Taufbecken (Symbolbild] [Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Arnoldius, CC-BY-SA 3.0]

Der Bayerische Flüchtlingsrat konnte diese Woche die Abschiebung eines Konvertiten nach Afghanistan verhindern. Der bayerische Sonderweg der Abschiebung auch von Nicht-Straftätern nach Afghanistan sei ein "Schicksalskarussell, das teils sadistische Behördenvertreter mit Kandidaten besetzen, die dann im Einzelfall vom Gericht oder der Politik wieder heruntergeholt werden. Diese Abschiebungen sind ein unwürdiges, Nerven und Gemüter belastendes Theater, das allmonatlich aufgeführt wird. Junge Menschen sollen abgeschoben werden in ein Land, das selbst der deutschen Polizei zu gefährlich ist", kritiserte Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Auch in Dillingen gibt es konvertierte Christen.

 

Karim J., der am 7. Oktober nach Kabul hätte abgeschoben werden sollen, kam 2015 nach Deutschland, nahm eine Ausbildung auf und suchte Kontakt zur Pfarrei St. Michael in Vöhringen. Als er von den regelmäßig stattfindenden Abschiebungen nach Afghanistan erfuhr, ergriff ihn die Angst und er flüchtete weiter nach Frankreich. Von dort wurde er wieder nach Deutschland zurückgeschoben und verlor seine Arbeitserlaubnis.
Karim wurde an Ostern 2017, nach einjähriger Vorbereitung und Taufunterrichtung, katholisch getauft. "Ich lernte Karim als sehr unauffälligen, ruhigen Menschen kennen, der sich schon vor der Einreise nach Deutschland mit dem Christentum auseinandersetzte. Aufgrund der geistlichen Begleitung über einen Zeitraum von nun drei Jahren, kann ich bezeugen, dass Karim ein überzeugter Christ ist. Eine Abschiebung hätte für Karim eine sehr ernste Gefahr für Leib und Leben bedeutet, weil die islamische Praxis in Afghanistan den Konvertiten mit dem Tod bedroht", sagte Martin Straub, der Stadtpfarrer von St. Michael. J. hat sich zudem in Frankreich am Handgelenk tätowieren lassen. Dort sind die Buschstaben „AFG“ für Afghanistan, ein „K“ für „Krist“ (Christ, da die Landessprache Dari kein „c“ kennt), sowie ein Kreuz zu sehen. Das Tatoo ist von außen gut sichtbar.

"Dass Innenminister Herrmann einen bekennenden Katholiken nach Afghanistan abschieben lassen wollte, ist der Gipfel der Bigotterie. Die CSU ist immer nur dann christlich, wenn es opportun ist", so Stephan Dünnwald. In manchen Fällen scheine Gedankenlosigkeit der Grund für Abschiebungen zu sein, die Sachbearbeiter scheinen nicht zu überblicken, was sie damit auslösen. In einigen Fällen sei es aber eher sadistische Bedenkenlosigkeit, die dazu führe, dass Personen gesucht oder verhaftet würden, die nicht abgeschoben werden könnten oder dürften. In Bayern behaupte zwar das Landesamt für Rückführungen, alle Einzelfälle sorgfältig zu prüfen. Trotzdem komme es jeden Monat, bei jedem Flug dazu, dass Ehrenamtliche aufschreien müssten, dass Pfarrer einschreiten, weil Christen nach Kabul abgeschoben werden sollen und dass namhafte Politiker ihre Kollegen anschreiben müssen, damit nicht haarsträubende Fehler passieren. So, wie es auch diesen Monat mit Karim J. der Fall war.

Dieser Beitrag beruht auf zwei Pressemitteilungen des Bayerischen Flüchtlingsrates. Wir sind ebenfalls gegen Abschiebungen nach Afghanistan und gegen die Abschiebung konvertierter Christen.

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