Flüchtlingshelfer-Flohmarkt Dillingen an der Donau

Zahlreiche Schreibhefte, Stifte und Spiele wechselten ihren Besitzer bei unserem Flüchtlingshilfe-Flohmarkt am 15. Juni 2018 im Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich. Zwar konnte sich die Spendenkasse über erstaunlich hohe Zusatzeinnahmen freuen, viel lieber wäre es uns jedoch gewesen, einige Einheimische hätten die Chance genutzt, um mit den anwesenden Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen.
Übrig gebliebenes Material geht jetzt an den Laden „Vielerlei“ in Höchstädt. Wie wir unsere Einnahmen verwenden, erfahren Sie hier.

Warten Sie schon sehnsüchtig darauf, dass endlich der Straßenwahlkampf beginnt, damit Sie wieder Kugelschreiber und Notizblöcke an den Ständen der Parteien abstauben können? Dann gibt es auch eine schnellere Lösung für Sie, bei der Sie gleichzeitig einen guten Zweck unterstützen können!

Wir veranstalten am Samstag, den 16. Juni 2018 von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr einen Flohmarkt auf dem Platz vor der St. Ulrichskirche (Bischof-Hartmann-Ring 1). Dort geben wir Schreibpapier, Schulhefte, Stifte, Umschläge, Schreibblocks und andere Utensilien des täglichen Bürobedarfs für eine Spende zugunsten unseres Spendenkontos an Flüchtlinge und sozial Schwache ab. Schauen Sie vorbei und informieren Sie sich gleichzeitig an der „Basis“ über den Stand der Flüchtlingsdebatte! Wir freuen uns, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Der Mensch ist das Maß

2. Regenerationsseminar für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer Dillingen/Donau

Zum Teil schon seit fünf Jahren sind sie im Einsatz, die Unterstützerinnen und Unterstützer in der Flüchtlingsarbeit. Überall standen sie bereit und zeigten in Wort und Tat, dass sie das „Wir schaffen das!“ der Kanzlerin in die Realität umsetzen wollen und können. Letztlich waren nicht die zuständigen staatlichen Behörden und die Kommunen die Gewähr dafür, dass der Flüchtlingsansturm nicht in einem Chaos endete. Es waren die ungezählten Ehrenamtlichen. Ihre Zahl hat sich deutlich reduziert, sei es durch persönliche Enttäuschungen bei der Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen oder auch durch Erlebnisse mit Flüchtlingen. Sie können dem Lob aus dem politischen Bereich meist nichts mehr abgewinnen, da sie täglich erleben, dass außer dem Mindestmaß an Integrationsmaßnahmen wie Schul- und Kindergartenplätze kaum etwas geschieht.

Vortrag Afghanistan Mittelschule Höchstädt/Donau

Bücher weg, Hefte weg, Stifte raus: was in der Schule normalerweise als gefürchtete Ansage für einen Stehgreifaufgabe gilt, entpuppte sich am 10. April 2018 für 50 Schüler der 7. Klassen an der Mittelschule Höchstädt als Auftakt zu einer ganz besonderen Schulstunde. Der Lehrer überließ das Pult Omidullah Mohammadi, der aus Afghanistan floh, seit dem 22. Oktober 2015 in Deutschland ist und seit dem 13. Dezember 2017 in Dillingen lebt. Begleitet wurde er von unserem 1. Vorsitzenden und Koordinator, Georg Schrenk.

Afghanistan ist nicht sicher

Mohammadi berichtete eindrucksvoll von den Zuständen in Afghanistan und den Gründen seiner Flucht. Das Land wird in den Medien oft als sicher für Abschiebungen dargestellt. Mohammadi korrigierte diese Vorstellung und berichtete sehr plastisch von den verschiedenen rivalisierenden Terrorgruppen, die seiner Familie dort noch heute das Leben zur Hölle machten.
Schrenk ergänze seinen Vortrag mit aktuellen Informationen zur Asylpolitik: im Schnitt werde alle drei Sekunden auf dieser Welt jemand zur Flucht gezwungen, die Hälfte aller Flüchtlinge seien Kinder. Unsere Gruppe sehe es als moralische Verpflichtung an, diesen Menschen zu helfen, sagte Schrenk, und zitierte sein großes Vorbild, den verstorbenen CDU-Politiker Heiner Geißler. Die Integration der Flüchtlinge sei nicht immer leicht, aber es gebe Erfolge: so nahm im März der erste Dillinger Flüchtling ein Studium auf, und auch dank der Arbeit der Helfer konnten mittlerweile ca. 35 % der Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung gebracht werden – trotz des stetigen Kampfes gegen die Mühlen der Bürokratie.

„Die beste Veranstaltung, die ich je besucht habe“

Schrenk warb bei seinem jungen Publikum auch für unsere Integrationsprojekte, zum Beispiel den Chor der Begegnung oder den Fußballtreff. Die 7. Klässler zeigten sich enorm interessiert und stellten ca. 30 Rückfragen, die Mohammadi souverän auf Deutsch beantwortete. „Das war die beste Veranstaltung, die ich je an einer Schule erlebt habe!“, meinte Schrenk im Nachgang der Veranstaltung. Auch teilnehmende Lehrer von der Mittelschule Höchstädt äußerte sich sehr positiv.

Deutsch-afghanisches Drachenbasteln in St. Ulrich

Drachen selbst zu basteln und sie dann in einem Wettkampf steigen zu lassen ist eine afghanische Tradition, für Kinder wie für Erwachsene – man denke zum Beispiel an den berühmten Roman „Kite Runner“ von Khaled Hosseini. Das Highlight des Drachensteigens ist während des traditionellen Neujahrsfestes Nauroz, das im Kulturkreis der persischen und afghanischen Völker seit mehr als 3000 Jahren gefeiert wird. Nauroz entspricht dabei unserem Frühlingsanfang. Wenn die Felder und Wiesen mit Tulpen und Wildblumen übersät sind, lassen Kinder, Jugendliche und Heranwachsende ihre bunten Kunstwerke am Himmel flattern.

So fand die Idee von „Julias Futterbar“ – Julia Borgreve, selbst eine begeisterte Drachenbauerin – für deutsche und afghanische Kinder und deren Eltern einen Drachenbauer-Workshop anzubieten großen Anklang. Einen Samstagnachmittag lang wurde in den Bastelräumen von St. Ulrich eifrig geklebt, Stäbe zugeschnitten, Schnüre eingezogen, Quasten angefertigt und dann an den fertigen Drachen befestigt.

Diese mussten natürlich auch gleich ausprobiert werden! Sogar bei geringem Wind stiegen einige erstaunlich hoch in den Himmel und man konnte erkennen, dass so mancher Drachenlenker nicht zum ersten Mal einen Drachen in der Hand hielt.

Stolz präsentierten die Kinder ihre Drachen beim abschließenden Gruppenfoto. Eine Aufgabe wartet noch zuhause auf die Drachenbauer: Das individuelle Anmalen des eigenen Drachens.

Der Drachenworkshop war ein gelungener Moment gelebter und erlebter Integration. Dank an dieser Stelle der Pfarrgemeinde St. Ulrich für die Beherbergung sowie der Unterstützergruppe „Asyl/Migration Dillingen a.d.D.“ e.V. und Julias Futterbar für die finanzielle Unterstützung.

 

Helfergruppen aus dem Landkreis gründen Sprecherrat

„Enger zusammenrücken und sich gegenseitig unterstützen“ – das müssen die Helfergruppen im Landkreis Dillingen, so der Koordinator der Dillinger Gruppe, Georg Schrenk. Er hatte die Sprecher der Gruppen nach Dillingen eingeladen und 12 Koordinatoren/Sprecher folgten dieser Einladung. „Mit einer Stimme zu sprechen – gegenüber der Politik und den Kommunen / Behörden“ sei das Hauptziel der Vernetzung, so Schrenk. Sich abseits behördlicher Zwänge zu treffen und auszutauschen ist ein großes Anliegen der Helfer. Um diesen Austausch gegenüber der Politik, den Kommunen und den Behörden zu koordinieren, wurde ein Sprecherrat gegründet, dem Claudia Baumann aus Wittislingen, Bernd Arndt aus Wertingen, Hermann Kleinhans aus Gundelfingen und Georg Schrenk aus Dillingen angehören. Zusätzlich zu den bereits existierenden wöchentlichen Rundmails, die der Dillinger Koordinator herausgibt, wollen sich die Helfer nun auch regelmäßig zum Informationsaustausch außerhalb der vom Landratsamt angebotenen Gesprächsrunde der dortigen Integrationslotsin treffen. Bei ihrem ersten Treffen berichteten die Gruppensprecher über die Lage vor Ort.

Ökumenischer Weihnachtsgottesdienst 2018 für Flüchtlinge in St. Ulrich, Dillingen/Donau

Die eritreisch-orthodoxe Kirche feiert Weihnachten am 7. Januar. Dies war für uns Anlass, wie schon im Jahr davor in die Kirche St. Ulrich einzuladen. Mit Pfarrer Lothar Hartmann feierten Flüchtlinge und Betreuer/innen einen Wortgottesdienst. Hartmann ging in seiner Ansprache darauf ein, dass Jesus Christus als Kind nach Ägypten fliehen musste. Gedanken, die in den Fürbitten noch vertieft wurden. Nach dem Gottesdienst traf man sich in geselliger Runde und so konnten die Einheimischen mit den Flüchtlingen Gedanken zu Weihnachten, aber auch zum Leben in Deutschland austauschen. Derartige Veranstaltungen sind geeignet, die Kultur der Flüchtlinge kennen zu lernen ihnen, aber auch unsere Kultur zu vermitteln. Denn, wie der Koordinator der Dillinger Gruppe, Georg Schrenk, auch feststellte, Integration gelingt nur durch Erleben und nicht schwer verständliche Vorschriften und theoretisch formulierte Zielsetzungen zur „Leitkultur“.

 

Zweite Infoveranstaltung für Flüchtlinge/Klare Ansage: Integration braucht Regeln

Ein ausgestreckter Mittelfinger, eine Faust und eine Pistole. Darüber: ein rotes Kreuz. Die Piktogramme sind durchgestrichen, „verboten“ soll das heißen. Die nächste Folie: die Deutschlandflagge, daneben Richter, Staatsanwälte und Polizisten. Nur der Staat darf in Deutschland Gewalt ausüben und Verbrecher bestrafen. Selbstjustiz ist nicht erlaubt.

Nicht nur das Gewaltmonopol und der Rechtsstaat, auch viele andere Themen von der Religionsfreiheit bis zur Mülltrennung sind wichtig für Flüchtlinge, die sich in Deutschland integrieren wollen.
„Wir können nicht für euch die Großmutter spielen“, legte uns Notker Wolf bei seinem Besuch vor einem Monat als Botschaftfür die von uns betreuten Flüchtlinge ans Herz.
Konkret sieht das so aus: schon zum zweiten Mal in diesem Jahr haben sich am 28. Oktober 2017 rund 50 Flüchtlinge und ihre Helfer im Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich versammelt, um alles zu lernen, was es fürs Leben in Deutschland braucht.

Anhand von verschiedenen Mülleimern wird die Mülltrennung spielerisch erklärt.
Auch die Mülltonne gehört dazu: spielerisch wurde erklärt, wie Mülltrennung funktioniert.

Dabei sind wir nicht naiv. Wir sind uns bewusst: einige Schutzsuchende tun sich schwer mit der Integration. „Stellen Sie keine Ansprüche, seien Sie bescheiden!“, warnte daher auch Georg Schrenk, unser 1. Vorsitzender und Koordinator. Und auch Dieter Kogge, der Hausmanager des Landratsamtes Dillingen, stimmte mit ein: die Flüchtlinge sollten nicht leichtfertig Wohnungen ablehnen und WGs bilden. Momentan suchten 500 Geflüchtete mit Anerkennung im Landkreis eine Wohnung.
Doch wir Helfer glauben, dass jeder Flüchtling eine Chance hat. Schrenk zeigt sich im Nachgang der Veranstaltung optimistisch: „Ich glaube, die Regeln für das Zusammenleben sind deutlich geworden“. Er bedauerte nur, dass einige Familien gar nicht vertreten waren, aber er könne schließlich auch niemanden zum Besuch unserer Angebote zwingen. Immerhin, die meisten Teilnehmer konnten schon genug Deutsch, um den Vorträgen ohne Übersetzer zu folgen, und die ersten Flüchtlinge arbeiten schon im Projekt „Flüchtlinge helfen Flüchtlingen“ des Vereins mit. Er machte deutlich: wir werden auch weiter von unseren Schützlingen volle Integrationsbereitschaft fordern – ansonsten ist mit unseren Hilfe nicht zu rechnen. Damit auch in Zukunft der Mittelfinger und die Faust rot durchgestrichen bleiben.

Schauen Sie, es ist doch wie beim Fußball: 22 unterschiedliche Menschen spielen ein Spiel miteinander. Doch egal wo sie herkommen, egal wer sie sind, egal woran sie glauben: damit es ein friedliches Spiel gibt, gibt es Regeln, an die sich alle halten müssen. Wer das nicht tut, wird bestraft: Gelbe Karte, Rote Karte, Platzverweis.

„In Deutschland gibt es Pflichten und Rechte“, sagte Georg Schrenk am 30. März 2017 laut Redemanuskript. Rund 60 anerkannte Flüchtlinge und einige Unterstützer waren auf unsere Einladung hin in das Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich gekommen, um dort eine Informationsveranstaltung zu besuchen.
Rechte und Pflichte eines jeden Menschen in Deutschland seien im Grundgesetz und in allen übrigen Gesetzen festgeschrieben, so Schrenk weiter, der von einigen bereits länger in Deutschland lebenden Flüchtlingen übersetzt wurde. Doch es gibt noch mehr: die Rolle des „Schiedsrichters“ übernehmen Polizei und Justiz. Und nicht die Scharia-Polizei.
Das hat auch Vorteile für die Flüchtlinge: Deutschland ist ein Rechtsstaat, in dem jeder frei seine Meinung sagen kann. Und das heißt: „Man kann klagen, wenn man sich nicht richtig behandelt fühlt – auch gegen Gesetze!“ Die Polizei, dein Freund und Helfer: Das ist keine Selbstverständlichkeit in vielen Herkunftsländern.

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Keine Selbstverständlichkeit sei auch die Hilfe unseres Vereins: wir sind Ehrenamtliche, die von den genannten demokratischen Grundrechten Gebrauch machten. Denn in Deutschland sei Eigeninitiative das A und O: „Die Menschen in Deutschland haben meist durch Arbeit ihren Wohlstand erhalten!“. Natürlich gäbe es Hilfestellungen bei den zuständigen Behörden, so Schrenk weiter, beim JobCenter etwa oder bei der Wohnungslotsin. Sie helfen bei den Themen Wohnung, Umziehen und Arbeiten mit all ihren Fallstricken, von der berühmt-berüchtigten Mülltrennung über den Mietvertrag bis hin zu – nicht zu verachten – einem guten Verhältnis zu den Nachbarn.
Für die dezentralen Unterkünfte der Behörden informierte Dieter Kogge vom Landratsamt: auch hier sei Eigenverantwortung unabdingbar – insbesondere bei der Sauberkeit, bei Möbeln und dem Zusammenleben. Aber „Sie müssten als Anerkannte inzwischen selbst in der Lage sein, Behörden aufzusuchen“, gab Schrenk zu verstehen.

Er als Ehrenamtlicher jedoch fühle sich, so Schrenk zum Abschluss der Veranstaltung, zunehmend aufgrund der ständigen Weisungen an die Behörden aus Berlin und München allein gelassen. Aber ihm ist wichtig: die Flüchtlinge, die kann er nicht alleine lassen.

Die Präsentationsfolien des Nachmittages finden Sie hier.

Erster Weihnachtsgottesdienst für Flüchtlinge in St. Ulrich

„Angels from the realms of glory / wing you flight through all the earth...“ Aus dem Katholischen Kirchenzentrum St. Ulrich ertönten am 08. Januar 2017 altbekannte Weihnachtslieder in englischer Sprache. Zum ersten Mal feierten wir zusammen mit Flüchtlingen, Paten und Helfern zum ersten Mal einen ökumenischen Weihnachtsgottesdienst. Denn in einigen Herkunftsländern der Dillinger Flüchtlinge, insbesondere in Eritrea, feiert man Weihnachten erst jetzt, am 07. Januar. Wir wollten daher die Weihnachtszeit mit einem gemeinsamen ökumenischen Signal für den Frieden ausklingen lassen.

Pfarrer Lothar Hartmann gestaltete den Gottesdienst, sein Kollege Pastor Klemens Kißner von der FeG Dillingen-Steinheim übersetzte seine Worte ins Englische. Auch das Weihnachtsevangelium wurde auf Deutsch und Englisch vorgelesen. Begleitet auf der Gitarre von Diakon Xaver Käser, der den Gottesdienst auch konzipiert hatte, sang die versammelte Festgemeinde altbekannte Weihnachtslieder in beiden Sprachen, bis sich zum Abschluss des Gottesdienstes alle Teilnehmer in einem Ring um den Altar versammelten. „Stille Nacht, heilige Nacht...“

Der Gottesdienst war für alle Teilnehmer ein bewegendes Erlebnis. Nachdem die Flüchtlingskinder aus den Händen von Koordinator Georg Schrenk noch ein Kuscheltier zu Weihnachten geschenkt bekamen, versammelte sich die Festgemeinde noch bei gemütlichem Kaffee und Kuchen. An diesem Nachmittag gab sie in Dillingen ein leuchtendes Zeichen für den Frieden, die gemeinsame Zusammenarbeit und den ökumenischen Austausch.

Wir danken allen Beteiligten, die diese kleine Weihnachtsfeier ermöglicht haben, und freuen uns auf eine Wiederholung zu gegebener Zeit!

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