Erfahrungsbericht einer jungen Flüchtlingstochter

Erfahrungsbericht Flüchtlinge Corona Ausgangsbeschränkung [Symbolfoto. Quelle: pexels.com, Autor: Julia M Cameron]

Symbolfoto. Quelle: pexels.com, Autor: Julia M Cameron

Die Maßnahmen und Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treffen alle Menschen gleich. Die 18jährige Hala ist aus Syrien nach Dillingen geflohen. Sie berichtet von ihren Erfahrungen im Alltag mit Corona.

Wie an jedem Tag ohne Schule bin ich zwischen neun und zehn etwas spät aufgewacht. Mein Vater ist zur Arbeit gegangen, von der wir nicht wissen, ob sie wegen des Virus eingestellt wird. Der Rest der Familie war vor mir schon aufgewacht und wie immer war das Erste was zu tun war, zu frühstücken und dann den köstlichen arabischen Kaffee zu trinken. Danach nahm ich mir etwas Zeit für mich. Meistens nutze ich diese Zeit um zu lesen. Das letzte deutsche Buch, das ich gelesen habe, war der Roman „Der Richter und sein Henker“, und sobald ich den aktuellen arabischen Roman „Auf Wiedersehen Damaskus“ zu Ende gelesen habe, werde ich anfangen, ein Buch über die Selbstentwicklung zu lesen. Das Lesen in verschiedenen Sprachen bringt mich dazu, verschiedene Kulturen zu vergleichen und hilft mir, die Unterschiede besser zu verstehen. Um diese Zeit ist es ein Uhr nachmittags. Wenn es noch etwas Zeit ist, bis das Mittaggebet verrichtet wird, dann praktiziere ich Yoga, das ich zu Beginn der Ausgangsbeschränkung für eine halbe Stunde täglich begonnen habe, und danach gehe ich zum Beten. Yoga gab mir Flexibilität und Kraft, und ich begann, mich energisch zu fühlen, zumal, da das Verlassen des Hauses nur zu wesentlichen Bedürfnissen erlaubt wurde. Dann fing meine Mutter an, das Mittagessen vorzubereiten und ich half ihr ein wenig dabei, indem ich währenddessen die Küche putzte. Mein Vater kam von der Arbeit zurück und wir versammelten uns alle um den Mittagstisch und sahen uns eine Folge unserer Lieblingsserie an. Nach dem Essen haben wir alle gemeinsam aufgeräumt. Meine Eltern sind mit meinem kleinen Bruder, der den ganzen Tag gespielt hat und müde war, schlafen gegangen. Gleichzeitig haben meine Schwestern und ich unsere Schulaufgaben gemacht und gelernt. Das bedeutet aber nicht, dass wir keine Zeit für soziale Medien verwenden. Vor allem nutze ich sie, um mit Verwandten und Freunden zu kommunizieren und zum Spaß. Als der Abend kam, verbrachte ich Zeit mit meinen Schwestern, entweder spielen wir Karten oder tanzen und singen. Dazu essen wir was Leckeres. In der letzten Stunde vor dem Schlafen saß ich mit meinem Handy im Bett, um Nachrichten durchzugehen und zu beantworten, klar habe ich auch YouTube-Videos angeschaut. Ich schlief ein während ich an den nächsten Tag dachte. Die Ausgangsbeschränkung beraubt uns vieler Aktivitäten, die wir in der Vergangenheit unternommen haben, aber es gibt uns die Gelegenheit, uns und unsere Familien tief kennenzulernen und Dinge zu tun, die wir von Zeit zu Zeit verschoben haben.

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