Warum haben viele Flüchtlinge ein Smartphone?

Oftmals hatten die Flüchtlinge bereits vor ihrer Flucht ein Smartphone besessen. Dies wurde ihnen während der Flucht abgenommen oder es musste verkauft werden, um die Schlepper zu bezahlen. Die Handys wurden also erst in Deutschland von ihrem Taschengeld gekauft, über das sie frei verfügen können.

Da die Festnetz-Telefonnetze in vielen Herkunftsländern, vor allem in Afrika, praktisch nicht vorhanden sind, ist das Handy oftmals die einzige Möglichkeit, mit den Eltern, Verwandten, Kindern und Freunden zuhause in Kontakt zu bleiben. Meist sind die Asylbewerber auf Prepaid-Karten angewiesen, die sie selbst bezahlen. Die Kontakte in die Heimat werden oftmals auf das Nötigste beschränkt

Des Weiteren nutzen unsere Flüchtlinge das Smartphone, um mit unseren Paten, Deutschlehrern und Helfern in ganz Deutschland in Kontakt zu bleiben. Die Organisation von Behördengängen, Deutschkursen oder einfach nur der alltäglichen Hilfe ist oft nicht anders möglich. Außerdem wurden die Flüchtlinge nach der Ankunft in Zwischenlager in ganz Deutschland ohne Rücksicht auf Freundschaften und verwandtschaftliche Beziehungen verteilt. Da eine Zusammenführung nur selten genehmigt wird, ist das Handy das Kommunikationsmittel der Wahl. Insbesondere mithilfe von sozialen Netzwerken wie Facebook können die oftmals auf der ganzen Welt zerrissenen Familien untereinander in Kontakt bleiben.

Nicht zu vergessen ist schließlich die Rolle, die moderne Smartphones beim Erlernen der deutschen Sprache spielen können: inzwischen gibt es unzählige Apps, vom Vokabeltrainer bis zum Grammatiklexikon, die vielen Asylbewerbern helfen, sich leichter, schneller und auf eine andere Art und Weise Deutschkenntnisse anzueignen. Deutsch auf dem Smartphone kann niemals den echten Deutschunterricht ersetzen, aber eine interessante Ergänzung sein und selbstständiges Lernen fördern.

Und zu guter Letzt muss man sagen: die Flüchtlinge sind oft junge Männer. Wer möchte es ihnen verdenken, wenn sie sich für Technik interessieren? Allerdings sollte man darauf achten, dass sie nicht Verträge abschließen, die viel Geld kosten, aber deren Leistungen gar nicht notwendig sind.

 

Warum arbeiten nicht alle Flüchtlinge?

In den ersten drei Monaten seines Aufenthalts darf grundsätzlich kein Asylbewerber in Deutschland arbeiten, sofern sie in Aufnahmeeinrichtungen untergebracht sind, sogar die ersten sechs Monate nicht. Sie können allerdings bereits in dieser Zeit von Kommunen sowie Körperschaften des öffentlichen Rechts zu sogenannten 0,80-€-Jobs herangezogen werden. Für Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft, sollen gemäß dem Bundesintegrationsgesetz 100.000 gemeinnützige Jobs geschaffen werden. Auch sie erhalten nur 0,80 Euro pro Stunde. Nach drei Monaten ist grundsätzlich ein Beschäftigungsverhältnis möglich, eine Ausnahme sind Asylbewerber aus sogenannten "sicheren Herkunftsstaaten" oder Südosteuropa. Diese erhalten zurzeit keine Arbeitserlaubnis von den Ausländerbehörden.

Unsere Bemühungen, möglichst viele Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung zu bringen, zeigen mittlerweile Früchte: zurzeit sind ca. 40 % aller in Dillingen lebenden Flüchtlinge in Arbeit oder Ausbildung. Die Flüchtlinge sind grundsätzlich hoch motiviert und wollen dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Zahlreiche Unternehmen vor Ort zeigen sich offen und freuen sich über den dringend benötigten Arbeitskräftenachschub in Mangelberufen wie Alten- und Krankenpflegehelfer, Metzgerei, Logistik oder Gastronomie.

In vielen Fällen scheitert es also nicht am Willen der Flüchtlinge oder der Arbeitgeber, sondern am Willen der Behörden. Zwar wurde sie sogenannte Vorrangigkeitsprüfung mittlerweile abgeschafft, doch insbesondere in Bayern werden Arbeitsgenehmigungen an Asylbewerber und sogenannten Geduldete (Flüchtlinge, deren Asylantrag rechtkräftig abgelehnt und deren Abschiebungen noch nicht durchgeführt wurde bzw. aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sind) nur sehr zögerlich vergeben. Ein entscheidendes Kriterium in Bayern ist der Nachweis der Identität, die oft mangels entsprechender Dokumente nicht belegt werden kann. Berufsintegrationsklassen dürfen allerdings auch von nicht Anerkannten an den Berufsschulen in Höchstädt und Lauingen besucht werden.
Die sogenannte 2+3-Regelung (§ 60a Aufenthaltsgesetz) besagt eigentlich, dass ein Flüchtling, dessen Asylantrag abgelehnt wurde, eine Ausbildung bis zu drei Jahren plus zwei Jahre Beschäftigung in diesem Beruf absolvieren kann. Allerdings wird dies von den zuständigen Ausländerbehörden sehr restriktiv behandelt. Der vom bayrischen Innenministerium angeblich zugestandene Ermessensspielraum wird nach unserer Einschätzung nur selten für positive Ergebnisse genutzt.
Das Ergebnis: beschäftigungslose Jugendliche, die in Kriminalität abzurutschen drohen, und Unternehmen, deren Azubis nach Afghanistan abgeschoben werden. Die bayerische Asylpolitik schafft die Probleme selbst, die sie zu bekämpfen vorgibt. Selbst ein abgeschobener Flüchtling steht besser da, wenn er zuvor eine Ausbildung erhalten hat: so kann er sich in seiner Heimat etwas Neues aufbauen und macht sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit erneut auf den Weg.
Wir haben auf die Gefahren dieser Politik mehrmals öffentlich hingewiesen, unter anderem mit der Aktion „Lasst sie arbeiten!“, doch die Politik will sie nicht hören.

Wir versuchen, so viele Stellen wie möglich für Asylbewerber zu finden. Auch wenn es bei den Arbeitgebern oft Vorbehalte gibt, sind die Flüchtlinge grundsätzlich hoch motiviert und wollen auf jeden Fall arbeiten. Früher galt bis zum 15. Aufenthaltsmonat noch die Vorrangigkeitsprüfung: EU-Ausländer hatten Vorrang bei der Besetzung eines Arbeitsplatzes. Dieses Hindernis ist im Bereich der Arbeitsagentur Donauwörth, zu der auch Dillingen gehört, ausgesetzt.

Umso wichtiger ist es daher, für Abwechslung zu sorgen, sei es durch regelmäßige Besuche, gemeinsames Kochen und Essen oder durch Mitgliedschaften in Sportvereinen. Hinzu kommen unsere Integrationsprojekte: der Sprachtreff, der Frauentreff und die integrative Fußballmannschaft. Für Flüchtlinge, denen die Arbeitserlaubnis entzogen bzw. Anträge auf Erteilung abgelehnt wurde, führen wir zusammen mit der Asylsozialberatung das Projekt „Come on“ durch. Jedwede dieser Tätigkeiten, egal ob es eine Arbeit oder eine Freizeitbeschäftigung ist, fördert dabei den Spracherwerb und damit die Integration.

Nehmen die Flüchtlinge den Deutschen die Arbeitsplätze weg?

Ganz klar: nein. Im Gegenteil sogar: die Flüchtlinge werden gebraucht und schaffen teils sogar neue Arbeitsplätze. Aufgrund des demographischen Wandels, der Überalterung der Bevölkerung und der zunehmenden Akademisierung der Bildung (immer mehr Studenten, immer weniger Azubis) herrscht in einigen Berufen wie Koch oder Kranken-/Altenpfleger bereits jetzt ein Fachkräftemangel, der wegen der extrem niedrigen Geburtenrate von gut 1,4 Kindern pro Frau momentan nur durch ausländische Arbeitskräfte gefüllt werden kann. Bereits jetzt wären die deutschen Sozialsysteme ohne ausländische Zuwanderer zusammengebrochen, da ein ausländischer Arbeitnehmer im Laufe seines Lebens mehr in die Sozialsysteme einzahlt, als er daraus wieder erhält.[1] Hinzu kommt der interessante wirtschaftliche Effekt, dass Flüchtlinge, egal ob anerkannt oder nicht, auch Konsumenten sind. Je mehr Flüchtlinge, desto höher der Binnenkonsum. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, müssen Unternehmen mehr Arbeitskräfte einstellen, um mehr Konsumgüter herstellen zu können.[2]

Darüber hinaus wies die Wochenzeitung DIE ZEIT darauf hin, dass Migranten bessere und häufigere Unternehmensgründer sind als Deutsche[3]. 21 Prozent der Unternehmensgründungen im Jahr 2013 stammten demnach von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Und während unter einheimischen Gründern nur drei von zehn Jungunternehmern von Beginn an Arbeitskräfte einstellen, sind es unter Migranten vier von zehn.
Zum gleichem Ergebnis kam im Januar 2016 eine Studie der kfw-Förderbank: demnach habe jeder fünfte Gründer in Deutschland ausländische Wurzeln oder eine ausländische Staatsbürgerschaft, und die jährliche Gründerquote liege bei ausländischen Gründern um ein Zehntel höher als bei Einheimischen.[4]

Zuwanderung ist also sogar wirtschaftsfördernd. Unsere Überzeugung ist daher, dass die Aufnahme von Flüchtlingen zuerst zwar ein Zuschussgeschäft für den Staat sein mag, sich aber später, wenn der Flüchtling anerkannt wird und zu arbeiten beginnt, durch Steuereinnahmen, Sozialabgaben, demographische Rendite, Förderung des Binnenkonsums und Unternehmensneugründungen mehr als bezahlt macht. Diese positiven Effekte kommen jedoch nicht von allein. Ihnen entgegen stehen oft eine überbordende Bürokratie und sprachliche Hindernisse. Deswegen ist an dieser Stelle vor allem der Staat gefordert, anerkannte Flüchtlinge schnellstmöglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, nach dem Motto: jetzt fördern, danach davon profitieren. Diese staatlichen Angebote wurden in letzter Zeit insbesondere für Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit massiv ausgebaut. Wir tragen mit unseren Sprachkursen unseren Teil dazu bei, auch wenn dies eigentlich ebenfalls Aufgabe des Staates wäre (siehe dazu auch die Frage „Wie wichtig sind Deutschkenntnisse für eine gelungene Integration, auch auf dem Arbeitsmarkt? Und was tut der Staat dafür?“).


 

[2] Elisabeth Niejahr und Mark Schieritz: „Retten Flüchtlinge unsere Rente“?, in: Josef Joffe, Helmut Schmidt  (+) (Hrsg.): DIE ZEIT. Ausgabe 33. Hamburg 13. August 2015, S. 22

[3] Jens Tönnesmann: „Deutschlands Chance“, in: Josef Joffe, Helmut Schmidt (+)  (Hrsg.): DIE ZEIT. Ausgabe 40. Hamburg 1. Oktober 2015, S. 24

 

 

Was ist das Dublin-II/III-Verfahren und warum ist es so umstritten?

Nach dem sogenannten Dublin-II/III-Abkommen muss jeder Flüchtling seinen Asylantrag in dem europäischen Land stellen, in dem er zuerst registriert worden ist bzw. seinen Fingerabdruck abgegeben hat. Sollte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bei der Prüfung des Asylantrags feststellen, dass der Antragsteller bereits in einem anderen EU-Land registriert wurde, so wird er in dieses zurückgeschoben. Findet diese Zurückschiebung nicht innerhalb von sechs Monaten statt, wird das Asylverfahren grundsätzlich bei uns durchgeführt.

Dieses System ist sehr zum Vorteil der Mitgliedsstaaten ohne EU-Außengrenze, darunter vor allem Deutschland und die osteuropäischen Länder. Die meisten Flüchtlinge reisen derzeit über Italien und Griechenland ein. Diese Länder sind mit der Situation zunehmend überfordert. Vor allem Italien, aber auch die Staaten entlang der Balkanroute haben 2015 zum Teil auf die Registrierung der Flüchtlinge verzichtet und sie in andere EU-Länder ungehindert weiterreisen zu lassen. Viele Staaten Südosteuropas haben danach nicht nur Grenzkontrollen eingeführt, sondern ihre Grenzen mit Stacheldrahtzäunen und Ähnlichem gesichert, um Flüchtlinge abzuhalten bzw. zu kanalisieren. Dadurch ist die Balkanroute fü Flüchtlinge de facto geschlossen. Ein solches Vorgehen schränkt jedoch die Grundfreiheiten der EU, die Reisefreiheit (Freizügigkeit), elementar ein und versetzt uns zurück in den Zustand vor 1990.

Die momentane Regelung führt also einerseits zu Problemen innerhalb der EU, andererseits verschärft sie die humanitäre Lage an den EU-Außengrenzen. Die Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten konnten sich bisher nicht auf einen gemeinsamen Verteilungsschlüssel einigen. So lehnen verschiedene osteuropäische Staaten wie zum Beispiel Ungarn, Tschechien und Polen die Aufnahme von Flüchtlingen gänzlich ab. Scheinbar hat man dort die Zeiten des „Eisernen Vorhanges“ vergessen. Aus unserer Sicht steht jedoch fest, dass das Mittelmeer nicht zu einem Friedhof werden darf. Zwar haben die Vereinbarungen mit der Türkei dazu geführt, dass kaum noch Flüchtlinge über die Ägäis nach Griechenland kommen, allerdings ist es mehr als fraglich, dass die Flüchtlinge in der Türkei menschenwürdig behandelt werden. Die EU hat den Friedensnobelpreis nicht dafür erhalten, dass an den Außengrenzen wie den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla oder in Ungarn und Mazedonien, ja sogar der Ostgrenze Österreichs wieder Mauern und Grenzzäune errichtet werden. Die EU-Kommission schlug deswegen ein gemeinsames europäisches Asylsystem mit fairen Verteilquoten auf alle Mitgliedsländer vor. Ob diese Pläne jemals realisiert werden können, erscheint angesichts des neuen Nationalismus der Mitgliedsstaaten jedoch leider mehr als fraglich. Zur Lösung der Flüchtlingskrise können nationale Alleingänge aus unserer Sicht nicht beitragen.

Wie gut lernen die Dillinger Asylbewerber Deutsch?

Prinzipiell sind fast  alle Asylbewerber hoch motiviert, die deutsche Sprache zu erlernen, auch wenn sie aus grammatikalischer Sicht eine der schwierigeren Sprachen in Europa ist. Zusätzlich erschwert wird die Situation dadurch, dass manche Asylbewerber weder lesen noch schreiben können oder aus einem ganz anderen Schriftsystem, wie zum Beispiel dem Arabischen, kommen. Für diese führen die zahlreiche Anbieter vor Ort sowie unser Verein auch Alphabetisierungskurse durch. Bis 02/17 haben wir noch sehr viele Sprachkurse unter der Leitung Ehrenamtlicher durchgeführt. Inzwischen hat sich dies erheblich reduziert. Ständige Sprachkurse durch Ehrenamtliche erfolgen derzeit nur noch in der Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Schwaben. Allerdings erteilen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten auch Nachhilfe.

Ansonsten lässt sich die Situation mit der in jeder deutschen Schulklasse vergleichen: manche Schüler haben sprachliches Talent und echtes Interesse, für andere ist das Erlernen einer Fremdsprache eine ständige, mühsame Herausforderung. Wir halten mit unseren Paten und Deutschlehrern die Flüchtlinge immer dazu an, die Herausforderung Deutsch anzunehmen und nicht aufzugeben. Asylbewerber, die sich der Sprachenausbildung Deutsch komplett verweigern, werden von uns grundsätzlich nicht unterstützt. Im Integrationskurs, den alle Flüchtlinge mit einer Anerkennung besuchen müssen, ist das Ziel Deutsch B1. Oft wird jedoch nur A2 erreicht. Allerdings haben wir auch Flüchtlinge die B2 und sogar C1 geschafft haben.

Wie kommt der Staat mit der Situation zurecht?

Sowohl die Europäische Union, die Bundesrepublik als Ganzes als auch die Behörden vor Ort sind mit der Situation immer noch überfordert - auch, wenn mittlerweile deutliche Verbesserungen eingetreten sind. Nach dem Asylkompromiss in den 90er Jahren wurden allerorten, insbesondere beim federführenden Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), massiv Stellen abgebaut, die nun zur Bearbeitung der immer zahlreicher werdenden Asylanträge fehlten. Inzwischen wurden sie zwar wieder deutlich erhöht, nach unserer Bewertung reichen sie aber immer noch nicht aus. Beim BAMF gibt es mittlerweile einen Antragsstau und nach Aussage des BAMF müssen 2017 700.000 Anträge bearbeitet werden. Auch wenn im Zuge der neuesten Gesetzesnovellen dem BAMF wesentlich mehr Personal zugeteilt wurde, können Asylverfahren in Deutschland immer noch länger als die angestrebten sechs Monate dauern – mit allen menschlichen Auswirkungen, denn jede Unsicherheit erschwert oder verhindert eine erfolgreiche Integration. Früher war es staatlicherseits nicht vorgesehen, dass ein Flüchtling bereits vor der Anerkennung Deutsch lernt. Das hat die Integration, insbesondere unter Berücksichtigung der langen Bearbeitungszeiten beim BAMF, ernormst verzögert. Die Bundesregierung hat jedoch mittlerweile auf die zahlreiche Kritik daran, die auch von unserer Seite kam, reagiert, und die sogenannten Integrationskurse für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive geöffnet. Auch die maximale Zahl der Kursteilnehmer wurde von 20 auf 25 erhöht. Die Kurse sollen nun spätestens nach sechs Wochen statt wie bisher erst drei Monaten nach der Anmeldung beginnen. Gerade aber bei den Ethnien mit weniger guten Bleibewahrscheinlichkeit wird der größte Teil der Sprachausbildung immer noch von Ehrenamtlichen geleistet, die damit in eine Lücke, die der Staat hinterlässt, springen. Man muss sich bewusst sein, dass unsere Unterstützung ein Luxus ist, den es nicht überall in Deutschland gibt, wie wir aus Gesprächen mit anderswo in Deutschland verteilten Freunden unserer Asylbewerber wissen. Doch auch ehrenamtliche Strukturen kommen langsam an ihre Grenzen. Unser ehrenamtlicher Koordinator und 1. Vorsitzender, Georg Schrenk, hat allein mit der Flüchtlingsarbeit, die oftmals auch einem mühsamen Kampf durch den Paragraphendschungel gleichkommt, praktisch einen Vollzeitjob übernommen. Sollten die Flüchtlingszahlen wieder steigen, werden wir ebenfalls Probleme bekommen, unsere Arbeit in dem heutigen Maße fortzusetzen, wenn wir nicht neue Helfer hinzugewinnen – auch, wenn die bayerische Staatsregierung die Sprachausbildung mittlerweile durch Bereitstellung von Finanzmitteln und Ausbildungsplätzen an Berufsschulen unterstützt.

Wie wichtig sind Deutschkenntnisse für eine gelungene Integration, auch auf dem Arbeitsmarkt? Und was tut der Staat dafür?

Die Bedeutung von Deutschkenntnissen ist nicht zu unterschätzen. Den Flüchtlingen ist dies auch durchaus bewusst. Manche von ihnen streben nach der Anerkennung zum Beispiel eine Ausbildung an. Voraussetzung für jede Ausbildung sind jedoch Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 und höher. Das ist ungefähr das Niveau, auf dem ein Achtklässler auf dem Gymnasium Englisch können sollte, es wird im schulischen Unterricht also normalerweise nach ca. drei Jahren erreicht. Alles bürgerliche Engagement in Ehren gilt jedoch, dass das Niveau B1 normalerweise erst in den staatlichen Integrationskursen erreicht wird. Die Flüchtlinge erhalten in den ersten sechs Jahren nach der Einreise staatliche Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache. Der Integrationskurs ist für Flüchtlinge mit Anerkennung Pflicht. Ziel der Unterstützung ist, dass jeder, der sich in den letzten sechs Jahren mindestens drei Jahre ständig in Deutschland aufgehalten hat, sich angemessen verständigen kann. Bei Kindern wird künftig vor der Einschulung der Sprachstand erhoben. Wird dieser als zu gering eingestuft, sollen diese bis zur Einschulung an einem Vorkurs zur Sprachförderung teilnehmen.

Die Integrationskurse finden grundsätzlich leider erst nach der Anerkennung als Asylberechtigter statt, allerdings können Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit mittlerweile bereits vor der Anerkennung auf Antrag zu diesen Kursen zugelassen werden.

 

Wohin gehen meine Spendengelder für die Unterstützergruppe und wie werden sie verwaltet?

Seit der Vereinsgründung wird die Verwaltung unserer Spendengelder in der Kassenordnung geregelt. Die Kassenordnung ist ein rechtsgültiges Zusatzdokument zur Satzung und wurde von der Gründungsversammlung erlassen. Demnach entscheidet über Ausgaben bis zu 100 Euro unser Schatzmeister in alleiniger Verantwortung, bei Ausgaben über 100 Euro entscheidet der gesamte Vorstand mit einfacher Mehrheit. Die beiden Kassenprüfer erstatten zum Ende des Geschäftsjahres der Mitgliederversammlung Bericht.

Die wichtigsten Verwendungszwecke sind die Unterstützung der ehrenamtlichen Deutschkurse, Kostenerstattung und die Durchführung unserer Projekte. Es wurden und werden Lehrmaterialen wie Deutschbücher und Tafeln oder sogar ein Beamer beschafft. Weiterhin werden Kosten, die unseren Helfern durch ihre Arbeit entstanden sind, wie Fahrt- oder Druckkosten, erstattet, sowie notwendige Dolmetscher, nicht staatlich bezahlte, aber notwendige ärztliche Behandlungen und sonstige Hilfen für die Asylbewerber bezuschusst. Ausdrücklich nicht bezuschusst werden Kosten, die die Asylbewerber von ihrem Taschengeld selbst tragen können oder die selbst von ihnen verschuldet worden sind. „Hilfe zur Selbsthilfe“ bedeutet für uns, dass die Flüchtlinge ihre allgemeinen Lebenshaltungskosten aus ihrem eigenen Taschengeld bestreiten müssen, wobei wir selbstverständlich beim Erlernen des richtigen Umgangs mit Bargeld und Bankkonten helfen. Außerdem können Flüchtlinge Kredite bis zu 300 € für unvorhergesehene Auslagen erhalten.

Auf dieser Seite können Sie alle Kassenberichte seit Vereinsgründung abrufen.

Welche Rolle spielen die Kirchen in der Unterstützergruppe?

Die Zusammenarbeit der drei Kirchen, der kath.  Pfarreiengemeinschaft  Dillingen, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und der FeG Dillingen-Steinheim, in unserer Unterstützergruppe ist ein beispielloses Engagement in Sachen Ökumene. Ohne über konfessionelle Haarspaltereien zu stürzen, engagieren sich Mitglieder aus allen drei Gemeinden und aus vielen weiteren Kirchen und Freikirchen in unserem Unterstützerkreis. Dementsprechend ist die christliche Überzeugung der Nächstenliebe auch für viele unserer Helfer eine wichtige Motivation ihrer Arbeit.

Dennoch sind wir von jeder Kirche und kirchlichen Gemeinschaft sowohl rechtlich als auch inhaltlich unabhängig. Der Dillinger Unterstützerkreis verfolgt keinerlei kirchliche, politische oder ideologische Ziele, sondern hat sich die Bewahrung der Menschenwürde der Dillinger Flüchtlinge zur Aufgabe gemacht. In diesem Sinne wirken wir auch aktiv mit einer positiven Öffentlichkeitsarbeit, die ebenfalls von Ehrenamtlichen getragen wird, auf die Öffentlichkeit ein.

Bekommt ein Asylbewerber mehr Geld als ein deutscher Hartz-IV-Empfänger?

Nein – zumindest solange, wie das Asylverfahren noch andauert.

Personengruppe

Leistungen für Asylbewerber*

Regelsätze Hartz IV

Alleinstehend

364,65 €

424 €

Ehepaar

je 322,54 €

je 382 €

U25 im Haushalt der Eltern

279,75 €

339 €

14 bis 17 Jahre

286,22 €

322 €

6 bis 14 Jahre

277,58 €

302 €

0 bis 6 Jahre

223,97 €

245 €

Quelle für die Harzt-IV-Sätze: http://www.hartziv.org/regelbedarf.html
Quelle für die Asylsätze: Asylbewerberleistungsgesetz/Flüchtlingsrat Berlin
*Taschengeld, Lebensunterhalt und Kleiderzuschuss
Stand: 1. Januar 2019
Anmerkung: Asylbewerbern steht künftig erst dann ein voller Anspruch auf gesetzliche Leistungen zu, wenn sie sich vor Ort registriert haben und den neuen Flüchtlingsausweis besitzen, welchen die für den Asylsuchenden zuständigen Aufnahmeeinrichtung oder Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ausstellt. Wer sich vor oder bei der Einreise seiner Personalpapiere entledigt hat, oder Leistungen durch Angabe falscher Personalien erschlichen hat, verliert für fünf Jahre den Anspruch darauf.

Ausländische Asylbewerber bekommen also weniger Geld als deutsche Arbeitslose. Hinzu kommt, dass vor kurzem das Sachleistungsprinzip wiedereingeführt wurde. Für die Versorgung von Asylbewerbern sind die Kommunen (Landkreise, kreisfreie Städte) zuständig. Nur, wenn diese nicht in der Lage sind, die Versorgung in Form von Sachleistungen zu gewährleisten, wird das sogenannte „Taschengeld“ ausbezahlt. Im Landkreis Dillingen gibt es grundsätzlich keine Sachleistungen außer der Kosten für Unterkünfte und ärztliche Versorgung von Asylbewerbern. Ausnahme: Geflüchtete, die eine Ablehnung haben, und nach Einschätzung der Behörden sich bei den Maßnahmen zur Identitätsfindung nicht engagieren (z.B. Beschaffung von Personenstandsurkunden, Aufsuchen der Botschaft, um einen Pass zu erhalten) erhalten Sachleistungen.
Wir begrüßen dies ausdrücklich, da viele Asylbewerber gerne kochen, insbesondere zu festlichen Anlässen wie Geburtstagen, gerne mit Gerichten und Gewürzen aus ihrer Heimat, die sie nur dann erwerben können, wenn sie über eigenes Geld verfügen. Die Wiedereinführung des Sachleistungsprinzips würde sie also entwurzeln und somit nicht zu einer erfolgreichen Integration beitragen.

Die Dillinger Flüchtlinge müssen mit diesem Geld natürlich haushalten. Der richtige Umgang mit Geld ist den zumeist jungen Flüchtlingen nicht vertraut, da oftmals auch grundlegende mathematische Kenntnisse fehlen, um Geldmengen dieser Größenordnung abschätzen zu können. Ebenso ist der Umgang mit einem (nicht verzinsten und nicht überziehbaren) Bankkonto und einer Girokarte für viele schwierig. Unsere Paten helfen deswegen beim richtigen und verantwortungsvollen Umgang mit dem ihnen anvertrauten Geld, können die Asylbewerber jedoch auch zu nichts zwingen, da sie volljährige und erwachsene Menschen sind.

Sobald ein Asylbewerber als Flüchtling anerkannt ist, erhält er, wenn er keine Arbeit oder Ausbildung findet, allerdings den gleichen Satz wie ein deutscher Hartz-IV-Empfänger. Die meisten Flüchtlinge mit Familie, die eine Arbeit finden, bleiben sogenannte „Aufstocker“, d.h. sie bekommen weiterhin einen Zuschuss aus dem JobCenter.

Wie kann ich in der Unterstützergruppe mithelfen? Und was macht sie überhaupt?

Beim der Unterstützergruppe "Asyl/Migration Dillingen a.d.D"e.V. gibt es grundsätzlich zwei verschiedene "Typen" von Helfern. Beide arbeiten ehrenamtlich.

Die Paten sind die ersten und dauerhaften Ansprechpartner für die von ihnen betreuten Asylbewerber. Die Menschen, die zu uns kommen, sind mit der für sie völlig neuen Situation hier in Deutschland oftmals überfordert. Sie kennen unsere Sprache nicht, unsere Kultur und unsere Lebensgewohnheiten. Sie sind oft sehr jung, haben noch nie längere Zeit alleine gelebt und können mit technischen Geräten wie Waschmaschinen teilweise nicht umgehen, da es diese in manchen Herkunftsländern auch gar nicht gibt. Mülltrennung ist ihnen fremd. Behördengänge, Arztbesuche und der richtige Umgang mit Geld stellen für sie eine unüberwindbare Herausforderung dar. Diese Probleme existieren nicht, weil die Asylbewerber zu faul wären, sondern weil sie schlicht überfordert sind – manche sind sogar von ihrer Flucht oder von Erlebnissen in ihren Heimatländern traumatisiert. Bei all diesen Dingen brauchen sie also, vor allem in den ersten Monaten, Hilfe und Unterstützung. Diese Aufgabe übernehmen die Paten. Zusätzlich dazu leisten die Paten einen Beitrag zur Integration, weil sie Konflikte schlichten und den regelmäßigen Kontakt zu den Flüchtlingen halten. So verhindern wir, dass Parallelgesellschaften und Ghettos entstehen, und sorgen dafür, dass die Flüchtlinge regelmäßig mit deutschen Muttersprachlern in Kontakt kommen.
Inzwischen haben sich die Aufgaben der sogenannten Paten gewandelt. Sie bleiben zwar meist Ansprechpartner der Flüchtlinge, werden aber oft nur noch in Anspruch genommen, wenn es darum geht, Formulare auszufüllen, bei der Anmietung von Wohnungen zu beraten oder sich in die Gesellschaft zu integrieren. Der Koordinator ist inzwischen dazu übergegangen, sogenannte Paten auch punktuell dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden.

Die Sprachenausbildung durch Ehrenamtliche ist, wie an anderer Stelle schon erwähnt, in den Hintergrund getreten und beschränke sich nur noch auf die Gemeinschaftsunterkunft oder auf Nachhilfe.

Abseits davon bestehen organisatorische Sonderaufgaben wie Widersprüche gegen Abschiebungsbescheide und Pressearbeit, darunter auch die Organisation der Homepage, an. Aufsicht beim Fußballtreff ist eine wichtige Aufgabe ebenso wie die Unterstützung beim Frauentreff oder auch das gemeinsame Singen mit Kindern. Seit Vereinsgründung haben wir auch einen Vereinsvorstand und einen Beirat. Darüber hinaus sind wir für alles offen, egal ob Kochkurse, interkulturelles Essen, Fußballaktionen oder einfache Begleitungen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, Englischkenntnisse wären wünschenswert, sind aber nicht zwingend nötig, da auch nicht alle Flüchtlinge Englisch können. Kontaktfreude ermöglicht Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen, die gerne auch von ihrer Heimat erzählen und damit auch unseren Horizont erweitern. Seien Sie herzlich willkommen!

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Seite "Mitmachen!".

Was ist das Rundgespräch?

Wären wir ein eigener Staat, dann wäre das Rundgespräch unser Parlament. In regelmäßigen Abständen lädt unser 1. Vorsitzender und Koordinator Georg Schrenk Asylhelferinnen und -helfer  und die interessierte Öffentlichkeit zur Rundgesprächen ins Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich ein. Externe Referenten, zum Beispiel vom Landratsamt, von der Arbeitsagentur, vom Bayerischen Flüchtlingsrat oder auch Fachleute zum Thema "Islam", informieren über wichtige Themen. Bundestagsabgeordnete, der Landrat, der Oberbürgermeister und andere Mandatsträger stellen sich ebenfalls von Zeit zu Zeit für Befragungen zur Verfügung.

Im Gegensatz zu einem Parlament muss aber niemand gewählt werden, um am Rundgespräch teilnehmen zu dürfen. Die Einladungen werden (auch an dieser Stelle) regelmäßig vorher veröffentlicht. Alle an unserer Arbeit interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, sich zu informieren, mitzumachen und mitzuentscheiden. Da wir in einer Demokratie leben, gilt: nur wer sich einmischt, kann Verantwortung übernehmen!

Warum ist die dominierende Farbe auf der Homepage Braun?

Nein, die Farbe unseres Corporate Designs hat nichts mit der Farbe des Nationalsozialismus zu tun. Sie wurde vom AK Homepage, der das grundlegende Konzept unseres Online-Auftritts erarbeitet hat, am 07. Juni 2015 festgelegt. Der AK wünschte sich dabei eine Farbgebung, die mit den Menschen zu tun hat, mit denen wir arbeiten: den Flüchtlingen. Das Grafikerteam erarbeitete daraufhin einen Logoentwurf in Brauntönen. Die verschiedenen Brauntöne unseres Logos sollen dabei für die verschiedenen Hautfarben aller Menschen dieser Erde stehen. Die ineinandergreifenden Hände symbolisieren die länderübergreifende Zusammenarbeit und Solidarität aller Menschen in Dillingen, egal welcher Herkunft.

Dieses Logo wurde vom 8. Rundgespräch am 10. September 2015 angenommen und die Farbgebung der Homepage wurde daraufhin dem Logo angepasst. Das Braun in unserem Logo will also eine symbolische Umdeutung der alten Nazi-Uniformen leisten: weg von einer menschenverachtenden Ideologie hin zu einer völkerübergreifenden Zusammenarbeit in allen Farben nicht des Regenbogens, sondern der menschlichen Schutzhülle schlechthin: seiner Haut.

Warum kämpfen die syrischen Flüchtlinge nicht für ihr Vaterland?

Die konkreten Fluchtgründe, warum einzelne Asylbewerber Zuflucht in Deutschland und Europa gesucht haben, sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Wir können daher an dieser Stelle keine pauschale Antwort geben.

Stattdessen erlauben wir uns zwei Gegenfragen: Kann ein Land, dessen Machthaber seit Jahren brutal jegliche politische Opposition unterdrückt, dessen Regierung Bomben auf das eigene Volk werfen lässt und dem von der internationalen Gemeinschaft schlimmste Verbrechen wie Chemiewaffeneinsatz, Folter und Massenmord vorgeworfen werden, noch wirklich als „Vaterland“ gelten? In wessen Armee sollte denn ein ehrlicher Syrer kämpfen – in der des Schlächters und Diktators Assad?
Sicher nicht. Die Frage, ob der Einzelne sich stattdessen den Reihen der Opposition anschließen und gegen Assad kämpfen möchte, kann ebenfalls nur individuell beantwortet werden. In der Tat sind vor allem zu Beginn des Bürgerkriegs viele Soldaten aus Assads Reihen desertiert, um auf Seiten der Oppositionellen für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.
Mehr als ein halbes Jahrzehnt nach Kriegsbeginn sind die meisten jedoch ernüchtert. Seien Sie ehrlich zu sich selbst: würden Sie in einem Krieg wie dem Syrienkrieg zur Waffe greifen? Oder würden Sie nicht viel eher versuchen, sich und Ihre Familie zu retten? Bevor Sie eine solche Frage den syrischen Flüchtlingen stellen, überlegen Sie doch erst einmal, wie Sie sie selbst beantworten würden. Sie halten ein solches Gedankenspiel für rein hypothetisch? Dann werfen Sie einmal einen Blick auf den ARD-Spielfilm „Aufbruch ins Ungewisse“.

Was ist die Geschichte der Flüchtlingskrise?

Den meisten Menschen sind beim Wort „Flüchtlingskrise“ vor allem die Ereignisse im Herbst 2015 im Gedächtnis. Doch was nur wenige wissen: die Flüchtlingsproblematik besteht schon länger. Auch wir Helfer sind schon länger aktiv: unsere Gruppe bereits seit 2014.

Bereits mehrere Jahre vorher zeichnet sich ab, dass Europa in der Zukunft mit einer ganz neuen Herausforderung wird kämpfen müssen. Vor allem in Italien landen immer mehr Flüchtlinge. Diese Staaten sind überfordert. Die Bundesregierung verwies damals noch auf die Dublin-Regelung, wonach dasjenige EU-Land für das Asylverfahren zuständig ist, welches der Asylbewerber zuerst betreten hat. Diese Regelung ist für den EU-Binnenstaat Deutschland von Vorteil.
Als einer der ersten überhaupt verschafft der 2013 gewählte Papst Franziskus den Flüchtlingen öffentliche Aufmerksamkeit. Seine erste Auslandsreise führt ihn nach Lampedusa, wo kurz zuvor das erste große von vielen weiteren Bootsunglücken stattfand. Zwei Überlebende dieses Unglücks gelangen später nach Dillingen. Ein Jahr darauf verkündet er im EU-Parlament, das Mittelmeer dürfe nicht zum Friedhof werden, und appelliert an die gemeinsame Verantwortung der gesamten Europäischen Union.
An der Basis formieren sich die ersten, noch losen, Flüchtlingshelfergruppen. Sie sprangen damals in eine Lücke, die der Staat hinterließ. Im Vordergrund steht die Nothilfe. Noch waren Deutschkurse nur für anerkannte Flüchtlinge zulässig. Der Staat ist auf die Ehrenamtlichen angewiesen, es entstehen jedoch erste Konflikte. Die Ehrenamtlichen (so auch wir) warnen vor Überforderung.

Im Herbst 2015 bricht das europäische Asylsystem zusammen. Die genauen Ereignisse sind umstritten, Tatsache ist: innerhalb kürzester Zeit kommen über die „Balkanroute“ um die 800.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Der Staat ist auf diesen Ansturm nicht vorbereitet, das BAMF völlig überfordert. Erneut springen die Ehrenamtlichen ein. Gleichzeitig schließen die Länder der Balkanroute ihre Grenzen, Ungarn baut einen Zaun. Noch herrscht in Deutschland eine Willkommenskultur. Gleichzeitig erlebt das Land eine enorme Polarisierung, die bis heute anhält: in pro und contra Flüchtlinge.
An der Basis findet, verstärkt durch die vielen neuen Helfer, die im Herbst 2015 dazukamen, eine Professionalisierung und Institutionalisierung statt. Die Flüchtlingshelfer vernetzen sich, betreten die öffentliche Sphäre und geben sich feste Rechtsformen als eingetragene Vereine. Gleichzeitig erhalten sie zunehmend professionelle Unterstützung, insbesondere von den Kirchen. Der Staat verteilt zwar Ehrungen und Dankesurkunden, lässt die Helfer jedoch weiter allein.

Aus der ursprünglichen Nothilfe wird langsam eine dauernde Hilfe. Die Themen Arbeit, Wohnung und Integration drängen sich in den Vordergrund. Die ersten Flüchtlinge werden nun anerkannt.
Gleichzeitig tritt eine Erschöpfung unter den Flüchtlingshelfern der Basis ein. Viele Ehrenamtliche geben auf, es kommen nur wenige Neue hinzu. Der „harte Kern“ bleibt jedoch erhalten. Der Staat erkennt endlich seine Notwendigkeit zu handeln und öffnet die Integrationskurse für Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive.

Auf gesellschaftlicher Ebene schwindet der Rückhalt. Nach der Silvesternacht von Köln kippt die Stimmung. Ausländerfeindliche Parteien und Kräfte gewinnen an Stärke, die Ehrenamtlichen stehen unter Druck und erhalten teils persönliche Angriffe – auch hier in Dillingen. Der Staat führt die Unterscheidung zwischen Flüchtlingen mit „guter“ und „weniger guter“ Bleibeperspektive ein. Es folgen mehrere, teils überhastete, Reformen am Asylrecht.

Bedingt durch den Druck von Rechts und die restriktive Reaktion der Politik politisieren sich auch die Flüchtlingshelferkreise. Eine überregionale Zusammenarbeit in verschiedenen Organisationen beginnt. Die Kirchen solidarisieren sich mit den Flüchtlingshelfern. Die Helferkreise melden sich in Form von Protestbriefen, Demonstrationen und weiteren Aktionen verstärkt zu Wort. Insbesondere in Bayern beginnt ein langer, mühseliger und immer noch nicht abgeschlossener Kampf gegen die Willkür der bayerischen Asylbürokratie. Die Anerkennungspraxis wird insgesamt restriktiver, Flüchtlinge werden jetzt auch nach Afghanistan abgeschoben.
Das BAMF schafft es durch Personalneueinstellungen, den Asylstau zu verringern. Viele Flüchtlinge sind jetzt anerkannt und stehen in Arbeit oder Ausbildung. Gleichzeitig verlagert sich der Papierberg zu dem Verwaltungsgerichten: dort klagen unzählige, nicht-anerkannte Flüchtlinge gegen handwerklich schlecht gemachte Bescheide.

Die Zukunft ist ungewiss. An der Basis werden wohl Ehrenamtliche verstärkt durch Hauptamtliche abgelöst werden. Die neu angekommenen Flüchtlinge werden ihren langen Weg in Richtung Integration weitergehen – teils mit Rückschlägen, die meisten aber erfolgreich. Die Europäische Union hat immer noch kein einheitliches Asylsystem. Die Krisen und Konfliktherde an ihren Grenzen – Syrien, Nordafrika, mittlerweile auch die Türkei – brennen weiter. Wir wagen keine Prognose, was passiert, wenn sich von dort wieder Millionen Menschen auf den Weg machen.

Diese Darstellung basierte auf einem Vortrag beim 4. Oberbayerischen Asylgipfel 2017 in München.

Warum äußert sich die Unterstützergruppe auch zu politischen Fragen?

Es war nie unser Ziel, uns politisch zu äußern – die Umstände haben uns dazu gezwungen. Es geht und ging uns einzig und allein darum, den in Dillingen lebenden Flüchtlingen einen menschenwürdigen Aufenthalt zu ermöglichen.

Leider interessieren sich manche Politiker wenig für die Zustände vor Ort. Unter dem Druck der Neuen Rechten beschließen sie Gesetze und Verordnungen, welche die Schwierigkeiten vergrößern und teils an der Realität vorbeigehen, beispielsweise beim Thema Arbeitsgenehmigungen. Auch die Zivilgesellschaft ist über die tatsächlichen Hintergründe der „Flüchtlingskrise“ und mögliche Lösungsansätze oft erstaunlich wenig informiert. Das Leiden der Menschen ist weit entfernt von der eigenen Lebensrealität, und so schaut man weg.

Daher sehen wir es zunehmend auch als unsere Aufgabe an, über die Lebenssituation und die Rechte von Flüchtlingen zu informieren und öffentlich für die Grundrechte auf Menschenwürde und Asyl einzutreten. Diese beiden Ziele wurden 2016 bei der Vereinsgründung auch in die Satzung aufgenommen. Wir möchten uns dem demokratischen Dialog stellen. Wenn Sie Fragen oder Zweifel haben, kommen Sie gerne auf uns zu und besuchen Sie eine unserer Veranstaltungen, wo Sie die in Dillingen lebenden Flüchtlinge persönlich kennenlernen können.

Dennoch sind und bleiben wir überparteilich und unabhängig. Unsere Mitglieder gehören allen politischen Richtungen an, und der Vorstand verfolgt keine politischen Ziele. Trotzdem halten wir es manchmal für notwendig, aus gewissen Erfahrungswerten aus der täglichen Arbeit Handlungsempfehlungen zur konstruktiven Lösung der „Flüchtlingskrise“ abzuleiten.

Wäre es nicht sinnvoller und billiger, die Flüchtlinge in ihren Heimatländern zu versorgen?

Schlicht und einfach: ja, natürlich. Und in der Tat sind nach Angaben von UNHCR[1] zwei Drittel aller Flüchtlinge weltweit sogenannte Binnenflüchtlinge, die im eigenen Land fliehen. Deutschland ist auch nicht das größte Aufnahmeland: 85 % aller Flüchtlinge fliehen in Entwicklungs- oder Schwellenländer, die mit ganz anderen Problemen kämpfen als Deutschland. Darunter sind die Türkei, Pakistan, Uganda, der Libanon und der Iran als die fünf größten Aufnahmeländer 2017. Erst an sechster Stelle steht Deutschland.

Die meisten Flüchtlinge schaffen es also gar nicht bis zu uns. Von einem „Ansturm“ kann daher keine Rede sein.

Dennoch sind wir der Überzeugung: diejenigen, die hier sind, verdienen eine menschenwürdige Behandlungen nach rechtsstaatlichen Standards. Unser Verein hat sich darauf konzentriert, lokal und vor Ort zu helfen – zu mehr wären wir auch gar nicht in der Lage. Wenn Sie dazu beitragen wollen, Flüchtlinge in anderen Ländern zu unterstützen, finden Sie zahlreiche Hilfsorganisationen im Netz. Sie können aber auch selbst in ihrem Alltag dazu beitragen, Fluchtursachen zu verringern, indem Sie beispielsweise auf fair gehandelte Produkte wie Schokolade und Bananen achten.

 

[1] alle folgenden Zahlen nach https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zahlen-fakten/

Prinzipiell sind fast  alle Asylbewerber hoch motiviert, die deutsche Sprache zu erlernen, auch wenn sie aus grammatikalischer Sicht eine der schwierigeren Sprachen in Europa ist. Zusätzlich erschwert wird die Situation dadurch, dass manche Asylbewerber weder lesen noch schreiben können oder aus einem ganz anderen Schriftsystem, wie zum Beispiel dem Arabischen, kommen. Für diese führen die zahlreiche Anbieter vor Ort sowie unser Verein auch Alphabetisierungskurse durch. Bis 02/17 haben wir noch sehr viele Sprachkurse unter der Leitung Ehrenamtlicher durchgeführt. Inzwischen hat sich dies erheblich reduziert. Ständige Sprachkurse durch Ehrenamtliche erfolgen derzeit nur noch in der Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Schwaben. Allerdings erteilen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten auch Nachhilfe.

Ansonsten lässt sich die Situation mit der in jeder deutschen Schulklasse vergleichen: manche Schüler haben sprachliches Talent und echtes Interesse, für andere ist das Erlernen einer Fremdsprache eine ständige, mühsame Herausforderung. Wir halten mit unseren Paten und Deutschlehrern die Flüchtlinge immer dazu an, die Herausforderung Deutsch anzunehmen und nicht aufzugeben. Asylbewerber, die sich der Sprachenausbildung Deutsch komplett verweigern, werden von uns grundsätzlich nicht unterstützt. Im Integrationskurs, den alle Flüchtlinge mit einer Anerkennung besuchen müssen, ist das Ziel Deutsch B1. Oft wird jedoch nur A2 erreicht. Allerdings haben wir auch Flüchtlinge die B2 und sogar C1 geschafft haben.

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