Georg Schrenk, 1. Vorsitzender und Koordinator der Unterstützergruppe "Asyl/Migration Dillingen a.d.D." e.V.

In diesen Tagen diskutierte ganz Deutschland über einen Leserbrief von Peter Seifert aus Balingen. Balingen ist ein kleiner Ort im Schwäbischen, eine Insel des Wohlstandes, doch der Grüne Seifert beschwert sich über die Zustände an seinem Bahnhof: zu viele Asylbewerber, zu viele Drogendealer, zu viele Vergewaltigungen.
Recherchen der ZEIT ergaben: dieser Eindruck ist subjektiv, laut Kriminalstatistik ist Balingen das Paradies auf Erden. Und doch gibt es Asylbewerber, die Stunk machen.
Der Umgang mit ihnen fällt nicht immer leicht und man sollte anerkennen, was ist. Zur besseren Integration jedenfalls würden systematische Integrationskonzepte helfen. Ein Kommentar von Georg Schrenk.

Konsequenzen müssen spürbar sein

In Dillingen gab es ähnliche Exzesse wie in Balingen unter Alkoholeinfluss vor 2 1/2 Jahren auch. Mehrfach wurde die Polizei dort hinzugezogen. Wir Ehrenamtlichen konnten diese Herausforderung in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt dann meistern, der offensichtlich traumatisierte Mann wurde verlegt. Für mich stellen sich hier zwei Fragen:
1. Warum können derartig Betrunkene nicht zur Ausnüchterung in den Zellen der Polizei verbleiben? 2. Warum werden, wenn Straftaten vorliegen, nicht die Geldleistungen für die Täter gekürzt? Bei sogenannten Identitätsverweigerern erleben wir solche finanziellen Kürzungen oftmals viel schneller, aber zu häufig unberechtigterweise.

Flüchtlingshelfer schaffen sozialen Frieden

Dass wir nur wenige Vorfälle dieser Art bei uns in Dillingen haben, ist das Verdienst aller Ehrenamtlichen, die bei uns mitarbeiten. Wenn derartige Vorkommnisse bekannt werden, versuchen wir, mit den Betroffenen Lösungen zu finden.
Wir wissen aber nicht, wie lange wir das noch leisten können. Für die ca. 500 Flüchtlinge in Dillingen stehen insgesamt 45 sogenannte Paten/Patinnen, 10 aktive Deutschlehrer und 15 sonstige Unterstützer zur Verfügung. Das entspricht einem Personalschlüssel von eins zu sieben, in der professionellen Sozialarbeit ist ein Schlüssel von eins zu fünf üblich und ein Schlüssel von eins zu drei angestrebt.

Ohne aktive Flüchtlingshilfe geht es nicht

Die Mehrzahl unserer Mitbürger/innen aber auch die kommunalen und staatlichen Stellen vertrauen darauf, dass wir die Situation im Griff haben. Gerade die Behörden vor Ort verfügen über keine Integrationskonzepte. In diesen Konzepten müssten nicht nur Veranstaltungen angeboten werden, sondern auch die Bereitschaft aller Mitbürger/innen gefördert werden, die Flüchtlinge zu Veranstaltungen mitzunehmen. Nur wenn die Kontakte untereinander gefördert werden, kann Integration gelingen. Unser Verein geht hier mit Projekten wie dem Sprachtreff und dem Chor der Begegnung voran, doch die Resonanz unter der einheimischen Bevölkerung bleibt gering.

Taten statt Worte: Integration ist ein langer Weg

Integration darf nicht nur auf Diskussionen über das Tragen des Kopftuches beschränkt werden. Integration ist ein langer Weg und wenn manche Damen und Herren in der Politik meinen, man müsste nur den Hebel umlegen und auf die Inhalte des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung hinweisen, sind sie im Irrtum. Integration entsteht nicht dadurch, dass man Paragraphen auswendiglernt, sondern dadurch, dass man Werte vorlebt und sich selbst aktiv einbringt. Der Hinweis, dass wir an aussichtsloser Front kämpfen, da auch viele türkische Mitbürger/innen sich noch nicht integriert haben oder integrieren wollen, ist wenig hilfreich. Die Flüchtlinge sind hier und es ist Aufgabe der Gesellschaft dieser Herausforderung gerecht zu werden!

Zu Integration gehört aber auch, dass wir „Ordnung“ einüben und seien es auch nur Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit usw. Dazu muss man gelegentlich „stur“ sein. Wenn jemand mit mir einen Termin vereinbart und nach fünf Minuten Wartezeit nicht erschienen ist, dann gehe ich. Daran zeigt sich: Integration fängt mit den kleinen Dingen an.

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