ ein Punktesystem ausgedacht. Wer sich aktiv in den Kurs einbringt, regelmäßig seine Hausaufgaben macht und Verantwortung übernimmt, erhält Bonuspunkte. Wer dagegen seine Hausaufgaben vergisst, bekommt zwanzig Punkte abgezogen. Am Ende des sechsmonatigen Kurses gibt es ein Zertifikat, das über die erreichte Punktzahl informiert. „So führen wir die Flüchtlinge an das Prinzip der Leistungsgesellschaft heran“, erläutert Schrenk. „Auch Flüchtlinge erhalten bei uns nichts geschenkt!“ Deswegen kostet die Teilnahme bei denen, die noch Geldzuwendungen erhalten, auch eine Gebühr von fünf Euro pro Monat.

Hier geht's zum offiziellen Flyer und zum Anmeldeformular von "Come on!".

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