Am 23. November fand im Kath. Pfarrzentrum St. Ulrich das 17. Rundgespräch statt. Mit dabei: Dr. Georg Strasser, Vorsitzende des Sprecherrates der ehrenamtlichen Arbeitsvermittler für Flüchtlinge im Landkreis Starnberg sowie Irene Stürze von der Leitung der Arbeitsagentur Donauwörth, Michael Müller, der Leiter des JobCenters Dillingen und Oberregierungsrat Peter Alefeld vom Landratsamt Dillingen. Unser 1. Vorsitzender und Koordinator Georg Schrenk fasst den Verlauf des Abends zusammen.

 

In meiner Einführung wies ich darauf hin, dass wir Ehrenamtlichen in Dillingen schon eine beachtliche Anzahl von Flüchtlingen in Arbeits- und Ausbildungsstellen aufgrund persönlicher Beziehungen zu potentiellen Arbeitgebern gebracht haben. Wir sind allerdings überzeugt, dass dies durch eine landkreisübergreifende Arbeitsgruppe in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden deutlich effizienter werden kann. Nach einigen grundsätzlichen Erläuterungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Flüchtlinge erläuterte nach mir Dr. Georg Strasser die Arbeit der Starnberger Gruppe. Ihr gelingt es seit Januar 2016, monatlich zwischen 20 und 50 Arbeits- und Praktikumsstellen zu vermitteln. Dazu haben die ehrenamtlichen Arbeitsvermittler ein Netzwerk eingerichtet, aus dem unter anderem akquirierte Stellen ersichtlich sind. Dass Betriebe diese Stellen nicht nur der Agentur für Arbeit, sondern auch den Ehrenamtlichen mitteilen, wird dort in besonderer Weise durch den Landrat gefördert, der mit einem Flyer alle Firmen zur Unterstützung aufgefordert hat. Alle Flüchtlinge, die für eine Arbeit in Frage kommen, werden mit dem Erfassungsbogen der Arbeitsagentur erfasst, mit Unterstützung des Helferkreises wird dann ein Integrationsplan erstellt. Danach werden offene passende Stellen gesucht und die Flüchtlinge bei der Abfassung von Bewerbungsschreiben unterstützt. Wenn das Ausländeramt der Arbeitsaufnahme zugestimmt hat, gehen die Unterlagen zur Agentur für Arbeit. Kommt ein Arbeitsverhältnis zustande, erfolgt notwendiges Coaching durch Ehrenamtliche. Im Zusammenhang mit Ausbildung, Bildung und Arbeit wies Dr. Georg Strasser besonders auf Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen (FIM) hin. Sie tragen dazu bei, Flüchtlinge an die Berufswelt bei uns heranzuführen. Hier ergeben sich gute Möglichkeiten, die von Kommunen, sozialen Einrichtungen und anderen Stellen, deren Förderungswürdigkeit anerkannt ist, genutzt werden könnten. Besonders attraktiv macht diese FIMs die Bereitstellung von 250 Euro monatlich an die jeweilige Organisation. Allerdings sollte hier nicht verschwiegen werden, dass derart eingesetzte Flüchtlinge lediglich je Stunde 0,80 € erhalten, die allerdings bei den Sozialleistungen nicht abgezogen werden.

Hier forderte Irene Stürze von der Arbeitsagentur Donauwörth mögliche Träger auf, diese Chance zu ergreifen. Im Weiteren stellte Dr. Georg Strasser die Arbeitsmittel seiner Starnberger Gruppe, darunter die Jobdatenbank, vor. Abschließend erfolgte eine Information über die Matrixorganisation der dortigen Helferkreise mit Fachkreisen „Jobguides“ und „Familienpaten“ sowie Fachteams zu den Themen Alltag, Bildung, Beschäftigung, Dorfintegration und Recht. Allerdings muss dabei bedacht werden, dass im Landkreis Starnberg die Flüchtlinge grundsätzlich in größeren Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, während sie im Landkreis Dillingen in vielen dezentralen Unterkünften wohnen.

Es folgten Fragen von Ehrenamtlichen insbesondere an die Adresse des anwesenden Leiters des JobCenters. Warum wird eine Familie nicht von einem Bearbeiter, sondern von unterschiedlichen bearbeitet oder warum tragen die Beschäftigen keine Namensschilder, obwohl dies vorgeschrieben ist? Der Leiter des JobCenters beantwortete die Fragen aus seiner Sicht, konnte allerdings nicht immer alle Erwartungen erfüllen. Es gab auch eine Diskussion zur Frage der Nichtgenehmigung von Anträgen auf Arbeit oder Ausbildung für Flüchtlinge mit geringer Bleibewahrscheinlichkeit. Ingrid Stürze von der Arbeitsagentur Donauwörth konnte dazu nur auf die Weisungslage des Bayerischen Innenministers verweisen - eine Weisung, die, so zeigen auch die Diskussionen in Medien, die Möglichkeiten des Bundesintegrationsgesetzes konterkariert. Gerade die Tatsache, dass zum Beispiel zum Altenpflegehelfer ausgebildete Flüchtlinge, eine Ausbildung zum Altenpfleger nicht durchführen dürfen, wenn von den Ausländerbehörden Maßnahmen zur Abschiebungsvorbereitung eingeleitet sind, ist bei Mangelberufen nicht nachvollziehbar.

Am Schluss dankte ich Georg Strasser für seine Informationen und sagte dann an die Adresse des anwesenden Vertreters von Oberbürgermeister Frank Kunz, Stadtrat Walter Fuchslugger, dass wir keine Ehrenamtlichen mehr zur Verfügung haben, um die Flüchtlinge entsprechend zu betreuen oder sich gar neuer Flüchtlinge anzunehmen. Ich erwarte, dass von Seiten der Stadt Dillingen neue Ehrenamtliche geworben werden.

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