Deutsche Werte sollen Flüchtlinge lernen bei der Integration, heißt es oft. Dazu gehört auch der Umweltschutz, von der sprichwörtlichen Mülltrennung ganz zu schweigen. In Bayern findet dieser Wert traditionell eine ganz besondere Form: das Ramadama. Einmal im Jahr gehen Vereine, Initativen, die Nachbarn von nebenan raus auf die Flur und sammeln ein, was noch nicht den Weg zur ordnungsgemäßen Entsorgung fand. Dieses Jahr beteiligten sich auch erstmals Flüchtlinge an der Aktion. "Man glaubt nicht, was sogenannte aufgeklärte Bürger/innen in die Natur werfen, nur weil sie zu bequem sind, es ordentlich bei den Sammelstellen zu entsorgen", sagte unser 1. Vorsitzender und Koordinator Georg Schrenk im Anschluss an das Ramadama am 13. April 2019 in Steinheim. Das Team sammelte in zwei Stunden unter anderem 10 Autoreifen, 4 Säcke voller Müll (hauptsächlich Plastik) sowie 6 Sandsack-Gewichte ein. Ein wertvoller Beitrag für den Umweltschutz. Herzliches Vergelt's Gott!

Ökumenisches Friedensgebet mit Flüchtlingen im Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich Dillingen Donau

Wird unsere Welt unfriedlicher? Nicht nur in den Flüchtlingsherkunftsländern, auch in Deutschland, Europa und den USA steht der gesellschaftliche Frieden und Zusammenhalt zunehmend auf dem Prüfstand. Was dagegen tun? Gemeinsam für Frieden beten. Am 7. März 2019 wirkten erstmals Dillinger Flüchtlinge am monatlichen Friedensgebet im Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich mit, zwei Syrerinnen trugen Fürbitten vor. Die gemeinsame Überzeugung: unabhängig ob Christ, Muslim, Atheist oder anderes, gemeinsam können wir uns für den Frieden einsetzen.

Unser 1. Vorsitzender und Koordinator Georg Schrenk wies in seinen einleitenden Worten darauf hin, dass sich zurzeit 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht befinden, die meisten davon in Entwicklungsländern. Migration ist also ein globales Phänomen, dass sich nicht wegdiskutieren lässt. Während gleichzeitig Bayern nach Afghanistan abschiebe, fänden dort mehrmals täglich Sprengstoffanschläge statt, so der ehemalige Oberst der Bundeswehr, der auch mehrmals in Afghanistan war. Schrenk berichtete von der Begegnung Erlebnis mit einer Frau, die mit ihren Kindern auf der Straße beschimpft wurde: "Hau ab, du gehörst nicht hierher!". Häufig höre er das Vorurteil, dass die Flüchtlinge nicht arbeiten wollten, obwohl das Gegenteil der Fall ist: der bayerische Staat lässt sie oftmals nicht arbeiten. Umso wichtiger sei es, gemeinsam für sozialen Frieden zu bitten.

Unter den anschließenen Fürbitten, die auch von Flüchtlingen vorgetragen wurden, befanden sich unter Anderem die Bitte um Frieden und Freiheit in den Herkunftsländern und um den Schutz der zurückgebliebenen Verwandten. Die Flüchtlinge baten aber auch für die Opfer von Terrorismus in Deutschland: "Immer wieder gibt es Geflüchtete, die Terror und Gewalt auch nach Deutschland tragen wollen. Lass sie die Einsicht gewinnen, dass derartiges Verhalten der Gastfreundschaft widerspricht und gib, dass es den deutschen Sicherheitskräften gelingt, Terror und Gewalt zu verhindern". Die anwesenden Dillinger Bürger baten im Gegenzug darum, die Lage der Flüchtlinge besser zu verstehen.
Allen Teilnehmern gemeinsam war wohl die Bitte um Frieden zwischen den Religionen: "Viele Auseinandersetzungen in aller Welt haben ihren Ausgangspunkt auch darin, dass sich Menschen unterschiedlicher Religionen bekriegen. Gib den Handelnden die Einsicht, dass Du ein Gott des Friedens bist und es nicht Dein Wille ist, dass aus religiösen Gründen Kriege geführt werden".

Die ökumenischen Friedensgebete finden an jedem 7. des Monats statt. Herzliche Einladung an alle, die den Frieden wünschen!

Auftaktkundgebung Herz statt Hetze in der Königsstraße Dillingen

Am 13. Oktober fand die erste Kundgebung von "Herz statt Hetze" in der Dillinger Altstadt mit mehr als 100 Teilnehmern statt, darunter ca. 30 aus unserer Gruppe. Die überparteiliche und überkonfesionelle Bürgerbewegung im Landkreis wird durch ein breites Bündnis getragen und richtet sich gegen einen neuen Politikstil in unserem Land, der an die dunkelsten Zeiten seiner Geschichte erinnert.

Als Flüchtlingshelfer unterstützen wir das Eintreten für Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Menschenrechte ausdrücklich. Wir wenden uns insbesondere gegen eine hasserfüllte und auf Abgrenzung ausgerichtete Sprache, die in allererster Linie gegen Geflüchtete, aber leider immer wieder auch gegen uns selbst gebraucht wird. Von denjenigen, die von Ankerzentren reden: Wie viele von ihnen kennen die reale Situation dort? Von denjenigen, die Kreuze aufhängen: Wie viele von ihnen nehmen sich tatsächlich zu Herzen, was in der Bibel steht?

Flüchtlingshelfer-Flohmarkt Dillingen an der Donau

Zahlreiche Schreibhefte, Stifte und Spiele wechselten ihren Besitzer bei unserem Flüchtlingshilfe-Flohmarkt am 15. Juni 2018 im Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich. Zwar konnte sich die Spendenkasse über erstaunlich hohe Zusatzeinnahmen freuen, viel lieber wäre es uns jedoch gewesen, einige Einheimische hätten die Chance genutzt, um mit den anwesenden Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen.
Übrig gebliebenes Material geht jetzt an den Laden „Vielerlei“ in Höchstädt. Wie wir unsere Einnahmen verwenden, erfahren Sie hier.

Der Mensch ist das Maß

2. Regenerationsseminar für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer Dillingen/Donau

Zum Teil schon seit fünf Jahren sind sie im Einsatz, die Unterstützerinnen und Unterstützer in der Flüchtlingsarbeit. Überall standen sie bereit und zeigten in Wort und Tat, dass sie das „Wir schaffen das!“ der Kanzlerin in die Realität umsetzen wollen und können. Letztlich waren nicht die zuständigen staatlichen Behörden und die Kommunen die Gewähr dafür, dass der Flüchtlingsansturm nicht in einem Chaos endete. Es waren die ungezählten Ehrenamtlichen. Ihre Zahl hat sich deutlich reduziert, sei es durch persönliche Enttäuschungen bei der Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen oder auch durch Erlebnisse mit Flüchtlingen. Sie können dem Lob aus dem politischen Bereich meist nichts mehr abgewinnen, da sie täglich erleben, dass außer dem Mindestmaß an Integrationsmaßnahmen wie Schul- und Kindergartenplätze kaum etwas geschieht.

Vortrag Afghanistan Mittelschule Höchstädt/Donau

Bücher weg, Hefte weg, Stifte raus: was in der Schule normalerweise als gefürchtete Ansage für einen Stehgreifaufgabe gilt, entpuppte sich am 10. April 2018 für 50 Schüler der 7. Klassen an der Mittelschule Höchstädt als Auftakt zu einer ganz besonderen Schulstunde. Der Lehrer überließ das Pult Omidullah Mohammadi, der aus Afghanistan floh, seit dem 22. Oktober 2015 in Deutschland ist und seit dem 13. Dezember 2017 in Dillingen lebt. Begleitet wurde er von unserem 1. Vorsitzenden und Koordinator, Georg Schrenk.

Afghanistan ist nicht sicher

Mohammadi berichtete eindrucksvoll von den Zuständen in Afghanistan und den Gründen seiner Flucht. Das Land wird in den Medien oft als sicher für Abschiebungen dargestellt. Mohammadi korrigierte diese Vorstellung und berichtete sehr plastisch von den verschiedenen rivalisierenden Terrorgruppen, die seiner Familie dort noch heute das Leben zur Hölle machten.
Schrenk ergänze seinen Vortrag mit aktuellen Informationen zur Asylpolitik: im Schnitt werde alle drei Sekunden auf dieser Welt jemand zur Flucht gezwungen, die Hälfte aller Flüchtlinge seien Kinder. Unsere Gruppe sehe es als moralische Verpflichtung an, diesen Menschen zu helfen, sagte Schrenk, und zitierte sein großes Vorbild, den verstorbenen CDU-Politiker Heiner Geißler. Die Integration der Flüchtlinge sei nicht immer leicht, aber es gebe Erfolge: so nahm im März der erste Dillinger Flüchtling ein Studium auf, und auch dank der Arbeit der Helfer konnten mittlerweile ca. 35 % der Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung gebracht werden – trotz des stetigen Kampfes gegen die Mühlen der Bürokratie.

„Die beste Veranstaltung, die ich je besucht habe“

Schrenk warb bei seinem jungen Publikum auch für unsere Integrationsprojekte, zum Beispiel den Chor der Begegnung oder den Fußballtreff. Die 7. Klässler zeigten sich enorm interessiert und stellten ca. 30 Rückfragen, die Mohammadi souverän auf Deutsch beantwortete. „Das war die beste Veranstaltung, die ich je an einer Schule erlebt habe!“, meinte Schrenk im Nachgang der Veranstaltung. Auch teilnehmende Lehrer von der Mittelschule Höchstädt äußerte sich sehr positiv.

Deutsch-afghanisches Drachenbasteln in St. Ulrich

Drachen selbst zu basteln und sie dann in einem Wettkampf steigen zu lassen ist eine afghanische Tradition, für Kinder wie für Erwachsene – man denke zum Beispiel an den berühmten Roman „Kite Runner“ von Khaled Hosseini. Das Highlight des Drachensteigens ist während des traditionellen Neujahrsfestes Nauroz, das im Kulturkreis der persischen und afghanischen Völker seit mehr als 3000 Jahren gefeiert wird. Nauroz entspricht dabei unserem Frühlingsanfang. Wenn die Felder und Wiesen mit Tulpen und Wildblumen übersät sind, lassen Kinder, Jugendliche und Heranwachsende ihre bunten Kunstwerke am Himmel flattern.

So fand die Idee von „Julias Futterbar“ – Julia Borgreve, selbst eine begeisterte Drachenbauerin – für deutsche und afghanische Kinder und deren Eltern einen Drachenbauer-Workshop anzubieten großen Anklang. Einen Samstagnachmittag lang wurde in den Bastelräumen von St. Ulrich eifrig geklebt, Stäbe zugeschnitten, Schnüre eingezogen, Quasten angefertigt und dann an den fertigen Drachen befestigt.

Diese mussten natürlich auch gleich ausprobiert werden! Sogar bei geringem Wind stiegen einige erstaunlich hoch in den Himmel und man konnte erkennen, dass so mancher Drachenlenker nicht zum ersten Mal einen Drachen in der Hand hielt.

Stolz präsentierten die Kinder ihre Drachen beim abschließenden Gruppenfoto. Eine Aufgabe wartet noch zuhause auf die Drachenbauer: Das individuelle Anmalen des eigenen Drachens.

Der Drachenworkshop war ein gelungener Moment gelebter und erlebter Integration. Dank an dieser Stelle der Pfarrgemeinde St. Ulrich für die Beherbergung sowie der Unterstützergruppe „Asyl/Migration Dillingen a.d.D.“ e.V. und Julias Futterbar für die finanzielle Unterstützung.

 

Helfergruppen aus dem Landkreis gründen Sprecherrat

„Enger zusammenrücken und sich gegenseitig unterstützen“ – das müssen die Helfergruppen im Landkreis Dillingen, so der Koordinator der Dillinger Gruppe, Georg Schrenk. Er hatte die Sprecher der Gruppen nach Dillingen eingeladen und 12 Koordinatoren/Sprecher folgten dieser Einladung. „Mit einer Stimme zu sprechen – gegenüber der Politik und den Kommunen / Behörden“ sei das Hauptziel der Vernetzung, so Schrenk. Sich abseits behördlicher Zwänge zu treffen und auszutauschen ist ein großes Anliegen der Helfer. Um diesen Austausch gegenüber der Politik, den Kommunen und den Behörden zu koordinieren, wurde ein Sprecherrat gegründet, dem Claudia Baumann aus Wittislingen, Bernd Arndt aus Wertingen, Hermann Kleinhans aus Gundelfingen und Georg Schrenk aus Dillingen angehören. Zusätzlich zu den bereits existierenden wöchentlichen Rundmails, die der Dillinger Koordinator herausgibt, wollen sich die Helfer nun auch regelmäßig zum Informationsaustausch außerhalb der vom Landratsamt angebotenen Gesprächsrunde der dortigen Integrationslotsin treffen. Bei ihrem ersten Treffen berichteten die Gruppensprecher über die Lage vor Ort.

Ökumenischer Weihnachtsgottesdienst 2018 für Flüchtlinge in St. Ulrich, Dillingen/Donau

Die eritreisch-orthodoxe Kirche feiert Weihnachten am 7. Januar. Dies war für uns Anlass, wie schon im Jahr davor in die Kirche St. Ulrich einzuladen. Mit Pfarrer Lothar Hartmann feierten Flüchtlinge und Betreuer/innen einen Wortgottesdienst. Hartmann ging in seiner Ansprache darauf ein, dass Jesus Christus als Kind nach Ägypten fliehen musste. Gedanken, die in den Fürbitten noch vertieft wurden. Nach dem Gottesdienst traf man sich in geselliger Runde und so konnten die Einheimischen mit den Flüchtlingen Gedanken zu Weihnachten, aber auch zum Leben in Deutschland austauschen. Derartige Veranstaltungen sind geeignet, die Kultur der Flüchtlinge kennen zu lernen ihnen, aber auch unsere Kultur zu vermitteln. Denn, wie der Koordinator der Dillinger Gruppe, Georg Schrenk, auch feststellte, Integration gelingt nur durch Erleben und nicht schwer verständliche Vorschriften und theoretisch formulierte Zielsetzungen zur „Leitkultur“.

 

Zweite Infoveranstaltung für Flüchtlinge/Klare Ansage: Integration braucht Regeln

Ein ausgestreckter Mittelfinger, eine Faust und eine Pistole. Darüber: ein rotes Kreuz. Die Piktogramme sind durchgestrichen, „verboten“ soll das heißen. Die nächste Folie: die Deutschlandflagge, daneben Richter, Staatsanwälte und Polizisten. Nur der Staat darf in Deutschland Gewalt ausüben und Verbrecher bestrafen. Selbstjustiz ist nicht erlaubt.

Nicht nur das Gewaltmonopol und der Rechtsstaat, auch viele andere Themen von der Religionsfreiheit bis zur Mülltrennung sind wichtig für Flüchtlinge, die sich in Deutschland integrieren wollen.
„Wir können nicht für euch die Großmutter spielen“, legte uns Notker Wolf bei seinem Besuch vor einem Monat als Botschaft für die von uns betreuten Flüchtlinge ans Herz.
Konkret sieht das so aus: schon zum zweiten Mal in diesem Jahr haben sich am 28. Oktober 2017 rund 50 Flüchtlinge und ihre Helfer im Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich versammelt, um alles zu lernen, was es fürs Leben in Deutschland braucht.

Anhand von verschiedenen Mülleimern wird die Mülltrennung spielerisch erklärt.
Auch die Mülltonne gehört dazu: spielerisch wurde erklärt, wie Mülltrennung funktioniert.

Dabei sind wir nicht naiv. Wir sind uns bewusst: einige Schutzsuchende tun sich schwer mit der Integration. „Stellen Sie keine Ansprüche, seien Sie bescheiden!“, warnte daher auch Georg Schrenk, unser 1. Vorsitzender und Koordinator. Und auch Dieter Kogge, der Hausmanager des Landratsamtes Dillingen, stimmte mit ein: die Flüchtlinge sollten nicht leichtfertig Wohnungen ablehnen und WGs bilden. Momentan suchten 500 Geflüchtete mit Anerkennung im Landkreis eine Wohnung.
Doch wir Helfer glauben, dass jeder Flüchtling eine Chance hat. Schrenk zeigt sich im Nachgang der Veranstaltung optimistisch: „Ich glaube, die Regeln für das Zusammenleben sind deutlich geworden“. Er bedauerte nur, dass einige Familien gar nicht vertreten waren, aber er könne schließlich auch niemanden zum Besuch unserer Angebote zwingen. Immerhin, die meisten Teilnehmer konnten schon genug Deutsch, um den Vorträgen ohne Übersetzer zu folgen, und die ersten Flüchtlinge arbeiten schon im Projekt „Flüchtlinge helfen Flüchtlingen“ des Vereins mit. Er machte deutlich: wir werden auch weiter von unseren Schützlingen volle Integrationsbereitschaft fordern – ansonsten ist mit unseren Hilfe nicht zu rechnen. Damit auch in Zukunft der Mittelfinger und die Faust rot durchgestrichen bleiben.

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