Symbol der Auferstehung, nicht der CSU

Kreuz am Landungsstrand des Juno Beach, Normandie, Frankreich

Die CSU will im Eingangsbereich aller bayerischen Dienstgebäude Kreuze aufhängen lassen. Ein Blick in die Geschichte dieses Symbols zeigt: das Kreuz taugt nicht für eine gute Flüchtlingspolitik. Die Partei, die das „christlich“ im Namen trägt, hat offensichtlich wenig Ahnung von der Geschichte dieser Religion. Ein Kommentar von Jan Doria

Natürlich ist das ein Wahlkampfmanöver, und das weiß jeder in Bayern. Dass zahlreiche Kirchenvertreter selbst den Vorschlag der CSU ablehnen, zeigt, was davon zu halten ist. Und doch lohnt sich ein Blick in die Geschichte dieses Symbols: wenn es schon nicht für eine „bayerische Identität“ stehen soll, wofür steht es dann, das Kreuz?

Vom Folterinstrument zum Erlösungssymbol

Ursprünglich war das Kreuz ein Folterinstrument, das im Imperium Romanum nur Menschen zugemutet wurde, die keine römischen Bürgerrechte hatten. Es galt als Höchststrafe für Mörder, Hochverräter und Schwerstverbrecher.

Im Jahre 33 unserer Zeitrechnung dann wurde ein Mann gekreuzigt, von dem Sätze stammen wie dieser: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25, 37). Jesus Christus als der Sohn Gottes opfert sich selbst aus Liebe, um alle Menschen, die an ihn glauben, von ihrer Schuld zu erlösen. Das ist die Kernbotschaft des christlichen Glaubens, doch die ersten Christen taten sich schwer mit dem Kreuz: es galt ihnen immer noch als Foltersymbol und Mordwerkzeug. Erst in den Jahrhunderten nach dem Tod des Religionsgründers fand eine Umdeutung des Kreuzessymbols statt: als Zeichen seiner Auferstehung und der Hoffnung auf das ewige Leben in der Versöhnung mit Gott.

Das Kreuz hat nichts mit Bayern zu tun

Das Kreuz kann also gar nicht die Werte des Freistaats Bayern symbolisieren, denn einerseits ist es das Symbol der Auferstehung und nicht eines Landes, von dem vor 2000 Jahren noch gar keine Rede sein konnte; und andererseits sind gerade die Werte, die es tatsächlich symbolisiert – die bedingungslose Hingabe an den Nächsten – nicht die Werte, die in Bayern zurzeit vorgelebt werden, wie wir an dieser Stelle schon oft kritisiert haben.

Eine lange Tradition des politischen Missbrauchs

Die CSU reiht sich mit ihrem Missbrauch des Kreuzes allerdings in eine lange Tradition der politischen Umdeutung religiöser Symbolik ein: römische, byzantinische, deutsche und russische Kaiser pressten das Kreuz auf ihre Urkundensiegel, ihre Wappen und ihre Fahnen, um ihren „gottgewollten“ Herrschaftsanspruch zu legitimieren – genauso wie heute die CSU.

Am fatalsten in der Flüchtlingsdebatte ist jedoch die unglückliche Rolle, die das Kreuz im Mittelalter spielte: als das Feldzeichen, unter dem die Kreuz-Zügler in den „Heiligen Krieg“ gegen die „Ungläubigen“ zogen.
In der aufgeladenen Debatte über islamischen Fundamentalismus wird oft vergessen, dass es auch einen christlichen Fundamentalismus gab (und zum Beispiel in den USA heute noch gibt). Unter dem Zeichen des Kreuzes zogen damals Heerscharen von Europäern in den religiös motivierten Kampf gegen das Osmanische Reich – heute würde man von „Terrorismus“ sprechen. Kann in der Begegnung mit Muslimen das Kreuz angesichts dieses historischen Traumas als Mittel der Versöhnung dienen?

Die Vorschläge der CSU sind Wahlkampf, denn weder lösen sie die dringenden Herausforderungen der Integration noch tragen sie zum interreligiösen Dialog mit dem Islam bei. Es ist bezeichnend, dass im Landtag ausgerechnet eine Politikerin der Grünen darauf hinweisen musste: „Das Kreuz ist das Symbol des gekreuzigten und wieder auferstandenen Jesus und als solches das zentrale Symbol des Christentums. Dort steht das Kreuz für die Hoffnung auf Erlösung. Bei Ihnen steht das Kreuz für die Hoffnung auf Mehrheiten.“

Buchtipp:

Eine erschöpfende Religionsgeschichte des Christentums mit der Perspektive zum ökumenischen und interreligiösen Dialog bietet das Buch „Das Christentum“ des Tübinger Theologen Hans Küng.

Hinweis:

Dieser Kommentar gibt ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Diese entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der Unterstützergruppe „Asyl/Migration Dillingen a.d.D.“ e. V., ihres Vorstandes oder ihrer Mitglieder.

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