Wir feierten unser Jubiläums-Rundgespräch mit dem Film „Asyland“

Der Film führte den zahlreichen Besuchern im Katholischen Kirchenzentrum St. Ulrich am 25. April 2017 deutlich vor Augen, dass Integration mehr ist als Formulare ausfüllen und sich als Flüchtling möglichst ruhig zu verhalten. Eindringlich stellten vier Asylbewerber, untergebracht in Mönchengladbach, Stuttgart und Berlin ihr Leben mit all den täglichen Herausforderungen dar. Immer wieder war zu erkennen, dass die Suche nach Arbeit im Mittelpunkt steht. Deutlich wurde aber auch, wie die Wartezeiten auf Bescheide an den Nerven zehren.

In der anschließenden Fragerunde erläuterte Oberregierungsrat Peter Alefeld vom Landratsamt Dillingen, dass die Unterbringung in dezentralen Unterkünften sich vorteilhaft auf das Leben der Flüchtlinge ausgewirkt habe. Fauzia aus Afghanistan, seit über drei Jahren in Deutschland, geduldet aufgrund eines Abschiebeverbots durch das BAMF, schilderte ihr bisheriges Leben als Flüchtling und dankte für die Möglichkeiten, die ihr nunmehr geboten werden. Sylvester aus Nigeria erzählte von den Differenzen in den Unterkünften, insbesondere wenn es darum geht, Ordnung und Sauberkeit in den gemeinschaftlich genutzten Räumen wie Küche und Nassraum sicherzustellen. Abdulrahman, ehemals Dozent an der Universität Damaskus, hat gerade seinen Integrationskurs hinter sich und ist jetzt, wie er sagte, „arbeitslos“. Er wohnt mit seiner Familie in Dillingen und nahm die Veranstaltung zum Anlass, Deutschland und gerade den Unterstützern für die Aufnahme und Begleitung zu danken.

Die Mitglieder unserer Gruppe, die zu Wort kamen, hatten wieder einmal als Hauptkritikpunkt den „Bürokratismus“. Dieser koste wertvolle Zeit, die dann für Integrationsmaßnahmen fehle, so Helferin Traudl Bauer. Jüngstes Beispiel ist die bereits bekannte Diskussion um die Unterkunftsgebühren, die mit für Deutschlehrer völlig unlesbaren Bescheiden zugestellt werden. Im Zeitalter der Vernetzung hätten wir uns hier eine direkte Abwicklung über die Behörden vor Ort gewünscht.

Erika Lüters, die zu unserem „Urgestein“ gehört, schilderte die Anfänge des Deutschunterrichts. Hier seien gerade für Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit, positive Veränderungen durch die Kurse beim bfz und bib eingetreten. Probleme gebe es aber bei Flüchtlingen aus Staaten mit „geringer Bleibewahrscheinlichkeit“: hier seien sowohl die Hürden für Deutschunterricht als auch für Arbeit zu groß, kritisierten wir einmütig. Auch wenn Einzelprüfungen erfolgen, würden die Vorgaben in Bayern sehr restriktiv durchgesetzt.

Die vorhandenen Möglichkeiten beim Thema „Arbeit“ stellte Michael Brodbeck vom bfz in einem Vortrag vor. Er wird Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit auf dem Weg zu einer Beschäftigung, aber auch gerade zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses beraten.
In diesem Zusammenhang muss auch auf die von Landrat Leo Schrell und der ehrenamtlichen Unterstützergruppe initiierte Jobbörse hingewiesen werden. Leider hat sie bei den Firmen noch nicht die notwendige Beachtung gefunden.
Georg Schrenk, unser Koordinator und Vorsitzender der Unterstützergruppe nahm die Veranstaltung auch zum Anlass, Erika Lüters, die ihren 75. Geburtstag feierte, mit einem Blumenstrauß zu ehren. Er wies auch auf die Geschichte der Rundgespräche hin und stellte fest, dass man scheinbar in der Öffentlichkeit kaum registriert hätte, dass hier alle sechs Wochen eine Veranstaltung mit zwischen 50 und 100 Teilnehmern, auch mit namhaften Referenten durchgeführt würde. Erfreut war er, dass beim 20. Rundgespräch auch viele Flüchtlinge anwesend waren.

Die große Überraschung des Abends war aber der Dank für Schrenk selbst: seine Stellvertreterin Jutta Libicher ergriff das Wort: „Ohne Dich hätten wir es in Dillingen nie so gut geschafft, all diese Herausforderungen zu bewältigen“, sagte sie laut Redemanuskript. „Du setzt Deinen Bekanntheitsgrad, deine Beziehungen, dein persönliches Engagement ein, um den Flüchtlingen zu helfen.“ Daher habe der Vorstand beschlossen, ihn mit einem kleinen Präsent zu ehren, woraufhin Libicher dem Oberst a.D. einen Essensgutschein für ein Mittagessen mit seiner Frau überreichte.

Georg Schrenk wurde zum Abschluss nicht müde, auf die kommenden Herausforderungen hinzuweisen: So werde, wenn sich zwei Ehrenamtliche fänden, das Projekt „Fußballmannschaft“, für das der Kasernenkommandant der Luitpoldkaserne den Sportplatz einmal wöchentlich bereitstellt, wieder aktiviert. Darüber hinaus ist eine öffentliche Veranstaltung zum Thema: „Integration – überhaupt gewollt? Sachstand und Herausforderungen!“ geplant. Wir wollen damit auch nach dem 20. Rundgespräch weiter im Dialog mit der Öffentlichkeit bleiben.

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