Afghanischer Lokalpolizist im Januar 2012 [Autor: David Axe, Quelle: flickr.com, CC-BY-NC 2.0]

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) hat erneut vor Abschiebungen nach Afghanistan gewarnt. „Die Sicherheitslage in dem Land lässt Rückführungen nur im Ausnahmefall zu. Und die Situation hat sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert“, sagte Dominik Bartsch, Repräsentant des UNHCR in Deutschland, am Sonntag in Berlin. Damit schließt sich der UNHCR der Einschätzung zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen an.

 

Auch Kabul sei inzwischen hochgefährlich, so der Vertreter der UN-Behörde weiter: „Früher wurde die Hauptstadt Kabul wegen der relativen Sicherheit als sogenannte interne Fluchtalternative bezeichnet, weil gefährdete Afghanen dort Schutz suchen konnten und nicht das Land verlassen mussten. Diese Zeiten sind längst vorbei. Die Stadt ist völlig überlastet und deutlich gefährlicher als früher. Eine Fluchtalternative ist sie nicht mehr.“
 
Dabei lehne UNHCR Abschiebungen nach Afghanistan nicht grundsätzlich ab. „Aber wer die Entscheidungen trifft, muss sich klar sein, in was für ein Land diese Menschen gebracht werden. Die Taliban haben dramatisch wieder an Boden gewonnen, es gibt Terroranschläge und ständige Menschenrechtsverletzungen. Und was man als Deutscher ganz selbstverständlich erwartet, dass der Staat vor marodierenden Banden schützt, kann der Staat Afghanistan nicht leisten“, sagte Bartsch. Interessanterweise warnt das Auswärtige Amt seine deutschen Staatsbürger weiterhin vor Reisen nach Afghanistan. "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich", heißt es in unserem Grundgesetz. Doch wer das Glück hatte, in einem reichen und sicheren Land geboren zu sein, ist nach Ansicht unserer Behörden scheinbar gleicher als Andere.

Dieser Beitrag beruht auf einer Pressemitteilung des UNHCR. Die Unterstützergruppe "Asyl/Migration Dillingen a.d.D." e.V. fordert ein Ende der Abschiebungen nach Afghanistan.

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