Gemischt. Genauso wie beim Thema Spracherwerb gibt es Flüchtlinge, die sich besonders leichttun und sogar in der Öffentlichkeit auftreten, und solche, die sich schwerer tun. Das möchten wir auch keineswegs verschweigen.

Besonders große Probleme bestehen bei den Themen Wohnen und Familie.
Im Bereich Wohnen gibt es Flüchtlinge, insbesondere solche aus Syrien, denen es schwerfällt, den mit der Flucht verbundenen Status- und Einkommensverlust zu akzeptieren und beispielsweise in einer kleineren Wohnung zu leben, als sie es aus Syrien gewöhnt waren. Auch haben einige ein Problem damit, in Randlagen zu wohnen und den öffentlichen Nahverkehr nutzen zu müssen.
Im Bereich Familie sind es die patriarchalischen Strukturen, welche in vielen Herkunftsländern bestehen und aus denen sich einige Flüchtlinge erst lösen müssen.
Grundsätzlich gilt für uns: unsere Hilfe basiert auf Gegenseitigkeit. Wer nicht bereit ist, sich zu integrieren, kann auch nicht mit unserer Unterstützung rechnen – und Straftaten, die uns bekannt werden, bringen wir natürlich konsequent zur Anzeige.

Dies kann jedoch auch eine Chance sein: zum Dialog zwischen „entwickelten“ und „weniger entwickelten“ Ländern und zur Triebfeder sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts in den Herkunftsländern, wenn Flüchtlinge, die länger in Deutschland lebten, wieder dorthin zurückkehren. So gibt es auch einige Erfolge zu verzeichnen: der Frauentreff beispielsweise dient dem Austausch unter den Frauen und wird gut angenommen. Einige Flüchtlinge beteiligen sich am öffentlichen Leben in Dillingen, zum Beispiel bei der Feuerwehr oder beim jährlichen Kreuzweg. Das Projekt Come on bewahrt Flüchtlinge, denen die Arbeitserlaubnis verweigert wurde, vor Einsam- und Perspektivlosigkeit.
Bei all diesen Aktivitäten findet gleichzeitig auch eine Wertevermittlung statt. Wir fordern selbstverständlich ein, dass Flüchtlinge die Grundwerte des Grundgesetzes einhalten. Dazu gehören besonders die Gleichheit von Mann und Frau und die Religionsfreiheit. Aber Werte sind nichts, was man in Integrationskursen verordnen oder durch Tests erfassen könnte. Werte müssen vorgelebt werden, und dafür brauchen Flüchtlinge Orte, an denen sie Kontakt zur Zivilgesellschaft aufnehmen könnte.

Wie es sich wirklich anfühlt, auf Dauer in einem vollkommen fremden Land zu leben, kann wohl nur nachvollziehen, wer bereits selbst eine solche Erfahrung gemacht hat, beispielsweise bei einem Schüleraustausch oder einem beruflichen Auslandsaufenthalt. Dabei gilt: die Vorstellung von Integration als Einbahnstraße führt in die Sackgasse. Anpassen und verändern muss sich auch die aufnehmende Gesellschaft. In Deutschland denken wir da zum Beispiel an verkrustete Behördenstrukturen, deren Sinn oft wir Deutschen selbst nicht einmal mehr durchschauen. Hier ist statt deutscher Gründlichkeit etwas mehr deutsche Flexibilität notwendig, wie sie auch Angela Merkel auf dem Höhepunkt der „Flüchtlingskrise“ anmahnte. Und das würde dann allen helfen: den Flüchtlingen und den Einheimischen.

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