Zweite Infoveranstaltung für Flüchtlinge/Klare Ansage: Integration braucht Regeln

Ein ausgestreckter Mittelfinger, eine Faust und eine Pistole. Darüber: ein rotes Kreuz. Die Piktogramme sind durchgestrichen, „verboten“ soll das heißen. Die nächste Folie: die Deutschlandflagge, daneben Richter, Staatsanwälte und Polizisten. Nur der Staat darf in Deutschland Gewalt ausüben und Verbrecher bestrafen. Selbstjustiz ist nicht erlaubt.

Nicht nur das Gewaltmonopol und der Rechtsstaat, auch viele andere Themen von der Religionsfreiheit bis zur Mülltrennung sind wichtig für Flüchtlinge, die sich in Deutschland integrieren wollen.
„Wir können nicht für euch die Großmutter spielen“, legte uns Notker Wolf bei seinem Besuch vor einem Monat als Botschaftfür die von uns betreuten Flüchtlinge ans Herz.
Konkret sieht das so aus: schon zum zweiten Mal in diesem Jahr haben sich am 28. Oktober 2017 rund 50 Flüchtlinge und ihre Helfer im Kath. Kirchenzentrum St. Ulrich versammelt, um alles zu lernen, was es fürs Leben in Deutschland braucht.

Anhand von verschiedenen Mülleimern wird die Mülltrennung spielerisch erklärt.
Auch die Mülltonne gehört dazu: spielerisch wurde erklärt, wie Mülltrennung funktioniert.

Dabei sind wir nicht naiv. Wir sind uns bewusst: einige Schutzsuchende tun sich schwer mit der Integration. „Stellen Sie keine Ansprüche, seien Sie bescheiden!“, warnte daher auch Georg Schrenk, unser 1. Vorsitzender und Koordinator. Und auch Dieter Kogge, der Hausmanager des Landratsamtes Dillingen, stimmte mit ein: die Flüchtlinge sollten nicht leichtfertig Wohnungen ablehnen und WGs bilden. Momentan suchten 500 Geflüchtete mit Anerkennung im Landkreis eine Wohnung.
Doch wir Helfer glauben, dass jeder Flüchtling eine Chance hat. Schrenk zeigt sich im Nachgang der Veranstaltung optimistisch: „Ich glaube, die Regeln für das Zusammenleben sind deutlich geworden“. Er bedauerte nur, dass einige Familien gar nicht vertreten waren, aber er könne schließlich auch niemanden zum Besuch unserer Angebote zwingen. Immerhin, die meisten Teilnehmer konnten schon genug Deutsch, um den Vorträgen ohne Übersetzer zu folgen, und die ersten Flüchtlinge arbeiten schon im Projekt „Flüchtlinge helfen Flüchtlingen“ des Vereins mit. Er machte deutlich: wir werden auch weiter von unseren Schützlingen volle Integrationsbereitschaft fordern – ansonsten ist mit unseren Hilfe nicht zu rechnen. Damit auch in Zukunft der Mittelfinger und die Faust rot durchgestrichen bleiben.

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