Beinahe unbemerkt von vielen Einheimischen versuchen die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit Integration zu fördern und die Geflüchteten dabei zu unterstützen. Auch das Engagement wird erheblich durch COVID 19 beeinflusst.


Nach Herausgabe neuer Auflagen der Schutz- und Hygienevorgaben der Bayerischen Staatsregierung werden von der Unterstützergruppe die Inhalte so formuliert und auch mittels Google übersetzt, dass die Geflüchteten sie auch verstehen. Um die Impfbereitschaft weiter zu erhöhen, werde neben der Informationsarbeit des Integrationsbeirates Dillingen in vielen Gesprächen über die im Internet gestreuten Desinformationen aus Afrika und Asien aufgeklärt. Mit Erfolg, so der Vorsitzende Georg Schrenk. Mit besonderer Unterstützung von Dr. Anselm Hoppe und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konnten an vier Terminen über achtzig Geflüchtete geimpft werden.
Manch Geflüchteter erfüllt inzwischen die Voraussetzungen für die Niederlassungserlaubnis, einige sind oder wollen sogar eingebürgert werden. Hier ist die Vorlage vieler Dokumente erforderlich, die nicht immer beigebracht werden können. Eine beinahe unüberwindliche Hürde für Geflüchtete aus Eritrea und auch aus Äthiopien ist die Passbeschaffung. Diesbezüglich hat die Unterstützergruppe an den Deutschen Bundestag eine Petition vorgelegt, da es schwerlich nachvollziehbar ist, dass gut integrierte und seit Jahren in einem Beschäftigungsverhältnis stehender Geflüchtete nicht die Niederlassungserlaubnis erhalten oder eingebürgert werden können, obwohl sie hier angekommen sind.
Eine nach wie vor unbefriedigende Situation würde besonders die Gruppe der Langzeitgeduldeten betreffen und trotz Ankündigung im Koalitionsvertrag vorerst weiter bestehen. Der angestrebte „Spurwechsel“ in Form beschleunigter Aufenthaltserlaubnisse für gut integrierte Langzeitgeduldete sei begrüßenswert. Es müssen reelle Perspektiven für ein dauerhaftes Bleiberecht geschaffen werden.
Eine große Flüchtlingsgruppe im Landkreis stellen Afghanen dar. Obwohl die Taliban seit über drei Monaten die Macht übernommen haben, haben sich die Vorgaben z.B. für die Zulassung zu Sprachenlehrgängen für Asylbewerber und gar Geduldete aus Afghanistan noch nicht verändert. Man könne nur hoffen, dass die neue Bundesinnenministerin der Lage Rechnung trägt und Änderungen veranlasst. Viele afghanische Geflüchtete seien in großer Sorge um ihre Angehörigen in der Heimat. Auch warten einige auf die Familienzusammenführung, die abrupt gestoppt worden seien. Selbst wenn manche die Flucht in den Iran oder nach Pakistan geschafft haben, biete dies noch keine Gewähr zu den Angehörigen nach Europa zu kommen.
Sehr fragwürdig aus Sicht der Ehrenamtlichen sind die in letzter Zeit vollzogenen Abschiebungen oder Abschiebeversuche aufgrund der sogenannten Dublin-Verträge nach Rumänien und Kroatien. Sorge bereiten die nicht immer garantierte Einhaltung der Menschenrechte und die Einstufung als Corona-Hochrisikoländer.
Im Fall einer Christin aus dem Iran versucht der Verein in Zusammenarbeit mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Dillingen, das durch die

Härtefallkommission ein Aufenthalt im Landkreis zugestanden wird. Georg Schrenk kritisiert auch die Verzögerung im Zusammenhang der Familienzusammenführung eines Eritreers. Er beanstandet die Arbeitsweise der deutschen diplomatischen Vertretung in Äthiopen, die dem grundgesetzlichen Schutz von Ehe und Familie gerecht werden müsse.
Erfreulich sei, so der Vorsitzende, dass viele Geflüchtete in Dillingen inzwischen in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. Als eine besonders positive Entwicklung wertet der Verein erfolgreiche Abschlüsse an Schulen, Universitätsstudien und Ausbildungsabschlüsse. In Zusammenarbeit mit der Aktion „Jugend und Zukunft“ wird auf Lehrabschlussprüfungen vorbereitet.
Viele Geflüchtete wohnen inzwischen mit ihren Familien in zu kleinen Wohnungen. Es sei jedoch kaum möglich, größere Wohnungen zu finden. Auch wohnen seit Jahren Geflüchtete mit einer Anerkennung noch in einer Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Schwaben oder in dezentralen Unterkünften des Landratsamtes. Aufgrund des dort pro Kopf bereitgestellten Wohnraums sei es sehr schwierig, unter Corona- Einschränkungen die notwendigen Voraussetzungen für Online Unterricht anzubieten.
Leider ließe die Pandemie nur reduzierte soziale Kontakte zu. Man sei aber guter Hoffnung, dass die unterbrochenen Aktivitäten wie Schwimmkurs für Frauen, Arabisch-Unterricht für Kinder, die Nachhilfeunterstützung und weitere Maßnahmen wieder in vollem Umfang aufgenommen werden können.
Die verbliebenen unermüdlichen Ehrenamtlichen, von denen einige das 80. Lebensjahr schon überschritten haben, würden nicht resignieren, so Schrenk. Nicht immer könnten sie mit dem was sie in Behörden erleben, einverstanden sein. Ein „Neujahrswunsch“ sei die Mitarbeit auch jüngerer Ehrenamtlicher.
Georg Schrenk / Uli Demmer, Unterstützergruppe Asyl/Migration Dillingen a.d.D.
22.01.22

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