In den ersten drei Monaten seines Aufenthalts darf grundsätzlich kein Asylbewerber in Deutschland arbeiten, sofern sie in Aufnahmeeinrichtungen untergebracht sind, sogar die ersten sechs Monate nicht. Sie können allerdings bereits in dieser Zeit von Kommunen sowie Körperschaften des öffentlichen Rechts zu sogenannten 0,80-€-Jobs herangezogen werden. Für Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft, sollen gemäß dem Bundesintegrationsgesetz 100.000 gemeinnützige Jobs geschaffen werden. Auch sie erhalten nur 0,80 Euro pro Stunde. Nach drei Monaten ist grundsätzlich ein Beschäftigungsverhältnis möglich, eine Ausnahme sind Asylbewerber aus sogenannten "sicheren Herkunftsstaaten" oder Südosteuropa. Diese erhalten zurzeit keine Arbeitserlaubnis von den Ausländerbehörden.

Unsere Bemühungen, möglichst viele Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung zu bringen, zeigen mittlerweile Früchte: zurzeit sind ca. 40 % aller in Dillingen lebenden Flüchtlinge in Arbeit oder Ausbildung. Die Flüchtlinge sind grundsätzlich hoch motiviert und wollen dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Zahlreiche Unternehmen vor Ort zeigen sich offen und freuen sich über den dringend benötigten Arbeitskräftenachschub in Mangelberufen wie Alten- und Krankenpflegehelfer, Metzgerei, Logistik oder Gastronomie.

In vielen Fällen scheitert es also nicht am Willen der Flüchtlinge oder der Arbeitgeber, sondern am Willen der Behörden. Zwar wurde sie sogenannte Vorrangigkeitsprüfung mittlerweile abgeschafft, doch insbesondere in Bayern werden Arbeitsgenehmigungen an Asylbewerber und sogenannten Geduldete (Flüchtlinge, deren Asylantrag rechtkräftig abgelehnt und deren Abschiebungen noch nicht durchgeführt wurde bzw. aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sind) nur sehr zögerlich vergeben. Ein entscheidendes Kriterium in Bayern ist der Nachweis der Identität, die oft mangels entsprechender Dokumente nicht belegt werden kann. Berufsintegrationsklassen dürfen allerdings auch von nicht Anerkannten an den Berufsschulen in Höchstädt und Lauingen besucht werden.
Die sogenannte 2+3-Regelung (§ 60a Aufenthaltsgesetz) besagt eigentlich, dass ein Flüchtling, dessen Asylantrag abgelehnt wurde, eine Ausbildung bis zu drei Jahren plus zwei Jahre Beschäftigung in diesem Beruf absolvieren kann. Allerdings wird dies von den zuständigen Ausländerbehörden sehr restriktiv behandelt. Der vom bayrischen Innenministerium angeblich zugestandene Ermessensspielraum wird nach unserer Einschätzung nur selten für positive Ergebnisse genutzt.
Das Ergebnis: beschäftigungslose Jugendliche, die in Kriminalität abzurutschen drohen, und Unternehmen, deren Azubis nach Afghanistan abgeschoben werden. Die bayerische Asylpolitik schafft die Probleme selbst, die sie zu bekämpfen vorgibt. Selbst ein abgeschobener Flüchtling steht besser da, wenn er zuvor eine Ausbildung erhalten hat: so kann er sich in seiner Heimat etwas Neues aufbauen und macht sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit erneut auf den Weg.
Wir haben auf die Gefahren dieser Politik mehrmals öffentlich hingewiesen, unter anderem mit der Aktion „Lasst sie arbeiten!“, doch die Politik will sie nicht hören.

Wir versuchen, so viele Stellen wie möglich für Asylbewerber zu finden. Auch wenn es bei den Arbeitgebern oft Vorbehalte gibt, sind die Flüchtlinge grundsätzlich hoch motiviert und wollen auf jeden Fall arbeiten. Früher galt bis zum 15. Aufenthaltsmonat noch die Vorrangigkeitsprüfung: EU-Ausländer hatten Vorrang bei der Besetzung eines Arbeitsplatzes. Dieses Hindernis ist im Bereich der Arbeitsagentur Donauwörth, zu der auch Dillingen gehört, ausgesetzt.

Umso wichtiger ist es daher, für Abwechslung zu sorgen, sei es durch regelmäßige Besuche, gemeinsames Kochen und Essen oder durch Mitgliedschaften in Sportvereinen. Hinzu kommen unsere Integrationsprojekte: der Sprachtreff, der Frauentreff und die integrative Fußballmannschaft. Für Flüchtlinge, denen die Arbeitserlaubnis entzogen bzw. Anträge auf Erteilung abgelehnt wurde, führen wir zusammen mit der Asylsozialberatung das Projekt „Come on“ durch. Jedwede dieser Tätigkeiten, egal ob es eine Arbeit oder eine Freizeitbeschäftigung ist, fördert dabei den Spracherwerb und damit die Integration.

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