Man fühlt sich als „Fremder im eigenen Land“, und „an den Bahnhöfen und in den Zügen sehe ich nur noch Ausländer“. Woran liegt das?

Dass Asylbewerber und Migranten sich vorzugsweise an Bahnhöfen treffen hat vor allem zwei Gründe.
Erstens, weil dieser Personengruppe meist kein eigenes Auto zur Verfügung steht und sie damit verstärkt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Wir halten die von uns betreuten Flüchtlinge auch ganz bewusst dazu an, Bus & Bahn zu nutzen, damit sie selbstständiger werden. Flüchtlinge zahlen übrigens den gleichen Fahrpreis wie alle anderen Fahrgäste auch.
Zweitens, weil in vielen Herkunftsländern das Leben nicht nur zu Hause, sondern auch auf der Straße stattfindet. In Deutschland gibt es traditionell keine „Kultur des öffentlichen Raumes“. Der Grund dafür mag im unterschiedlichen Klima liegen. Das heißt: Wenn man sich mit Freunden verabredet oder andere Menschen treffen will, tut man dies zu Hause oder geht in eine Bar, denn draußen ist es gerade im Winter zu kalt. In anderen Ländern übernehmen meist öffentliche Plätze diese Funktion. Hier werden Neuigkeiten ausgetauscht und Kontakte geknüpft; hier sieht man und wird gesehen. Der Italienurlauber kennt dieses Phänomen vielleicht unter dem Begriff „il corso“, in Südamerika spricht man von der „plaza“. Aufgrund der zentralen Lage übernehmen in Deutschland oftmals Bahnhöfe diese soziale Funktion. Das heißt: Wenn Flüchtlinge sich zu später Stunde an einem Bahnhof versammeln, „lungern“ sie dort nicht „herum“ oder dealen gar mit Drogen (wobei es das, leider, auch gibt), sondern pflegen soziale Kontakte.

Gemischt. Genauso wie beim Thema Spracherwerb gibt es Flüchtlinge, die sich besonders leichttun und sogar in der Öffentlichkeit auftreten, und solche, die sich schwerer tun. Das möchten wir auch keineswegs verschweigen.

Besonders große Probleme bestehen bei den Themen Wohnen und Familie.
Im Bereich Wohnen gibt es Flüchtlinge, insbesondere solche aus Syrien, denen es schwerfällt, den mit der Flucht verbundenen Status- und Einkommensverlust zu akzeptieren und beispielsweise in einer kleineren Wohnung zu leben, als sie es aus Syrien gewöhnt waren. Auch haben einige ein Problem damit, in Randlagen zu wohnen und den öffentlichen Nahverkehr nutzen zu müssen.
Im Bereich Familie sind es die patriarchalischen Strukturen, welche in vielen Herkunftsländern bestehen und aus denen sich einige Flüchtlinge erst lösen müssen.
Grundsätzlich gilt für uns: unsere Hilfe basiert auf Gegenseitigkeit. Wer nicht bereit ist, sich zu integrieren, kann auch nicht mit unserer Unterstützung rechnen – und Straftaten, die uns bekannt werden, bringen wir natürlich konsequent zur Anzeige.

Dies kann jedoch auch eine Chance sein: zum Dialog zwischen „entwickelten“ und „weniger entwickelten“ Ländern und zur Triebfeder sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts in den Herkunftsländern, wenn Flüchtlinge, die länger in Deutschland lebten, wieder dorthin zurückkehren. So gibt es auch einige Erfolge zu verzeichnen: der Frauentreff beispielsweise dient dem Austausch unter den Frauen und wird gut angenommen. Einige Flüchtlinge beteiligen sich am öffentlichen Leben in Dillingen, zum Beispiel bei der Feuerwehr oder beim jährlichen Kreuzweg. Auch sind einige Geflüchtete ehrenamtlich im Integrationsbeirat des Landratsamtes. Das Projekt Come on bewahrt Flüchtlinge, denen die Arbeitserlaubnis verweigert wurde, vor Einsamkeit und Perspektivlosigkeit.
Bei all diesen Aktivitäten findet gleichzeitig auch eine Wertevermittlung statt. Wir fordern selbstverständlich ein, dass Flüchtlinge die Grundwerte des Grundgesetzes einhalten. Dazu gehören besonders die Gleichheit von Mann und Frau und die Religionsfreiheit. Aber Werte sind nichts, was man in Integrationskursen verordnen oder durch Tests erfassen könnte. Werte müssen vorgelebt werden, und dafür brauchen Flüchtlinge Orte, an denen sie Kontakt zur Zivilgesellschaft aufnehmen könnte.

Wie es sich wirklich anfühlt, auf Dauer in einem vollkommen fremden Land zu leben, kann wohl nur nachvollziehen, wer bereits selbst eine solche Erfahrung gemacht hat, beispielsweise bei einem Schüleraustausch oder einem beruflichen Auslandsaufenthalt. Dabei gilt: die Vorstellung von Integration als Einbahnstraße führt in die Sackgasse. Anpassen und verändern muss sich auch die aufnehmende Gesellschaft. In Deutschland denken wir da zum Beispiel an verkrustete Behördenstrukturen, deren Sinn oft wir Deutschen selbst nicht einmal mehr durchschauen. Hier ist statt deutscher Gründlichkeit etwas mehr deutsche Flexibilität notwendig, wie sie auch Angela Merkel auf dem Höhepunkt der „Flüchtlingskrise“ anmahnte. Und das würde dann allen helfen: den Flüchtlingen und den Einheimischen.

Schlicht und einfach: ja, natürlich. Und in der Tat sind nach Angaben von UNHCR[1] zwei Drittel aller Flüchtlinge weltweit sogenannte Binnenflüchtlinge, die im eigenen Land fliehen. Deutschland ist auch nicht das größte Aufnahmeland: 85 % aller Flüchtlinge fliehen in Entwicklungs- oder Schwellenländer, die mit ganz anderen Problemen kämpfen als Deutschland. Darunter sind die Türkei, Pakistan, Uganda, der Libanon und der Iran als die fünf größten Aufnahmeländer 2017. Erst an sechster Stelle steht Deutschland.

Die meisten Flüchtlinge schaffen es also gar nicht bis zu uns. Von einem „Ansturm“ kann daher keine Rede sein.

Dennoch sind wir der Überzeugung: diejenigen, die hier sind, verdienen eine menschenwürdige Behandlungen nach rechtsstaatlichen Standards. Unser Verein hat sich darauf konzentriert, lokal und vor Ort zu helfen – zu mehr wären wir auch gar nicht in der Lage. Wenn Sie dazu beitragen wollen, Flüchtlinge in anderen Ländern zu unterstützen, finden Sie zahlreiche Hilfsorganisationen im Netz. Sie können aber auch selbst in ihrem Alltag dazu beitragen, Fluchtursachen zu verringern, indem Sie beispielsweise auf fair gehandelte Produkte wie Schokolade und Bananen achten.

 

[1] alle folgenden Zahlen nach https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zahlen-fakten/

Es war nie unser Ziel, uns politisch zu äußern – die Umstände haben uns dazu gezwungen. Es geht und ging uns einzig und allein darum, den in Dillingen lebenden Flüchtlingen einen menschenwürdigen Aufenthalt zu ermöglichen.

Leider interessieren sich manche Politiker wenig für die Zustände vor Ort. Unter dem Druck der Neuen Rechten beschließen sie Gesetze und Verordnungen, welche die Schwierigkeiten vergrößern und teils an der Realität vorbeigehen, beispielsweise beim Thema Arbeitsgenehmigungen. Auch die Zivilgesellschaft ist über die tatsächlichen Hintergründe der „Flüchtlingskrise“ und mögliche Lösungsansätze oft erstaunlich wenig informiert. Das Leiden der Menschen ist weit entfernt von der eigenen Lebensrealität, und so schaut man weg.

Daher sehen wir es zunehmend auch als unsere Aufgabe an, über die Lebenssituation und die Rechte von Flüchtlingen zu informieren und öffentlich für die Grundrechte auf Menschenwürde und Asyl einzutreten. Diese beiden Ziele wurden 2016 bei der Vereinsgründung auch in die Satzung aufgenommen. Wir möchten uns dem demokratischen Dialog stellen. Wenn Sie Fragen oder Zweifel haben, kommen Sie gerne auf uns zu und besuchen Sie eine unserer Veranstaltungen, wo Sie die in Dillingen lebenden Flüchtlinge persönlich kennenlernen können.

Dennoch sind und bleiben wir überparteilich und unabhängig. Unsere Mitglieder gehören allen politischen Richtungen an, und der Vorstand verfolgt keine politischen Ziele. Trotzdem halten wir es manchmal für notwendig, aus gewissen Erfahrungswerten aus der täglichen Arbeit Handlungsempfehlungen zur konstruktiven Lösung der „Flüchtlingskrise“ abzuleiten.

Den meisten Menschen sind beim Wort „Flüchtlingskrise“ vor allem die Ereignisse im Herbst 2015 im Gedächtnis. Doch was nur wenige wissen: die Flüchtlingsproblematik besteht schon länger. Auch wir Helfer sind schon länger aktiv: unsere Gruppe bereits seit 2014.

Bereits mehrere Jahre vorher hatte sich abgezeichnet, dass Europa in der Zukunft mit einer ganz neuen Herausforderung würde kämpfen müssen. Vor allem in Italien landeten immer mehr Flüchtlinge. Diese Staaten waren überfordert. Die Bundesregierung verwies damals noch auf die Dublin-Regelung, wonach dasjenige EU-Land für das Asylverfahren zuständig ist, welches der Asylbewerber zuerst betreten hat. Diese Regelung ist für den EU-Binnenstaat Deutschland von Vorteil.
Als einer der ersten überhaupt verschaffte der 2013 gewählte Papst Franziskus den Flüchtlingen öffentliche Aufmerksamkeit. Seine erste Auslandsreise führte ihn nach Lampedusa, wo kurz zuvor das erste große von vielen weiteren Bootsunglücken stattgefunden hatte. Zwei Überlebende dieses Unglücks gelangten später nach Dillingen. Ein Jahr darauf verkündete er im EU-Parlament, das Mittelmeer dürfe nicht zum Friedhof werden, und appellierte an die gemeinsame Verantwortung der gesamten Europäischen Union.
An der Basis formierten sich die ersten, noch losen, Flüchtlingshelfergruppen. Sie sprangen damals in eine Lücke, die der Staat hinterließ. Im Vordergrund steht die Nothilfe. Noch waren Deutschkurse nur für anerkannte Flüchtlinge zulässig. Der Staat war auf die Ehrenamtlichen angewiesen, es entstanden jedoch erste Konflikte. Die Ehrenamtlichen (so auch wir) warnten vor Überforderung.

Im Herbst 2015 brach das europäische Asylsystem zusammen. Die genauen Ereignisse sind umstritten, Tatsache ist: innerhalb kürzester Zeit kamen über die „Balkanroute“ um die 800.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Der Staat war auf diesen Ansturm nicht vorbereitet, das BAMF völlig überfordert. Erneut sprangen die Ehrenamtlichen ein. Gleichzeitig schlossen die Länder der Balkanroute ihre Grenzen, Ungarn baute einen Zaun. Noch herrschte in Deutschland eine Willkommenskultur. Gleichzeitig erlebte das Land eine enorme Polarisierung, die bis heute anhält: in pro und contra Flüchtlinge.
An der Basis fand, verstärkt durch die vielen neuen Helfer, die im Herbst 2015 dazukamen, eine Professionalisierung und Institutionalisierung statt. Die Flüchtlingshelfer vernetzten sich, betraten die öffentliche Sphäre und gaben sich feste Rechtsformen als eingetragene Vereine. Gleichzeitig erhielten sie zunehmend professionelle Unterstützung, insbesondere von den Kirchen. Der Staat verteilte zwar Ehrungen und Dankesurkunden, ließ die Helfer jedoch weiter allein.

Aus der ursprünglichen Nothilfe wurde langsam eine dauernde Hilfe. Die Themen Arbeit, Wohnung und Integration drängen sich in den Vordergrund. Viele Flüchtlinge sind nun anerkannt.
Gleichzeitig tritt eine Erschöpfung unter den Flüchtlingshelfern der Basis ein. Viele Ehrenamtliche geben auf, es kommen nur wenige Neue hinzu. Der „harte Kern“ bleibt jedoch erhalten.

Auf gesellschaftlicher Ebene schwindet der Rückhalt. Nach der Silvesternacht von Köln kippte die Stimmung. Ausländerfeindliche Parteien und Kräfte gewinnen an Stärke, die Ehrenamtlichen stehen unter Druck und erhalten teils persönliche Angriffe – auch hier in Dillingen. Der Staat führte die Unterscheidung zwischen Flüchtlingen mit „guter“ und „weniger guter“ Bleibeperspektive ein. Es folgen mehrere, teils überhastete, Reformen am Asylrecht.

Bedingt durch den Druck von Rechts und die restriktive Reaktion der Politik politisierten sich auch die Flüchtlingshelferkreise. Eine überregionale Zusammenarbeit in verschiedenen Organisationen begann. Die Kirchen solidarisierten sich mit den Flüchtlingshelfern. Die Helferkreise meldeten sich in Form von Protestbriefen, Demonstrationen und weiteren Aktionen verstärkt zu Wort. Insbesondere in Bayern begann ein langer, mühseliger und immer noch nicht abgeschlossener Kampf gegen die Willkür der bayerischen Asylbürokratie. Die Anerkennungspraxis wurde insgesamt restriktiver, Flüchtlinge werden jetzt auch nach Afghanistan abgeschoben.
Das BAMF schaffte es durch Personalneueinstellungen, den Asylstau zu verringern. Viele Flüchtlinge sind jetzt anerkannt und stehen in Arbeit oder Ausbildung. Gleichzeitig verlagerte sich der Papierberg zu dem Verwaltungsgerichten: dort klagen unzählige, nicht-anerkannte Flüchtlinge gegen handwerklich schlecht gemachte Bescheide.

Die Zukunft ist ungewiss. An der Basis werden wohl Ehrenamtliche verstärkt durch Hauptamtliche abgelöst werden. Die neu angekommenen Flüchtlinge werden ihren langen Weg in Richtung Integration weitergehen – teils mit Rückschlägen, die meisten aber erfolgreich. Die europäische Union hat immer noch kein einheitliches Asylsystem. Die Krisen und Konfliktherde an ihren Grenzen – Syrien, Nordafrika, mittlerweile auch die Türkei – brennen weiter. Wir wagen keine Prognose, was passiert, wenn sich von dort wieder Millionen Menschen auf den Weg machen.

Diese Darstellung basiert auf einem Vortrag beim 4. Oberbayerischen Asylgipfel 2017 in München.

Die konkreten Fluchtgründe, warum einzelne Asylbewerber Zuflucht in Deutschland und Europa gesucht haben, sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Wir können daher an dieser Stelle keine pauschale Antwort geben.

Stattdessen erlauben wir uns zwei Gegenfragen: Kann ein Land, dessen Machthaber seit Jahren brutal jegliche politische Opposition unterdrückt, dessen Regierung Bomben auf das eigene Volk werfen lässt und dem von der internationalen Gemeinschaft schlimmste Verbrechen wie Chemiewaffeneinsatz, Folter und Massenmord vorgeworfen werden, noch wirklich als „Vaterland“ gelten? In wessen Armee sollte denn ein ehrlicher Syrer kämpfen – in der des Schlächters und Diktators Assad?
Sicher nicht. Die Frage, ob der Einzelne sich stattdessen den Reihen der Opposition anschließen und gegen Assad kämpfen möchte, kann ebenfalls nur individuell beantwortet werden. In der Tat sind vor allem zu Beginn des Bürgerkriegs viele Soldaten aus Assads Reihen desertiert, um auf Seiten der Oppositionellen für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.
Mehr als ein halbes Jahrzehnt nach Kriegsbeginn sind die meisten jedoch ernüchtert. Seien Sie ehrlich zu sich selbst: würden Sie in einem Krieg wie dem Syrienkrieg zur Waffe greifen? Oder würden Sie nicht viel eher versuchen, sich und Ihre Familie zu retten? Bevor Sie eine solche Frage den syrischen Flüchtlingen stellen, überlegen Sie doch erst einmal, wie Sie sie selbst beantworten würden. Sie halten ein solches Gedankenspiel für rein hypothetisch? Dann werfen Sie einmal einen Blick auf den ARD-Spielfilm „Aufbruch ins Ungewisse“.

Nein, die Farbe unseres Corporate Designs hat nichts mit der Farbe des Nationalsozialismus zu tun. Sie wurde vom AK Homepage, der das grundlegende Konzept unseres Online-Auftritts erarbeitet hat, am 07. Juni 2015 festgelegt. Der AK wünschte sich dabei eine Farbgebung, die mit den Menschen zu tun hat, mit denen wir arbeiten: den Flüchtlingen. Das Grafikerteam erarbeitete daraufhin einen Logoentwurf in Brauntönen. Die verschiedenen Brauntöne unseres Logos sollen dabei für die verschiedenen Hautfarben aller Menschen dieser Erde stehen. Die ineinandergreifenden Hände symbolisieren die länderübergreifende Zusammenarbeit und Solidarität aller Menschen in Dillingen, egal welcher Herkunft.

Dieses Logo wurde vom 8. Rundgespräch am 10. September 2015 angenommen und die Farbgebung der Homepage wurde daraufhin dem Logo angepasst. Das Braun in unserem Logo will also eine symbolische Umdeutung der alten Nazi-Uniformen leisten: weg von einer menschenverachtenden Ideologie hin zu einer völkerübergreifenden Zusammenarbeit in allen Farben nicht des Regenbogens, sondern der menschlichen Schutzhülle schlechthin: seiner Haut.

Das Rundgespräch „Asyl/Migration“ ist die größte regelmäßig stattfindende öffentliche Veranstaltung zu den Themen Asyl, Migration, Flüchtlinge und Integration im Landkreis Dillingen und weit darüber hinaus. Es findet ca. alle 1,5 Monate im Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich statt. Zu jedem Rundgespräch sind ein oder mehrere Referenten geladen. Dabei ist die Bandbreite groß: es handelt sich um Behördenvertreter von Landratsamt, Arbeitsagentur oder Zentraler Ausländerbehörde, um Politiker aus allen drei Ebenen Bund, Freistaat und Kommune oder um anerkannte Experten zu Themen wie Islam und Seenotrettung, deren Vorträge auf ein erhöhtes öffentliches Interesse stoßen.

Das Rundgespräch ist kostenlos. Es schafft ein Forum der Begegnung und des informierten Austausches zu aktuellen Themen der Asylpolitik. Anstatt sich auf Medienberichte zu verlassen, kann sich so jeder interessierte Bürger selbst vor Ort informieren. Die Einladungen werden (auch an dieser Stelle) regelmäßig vorher veröffentlicht. Da wir in einer Demokratie leben, gilt: nur wer sich einmischt, kann Verantwortung übernehmen!

Nein – zumindest solange, wie das Asylverfahren noch andauert.

Personengruppe

Leistungen für Asylbewerber*

Regelsätze Hartz IV

Alleinstehend

344 €

424 €

Ehepaar

je 310 €

je 382 €

U25 im Haushalt der Eltern

275 €

339 €

14 bis 17 Jahre

275 €

322 €

6 bis 14 Jahre

268 €

302 €

0 bis 6 Jahre

214 €

245 €

Quelle für die Harzt-IV-Sätze: http://www.hartziv.org/regelbedarf.html
Quelle für die Asylsätze: Asylbewerberleistungsgesetz/Landratsamt Dillingen/Donau
*Taschengeld, Lebensunterhalt und Kleiderzuschuss
Stand: 1. September 2019

Anmerkung: Asylbewerbern steht künftig erst dann ein voller Anspruch auf gesetzliche Leistungen zu, wenn sie sich vor Ort registriert haben und den neuen Aufenthaltsgestattungsausweis besitzen, welchen die für den Asylsuchenden zuständigen Aufnahmeeinrichtung oder Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ausstellt. Wer sich vor oder bei der Einreise seiner Personalpapiere entledigt hat, oder Leistungen durch Angabe falscher Personalien erschlichen hat, verliert für fünf Jahre den Anspruch darauf.

Ausländische Asylbewerber bekommen also weniger Geld als deutsche Arbeitslose. Hinzu kommt, die Wiedereinführung des Sachleistungsprinzips. Für die Versorgung von Asylbewerbern sind die Kommunen (Landkreise, kreisfreie Städte) zuständig. Nur, wenn diese nicht in der Lage sind, die Versorgung in Form von Sachleistungen zu gewährleisten, wird das sogenannte „Taschengeld“ ausbezahlt. Im Landkreis Dillingen gibt es grundsätzlich keine Sachleistungen außer der Kosten für Unterkünfte und ärztliche Versorgung von Asylbewerbern. Ausnahme: Geflüchtete, die eine Ablehnung haben, und nach Einschätzung der Behörden sich bei den Maßnahmen zur Identitätsfindung nicht engagieren (z.B. Beschaffung von Personenstandsurkunden, Aufsuchen der Botschaft, um einen Pass zu erhalten) erhalten Sachleistungen.
Wir begrüßen dies ausdrücklich, da viele Asylbewerber gerne kochen, insbesondere zu festlichen Anlässen wie Geburtstagen, gerne mit Gerichten und Gewürzen aus ihrer Heimat, die sie nur dann erwerben können, wenn sie über eigenes Geld verfügen. Die Wiedereinführung des Sachleistungsprinzips würde sie also entwurzeln und somit nicht zu einer erfolgreichen Integration beitragen.

Die genaue Höhe der Leistungen für Asylbewerber ist immer wieder Gegenstand der politischen Diskussion. Dabei wird oft vergessen, dass die AsylBwLG-Leistungen nicht beliebig gekürzt werden dürfen: das Bundesverfassungsgericht legte 2012 in einem Urteil fest, dass die Leistungen für Asylbewerber immer das Existenzminimum garantierten müssten. Dies ergebe sich aus der Menschenwürde in Artikel 1 Grundgesetz und aus dem Sozialstaatsprinzip in Artikel 20.

Die Dillinger Flüchtlinge müssen mit diesem Geld natürlich haushalten. Der richtige Umgang mit Geld ist den zumeist jungen Flüchtlingen nicht vertraut, da oftmals auch grundlegende mathematische Kenntnisse fehlen, um Geldmengen dieser Größenordnung abschätzen zu können. Ebenso ist der Umgang mit einem (nicht verzinsten und nicht überziehbaren) Bankkonto und einer Girokarte für viele schwierig. Unsere Paten helfen deswegen beim richtigen und verantwortungsvollen Umgang mit dem ihnen anvertrauten Geld, können die Asylbewerber jedoch auch zu nichts zwingen, da sie volljährige und erwachsene Menschen sind.

Sobald ein Asylbewerber als Flüchtling anerkannt ist, erhält er, wenn er keine Arbeit oder Ausbildung findet, allerdings den gleichen Satz wie ein deutscher Hartz-IV-Empfänger. Die meisten Flüchtlinge mit Familie, die eine Arbeit finden, bleiben sogenannte „Aufstocker“, das heißt, sie bekommen weiterhin einen Zuschuss aus dem JobCenter.

Die Zusammenarbeit der drei Kirchen, der kath. Pfarreiengemeinschaft Dillingen, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und der FeG Dillingen-Steinheim, in unserer Unterstützergruppe ist ein beispielloses Engagement in Sachen Ökumene. Ohne über konfessionelle Haarspaltereien zu stürzen, engagieren sich Mitglieder aus allen drei Gemeinden und weiteren Kirchen und Freikirchen in unserer Unterstützergruppe. Dementsprechend ist die christliche Überzeugung der Nächstenliebe auch für viele unserer Helfer eine wichtige Motivation ihrer Arbeit.

Dennoch sind wir von jeder Kirche und kirchlichen Gemeinschaft sowohl rechtlich als auch inhaltlich unabhängig. Die Dillinger Unterstützergruppe verfolgt keinerlei kirchliche, politische oder ideologische Ziele, sondern hat sich die Bewahrung der Menschwürde der Dillinger Flüchtlinge zur Aufgabe gemacht. In diesem Sinne wirken wir auch aktiv mit einer positiven Öffentlichkeitsarbeit, die ebenfalls von Ehrenamtlichen getragen wird, auf die Öffentlichkeit ein.

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