Wir waren überrascht: der Dillinger Stadtsaal war gut besetzt, als unser Koordinator Georg Schrenk die Gäste begrüßte. Da traf man auf Flüchtlinge, auf Helfer und auch auf Einheimische, wissbegierig und gespannt auf ein abwechslungsreiches Programm am „Nachmittag der Kulturen“. „Kultur ist nicht statisch. Unsere Vorfahren hatten noch ein ganz anderes Verständnis von Kultur!“, erinnerte Schrenk bei der Begrüßung. Man dürfe den Begriff „Kultur“ nicht auf Einzelheiten wie den Kopftuchstreit, das Freitagsgebet oder die Verweigerung des Handschlags reduzieren. „Ich amüsiere mich immer über die Kopftuchdiskussion. Meine Großmutter trug vor 55 Jahren immer Kopftuch, wenn sie aus dem Haus ging“. Veränderungen, so Schrenk, brauchten ihre Zeit. Integration als Prozess, bei dem aus unserer Sicht ganz klar die Werte des Grundgesetzes wie die Gleichheit von Mann und Frau, die unveräußerliche und unantastbare Menschenwürde und die Trennung von Staat und Kirche vorne stehen.

So etwas könne man nicht von der Kanzel aus vermitteln, so etwas müsse man vorleben. Zum Beispiel eben beim Nachmittag der Kulturen, eine weitere von uns geschaffene Möglichkeit zur Begegnung und zum Austausch zwischen Bürgern, Helfern und Flüchtlingen. Den Auftakt machte die Gruppe „west-östlicher Divan“ aus Gundelfingen mit ihrer Flötenmusik. Dazu addierte sich der Chor der Begegnung. Ein Beweis dafür, dass Musik eine universale Sprache der Menschheit ist.

Der "west-östliche Divan"

 

Doch aus welchen Ländern kommen eigentlich diese Menschen? Zu wenig erfahren wir über die Tagespresse. Einen lebendigen Eindruck gab Familie Rahimi mit ihrem Kurzfilm „Flucht aus Afghanistan“ sowie Jamal Antar aus Syrien mit seiner Bilddokumentation, die auch auf die Zustände in östlichen EU-Mitgliedsstaaten wie Bulgarien einging. Informationen aus erster Hand, die zeigten, dass in diesen Ländern von „subsidiärem Schutz“ unter Einhaltung der Menschenwürde keine Rede sein kann.
Ergänzt wurden die Informationen aus den Herkunftsländern durch die Fluchtgeschichte des Eritreers Eshetu Momoe und die diversen Infostände der Helfer. Ein besonderes Highlight waren dabei sicher die vielen Speisen aus aller Welt, welche die interessierte Öffentlichkeit begeistert verkostete. Zu unserer eigenen Arbeit standen verschiedene unserer Helfer Rede und Antwort.

Als der Nachmittag der Kulturen zu Klängen von Klaviermusik, meisterhaft gespielt von Beatrice Jonietz zu Ende ging, konnte der Koordinator Georg Schrenk feststellen, dass trotz des reichhaltigen Veranstaltungsangebots des Wochenendes manch Einheimische den Weg in den Stadtsaal gefunden hatten. Denn nur wer sich informiert, kann mitreden, und sich den üblichen Stammtischäußerungen entgegenstellen. Schrenk wünschte sich einzig und allein einmal mehr, dass auch Politiker, Lehrer und Schüler zu der Veranstaltung gekommen wären.

Wir danken an dieser Stelle allen Beteiligten und Engagierten, die diesen Nachmittag möglich gemacht haben. Wir danken Beatrice Jonitez, die spontan für die verhinderte CdB-Leiterin Barbara Flierl-Leiterin eingesprungen ist, und allen Helfern. Unser ganz besonderer Dank gilt dem eigentlichen Kopf hinter dem „Nachmittag der Kulturen“, Rebekka Jähnig, welche die gesamte Veranstaltung inhaltlich und konzeptionell geplant hat.

Wir weisen darauf hin, dass solch ein Nachmittag nur durch das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher, auch der nicht genannten, möglich wird. Wer immer uns dabei unterstützen möchte, ist herzlich willkommen!

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