14. September 2015

Schämt euch!

Die Szenen erinnern an eine Zeit, die schon längst vergessen scheint: Tausende Flüchtlinge stürmen verzweifelt, getrieben von Hunger, Krieg, Not und Verzweiflung, in Richtung Westen. Und treffen auf ein (Ost-)Europa, das diskutiert, ob es gerade noch so 30 oder doch eher nur 20 oder gar keine Flüchtlinge mehr aufnehmen kann.

Die gemeinsame Antwort der EU-Staaten, auf die schon so lange gewartet wurde: Grenzkontrollen. Brennende Flüchtlingsheime. Demo-Schilder, auf denen "Refugees Go Home" steht. Heute begann auch Deutschland, das ach so fortschrittliche Deutschland, mit der vorübergehenden Einführung von Grenzkontrollen. Ende offen. Demnächst beginnt der gefühlt 500. EU-Gipfel, absehbar ohne Ergebnis. Und schon heute sterben die nächsten 38 Menschen in Griechenland.

Wo bleibt der Geist von '45, als Millionen Kriegsflüchtlinge und -vertriebene integriert wurden? Wo bleibt der Geist von '89/90, als Ungarn die Grenzen öffnete für uns Deutsche? Wo bleibt der Geist von 2013, als die EU den Friedensnobelpreis erhielt? Was sind das für Nobelpreisträger, die, getrieben von rechtsradikaler Stimmungsmache, wieder Zäune errichten? Die von England bis Slowenien meinen, diese EU sei nur eine EU der Rechte, nicht aber der Pflichten? Schämt euch!

Europa muss handeln, und zwar sofort. Allein schon aus eigenem Interesse. Diese Flüchtlingskrise hat das Potenzial, Europa zu zerreissen - oder aber es stärker zu machen als jemals zuvor. Nur ein vereintes Europa kann eine solche Herausforderung bewältigen. Dass wir als reichster Kontinent der Welt dazu in der Lage sind, steht fest. Packen wir es an.

 

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