Warum haben viele Asylbewerber ein Smartphone?

Oftmals hatten die Flüchtlinge bereits vor ihrer Flucht ein Smartphone besessen. Dies wurde ihnen während der Flucht abgenommen oder es musste verkauft werden, um die Schlepper zu bezahlen. Die Handys wurden also erst in Deutschland von ihrem Taschengeld gekauft, über das sie frei verfügen können.

Da die Festnetz-Telefonnetze in vielen Herkunftsländern, vor allem in Afrika, praktisch nicht vorhanden sind, ist das Handy oftmals die einzige Möglichkeit, mit den Eltern, Verwandten, Kindern und Freunden zuhause in Kontakt zu bleiben. Diese Gespräche sind sehr teuer, da die Telefongesellschaften keinen Vertragsabschluss zulassen. Somit sind die Asylbewerber auf Prepaid-Karten angewiesen, die sie selbst bezahlen. Daher beschränkt sich der Kontakt oftmals auf das Nötigste.

Des Weiteren nutzen unsere Asylbewerber das Smartphone, um mit unseren Paten, Deutschlehrern und Helfern in ganz Deutschland in Kontakt zu bleiben. Die Organisation von Behördengängen, Deutschkursen oder einfach nur der alltäglichen Hilfe ist oft nicht anders möglich. Außerdem wurden die Flüchtlinge nach der Ankunft in Zwischenlager in ganz Deutschland ohne Rücksicht auf Freundschaften und verwandtschaftliche Beziehungen verteilt. Da eine Zusammenführung nur selten genehmigt wird, ist das Handy das Kommunikationsmittel der Wahl. Insbesondere mithilfe von sozialen Netzwerken wie Facebook können die oftmals auf der ganzen Welt zerrissenen Familien untereinander in Kontakt bleiben.

Nicht zu vergessen ist schließlich die Rolle, die moderne Smartphones beim Erlernen der deutschen Sprache spielen können: inzwischen gibt es unzählige Apps, vom Vokabeltrainer bis zum Grammatiklexikon, die vielen Asylbewerbern helfen, sich leichter, schneller und auf eine andere Art und Weise Deutschkenntnisse anzueignen. Deutsch auf dem Smartphone kann niemals den echten Deutschunterricht ersetzen, aber eine interessante Ergänzung sein und selbstständiges Lernen fördern.

Und zu guter Letzt muss man sagen: die Asylbewerber sind zumeist junge Männer. Wer möchte es ihnen verdenken, wenn sie sich für Technik interessieren?

 

Warum arbeiten nicht alle Asylbewerber?

In den ersten drei Monaten seines Aufenthalts darf kein Asylbewerber in Deutschland arbeiten. Sie können allerdings bereits in dieser Zeit von Kommunen sowie Körperschaften des öffentlichen Rechts zu sogenannten 1,05 € Jobs herangezogen werden. Für Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft, sollen gemäß dem Bundesintegrationsgesetz 100.000 gemeinnützige Jobs geschaffen werden – ähnlich der Ein-Euro-Jobs für Hartz-IV-Empfänger. Allerdings erhalten die Flüchtlinge nur 0,80 Euro pro Stunde. Nach drei Monaten ist grundsätzlich ein Beschäftigungsverhältnis möglich, eine Ausnahme sind Asylbewerber aus sogenannten sicheren Staaten oder Südosteuropa. Diese erhalten zurzeit keine Arbeitserlaubnis von der Agentur für Arbeit. Lediglich für Staatsangehörige aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien kann bis 2020 eine Beschäftigungserlaubnis erteilt werden. Hierzu muss im Herkunftsland ein Antrag an die deutsche Vertretung gestellt werden. Die Zustimmung wird allerdings nicht erteilt, wenn die Person in den letzten 24 Monaten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bezogen hat.

Wir versuchen, so viele Stellen wie möglich für Asylbewerber zu finden. Auch wenn es bei den Arbeitgebern oft Vorbehalte gibt, sind die Flüchtlinge grundsätzlich hoch motiviert und wollen auf jeden Fall arbeiten. Früher galt bis zum 15. Aufenthaltsmonat noch die Vorrangigkeitsprüfung: EU-Ausländer hatten Vorrang bei der Besetzung eines Arbeitsplatzes. Dieses Hindernis ist im Bereich der Arbeitsagentur Donauwörth, zu der auch Dillingen gehört, ausgesetzt.

Eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle zu finden ist zurzeit für alle Flüchtlinge aus Staaten mit einer Bleibewahrscheinlichkeit von 50 % und weniger aufgrund gesetzlicher Vorgaben, aber auch durch Verordnungen der Bayerischen Staatsregierung, sehr schwierig. Für uns als Unterstützerkreis ist es daher sehr wichtig, für Arbeit und auch für Abwechslung zu sorgen, sei es durch regelmäßige Besuche, gemeinsames Kochen und Essen oder durch Mitgliedschaften in Sportvereinen. Hinzu kommen unsere Integrationsprojekte: der Sprachtreff, der Chor der Begegnung und die integrative Fußballmannschaft. Jedwede dieser Tätigkeiten, egal ob es eine Arbeit oder eine Freizeitbeschäftigung ist, fördert dabei den Spracherwerb und damit die Integration.

Nehmen die Flüchtlinge den Deutschen die Arbeitsplätze weg?

Ganz klar: nein. Im Gegenteil sogar: die Flüchtlinge werden gebraucht und schaffen teils sogar neue Arbeitsplätze. Aufgrund des demographischen Wandels, der Überalterung der Bevölkerung und der zunehmenden Akademisierung der Bildung (immer mehr Studenten, immer weniger Azubis) herrscht in einigen Berufen wie Koch oder Kranken-/Altenpfleger bereits jetzt ein Fachkräftemangel, der wegen der extrem niedrigen Geburtenrate von gut 1,4 Kindern pro Frau momentan nur durch ausländische Arbeitskräfte gefüllt werden kann. Bereits jetzt wären die deutschen Sozialsysteme ohne ausländische Zuwanderer zusammengebrochen, da ein ausländischer Arbeitnehmer im Laufe seines Lebens mehr in die Sozialsysteme einzahlt, als er daraus wieder erhält.[1] Hinzu kommt der interessante wirtschaftliche Effekt, dass Flüchtlinge, egal ob anerkannt oder nicht, auch Konsumenten sind. Je mehr Flüchtlinge, desto höher der Binnenkonsum. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, müssen Unternehmen mehr Arbeitskräfte einstellen, um mehr Konsumgüter herstellen zu können.[2]

Darüber hinaus wies die Wochenzeitung DIE ZEIT darauf hin, dass Migranten bessere und häufigere Unternehmensgründer sind als Deutsche[3]. 21 Prozent der Unternehmensgründungen im Jahr 2013 stammten demnach von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Und während unter einheimischen Gründern nur drei von zehn Jungunternehmern von Beginn an Arbeitskräfte einstellen, sind es unter Migranten vier von zehn.
Zum gleichem Ergebnis kam im Januar 2016 eine Studie der kfw-Förderbank: demnach habe jeder fünfte Gründer in Deutschland ausländische Wurzeln oder eine ausländische Staatsbürgerschaft, und die jährliche Gründerquote liege bei ausländischen Gründern um ein Zehntel höher als bei Einheimischen.[4]

Zuwanderung ist also sogar wirtschaftsfördernd. Unsere Überzeugung ist daher, dass die Aufnahme von Flüchtlingen zuerst zwar ein Zuschussgeschäft für den Staat sein mag, sich aber später, wenn der Flüchtling anerkannt wird und zu arbeiten beginnt, durch Steuereinnahmen, Sozialabgaben, demographische Rendite, Förderung des Binnenkonsums und Unternehmensneugründungen mehr als bezahlt macht. Diese positiven Effekte kommen jedoch nicht von allein. Ihnen entgegen stehen oft eine überbordende Bürokratie und sprachliche Hindernisse. Deswegen ist an dieser Stelle vor allem der Staat gefordert, anerkannte Flüchtlinge schnellstmöglich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, nach dem Motto: jetzt fördern, danach davon profitieren. Diese staatlichen Angebote wurden in letzter Zeit insbesondere für Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit massiv ausgebaut. Wir tragen mit unseren Sprachkursen unseren Teil dazu bei, auch wenn dies eigentlich ebenfalls Aufgabe des Staates wäre (siehe dazu auch die Frage „Wie wichtig sind Deutschkenntnisse für eine gelungene Integration, auch auf dem Arbeitsmarkt? Und was tut der Staat dafür?“).


 

[2] Elisabeth Niejahr und Mark Schieritz: „Retten Flüchtlinge unsere Rente“?, in: Josef Joffe, Helmut Schmidt  (+) (Hrsg.): DIE ZEIT. Ausgabe 33. Hamburg 13. August 2015, S. 22

[3] Jens Tönnesmann: „Deutschlands Chance“, in: Josef Joffe, Helmut Schmidt (+)  (Hrsg.): DIE ZEIT. Ausgabe 40. Hamburg 1. Oktober 2015, S. 24

 

 

Was ist das Dublin-II/III-Verfahren und warum ist es so umstritten?

Nach dem sogenannten Dublin-II/III-Abkommen muss jeder Flüchtling seinen Asylantrag in dem europäischen Land stellen, in dem er zuerst registriert worden ist bzw. seinen Fingerabdruck abgegeben hat. Sollte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bei der Prüfung des Asylantrags feststellen, dass der Antragsteller bereits in einem anderen EU-Land registriert wurde, so wird er in dieses zurückgeschoben. Findet diese Zurückschiebung nicht innerhalb von sechs Monaten statt, wird das Asylverfahren grundsätzlich bei uns durchgeführt.

Unabhängig davon ist dieses System sehr zum Vorteil der Mitgliedsstaaten ohne EU-Außengrenze, darunter vor allem Deutschland und die osteuropäischen Länder. Die meisten Flüchtlinge reisen derzeit über Italien und Griechenland ein. Diese Länder sind mit der Situation zunehmend überfordert. Vor allem Italien, aber auch die Staaten entlang der Balkanroute haben 2015 zum Teil auf die Registrierung der Flüchtlinge verzichtet und sie in andere EU-Länder ungehindert weiterreisen zu lassen. Viele Staaten Südosteuropas haben danach nicht nur Grenzkontrollen eingeführt, sondern ihre Grenzen mit Stacheldrahtzäunen und Ähnlichem gesichert, um Flüchtlinge abzuhalten bzw. zu kanalisieren. Dadurch ist die Balkanroute fü Flüchtlinge de facto geschlossen. Ein solches Vorgehen schränkt jedoch die Grundfreiheiten der EU, die Reisefreiheit (Freizügigkeit), elementar ein und versetzt uns zurück in den Zustand vor 1990.
Die momentane Regelung führt also einerseits zu Problemen innerhalb der EU, andererseits verschärft sie die humanitäre Lage an den EU-Außengrenzen. Die Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten konnten sich bisher nicht auf einen gemeinsamen Verteilungsschlüssel einigen. So lehnen verschiedene osteuropäische Staaten, wie zum Beispiel Ungarn, Tschechien und Polen die Aufnahme von Flüchtlingen gänzlich ab. Scheinbar hat man dort die Zeiten des „Eisernen Vorhanges“ vergessen. Aus unserer Sicht steht jedoch fest, dass das Mittelmeer nicht zu einem Friedhof werden darf. Zwar haben die Vereinbarungen mit der Türkei dazu geführt, dass kaum noch Flüchtlinge über die Ägäis nach Griechenland kommen, allerdings ist es mehr als fraglich, dass die Flüchtlinge in der Türkei menschenwürdig behandelt werden. Die EU hat den Friedensnobelpreis nicht dafür erhalten, dass an den Außengrenzen wie den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla oder in Ungarn und Mazedonien, ja sogar der Ostgrenze Österreichs wieder Mauern und Grenzzäune errichtet werden. Die EU-Kommission schlug deswegen ein gemeinsames europäisches Asylsystem mit fairen Verteilquoten auf alle Mitgliedsländer vor. Ob diese Pläne jemals realisiert werden können, erscheint angesichts des neuen Nationalismus der Mitgliedsstaaten jedoch leider mehr als fraglich. Zur Lösung der Flüchtlingskrise können nationale Alleingänge aus unserer Sicht nicht beitragen.

Wie gut lernen die Dillinger Asylbewerber Deutsch?

Prinzipiell sind fast  alle Asylbewerber hoch motiviert, die deutsche Sprache zu erlernen, auch wenn sie aus grammatikalischer Sicht eine der schwierigeren Sprachen in Europa ist. Zusätzlich erschwert wird die Situation dadurch, dass manche Asylbewerber weder lesen noch schreiben können oder aus einem ganz anderen Schriftsystem, wie zum Beispiel dem syrischen, kommen. Für diese führen wir auch Alphabetisierungskurse durch.

Ansonsten lässt sich die Situation mit der in jeder deutschen Schulklasse vergleichen: manche Schüler haben sprachliches Talent und echtes Interesse, für andere ist das Erlernen einer Fremdsprache eine ständige, mühsame Herausforderung. Wir halten mit unseren Paten und Deutschlehrern die Flüchtlinge immer dazu an, die Herausforderung Deutsch anzunehmen und nicht aufzugeben. Asylbewerber, die sich der Sprachenausbildung Deutsch komplett verweigern, werden von uns grundsätzlich nicht unterstützt.

Wie kommt der Staat mit der Situation zurecht?

Sowohl die Europäische Union, die Bundesrepublik als Ganzes als auch die Behörden vor Ort sind mit der Situation überfordert - auch, wenn mittlerweile deutliche Verbesserungen eingetreten sind. Nach dem Asylkompromiss in den 90er Jahren wurden allerorten, insbesondere beim federführenden Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), massiv Stellen abgebaut, die nun zur Bearbeitung der immer zahlreicher werdenden Asylanträge fehlen. Inzwischen wurden sie zwar wieder deutlich erhöht, reichen aber immer noch bei Weitem immer nicht aus. Beim BAMF gibt es mittlerweile einen Antragsstau und nach Aussage des Präsidenten Frank-Jürgen Weise müssen 2016 700.000 Anträge bearbeitet werden. Auch wenn im Zuge der neuesten Gesetzesnovellen dem BAMF wesentlich mehr Personal zugeteilt wurde, können Asylverfahren in Deutschland immer noch Jahre dauern – mit allen menschlichen Auswirkungen, denn jede Unsicherheit erschwert oder verhindert eine erfolgreiche Integration. Früher war es staatlicherseits nicht vorgesehen, dass ein Flüchtling bereits vor der Anerkennung Deutsch lernt. Das hat die Integration, insbesondere unter Berücksichtigung der langen Bearbeitungszeiten beim BAMF, ernormst verzögert. Die Bundesregierung hat jedoch mittlerweile auf die zahlreiche Kritik daran, die auch von unserer Seite kam, reagiert, und die sogenannten Integrationskurse für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive geöffnet. Auch die maximale Zahl der Kursteilnehmer wurde von 20 auf 25 erhöht. Die Kurse sollen nun spätestens nach sechs Wochen statt wie bisher erst drei Monaten nach der Anmeldung beginnen. Gerade aber bei den Ethnien mit weniger guten Bleibewahrscheinlichkeit wird der größte Teil der Sprachausbildung immer noch von Ehrenamtlichen geleistet, die damit in eine Lücke, die der Staat hinterlässt, springen. Man muss sich bewusst sein, dass unsere Unterstützung ein Luxus ist, den es nicht überall in Deutschland gibt, wie wir aus Gesprächen mit anderswo in Deutschland verteilten Freunden unserer Asylbewerber wissen. Doch auch ehrenamtliche Strukturen kommen langsam an ihre Grenzen. Unser ehrenamtlicher Koordinator und 1. Vorsitzender, Georg Schrenk, hat allein mit der Flüchtlingsarbeit, die oftmals auch einem mühsamen Kampf durch den Paragraphendschungel gleichkommt, praktisch einen Vollzeitjob übernommen. Sollten die Flüchtlingszahlen wieder steigen, werden wir ebenfalls Probleme bekommen, unsere Arbeit in dem heutigen Maße fortzusetzen, wenn wir nicht neue Helfer hinzugewinnen – auch, wenn die bayerische Staatsregierung die Sprachausbildung mittlerweile durch Bereitstellung von Finanzmitteln und Ausbildungsplätzen an Berufsschulen unterstützt.

Wie wichtig sind Deutschkenntnisse für eine gelungene Integration, auch auf dem Arbeitsmarkt? Und was tut der Staat dafür?

Die Bedeutung von Deutschkenntnissen ist nicht zu unterschätzen. Den Flüchtlingen ist dies auch durchaus bewusst. Viele von ihnen streben nach der Anerkennung zum Beispiel eine Ausbildung an. Voraussetzung für jede Ausbildung sind jedoch Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 und höher. Das ist ungefähr das Niveau, auf dem ein Achtklässler auf dem Gymnasium Englisch können sollte, es wird im schulischen Unterricht also normalerweise nach ca. drei Jahren erreicht. Mit unseren ehrenamtlichen Deutschlehrkräften helfen wir den Asylbewerbern, auf dem Weg zu diesem Niveau Fortschritte zu erzielen, und ermöglichen ihnen damit gemäß unserem Leitbild langfristige Zukunftsperspektiven und Integration hier in Deutschland.

Alles bürgerliche Engagement in Ehren gilt jedoch, dass das Niveau B1 normalerweise erst in den staatlichen Integrationskursen erreicht wird. Die Asylbewerber erhalten in den ersten sechs Jahren nach der Einreise staatliche Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache. Ziel der Unterstützung ist, dass jeder, der sich in den letzten sechs Jahren mindestens drei Jahre ständig in Deutschland aufgehalten hat, sich angemessen verständigen kann. Bei Kindern wird künftig vor der Einschulung der Sprachstand erhoben. Wird dieser als zu gering eingestuft, sollen diese bis zur Einschulung an einem Vorkurs zur Sprachförderung teilnehmen.

Die Integrationskurse finden grundsätzlich leider erst nach der Anerkennung als Asylberechtigter statt, allerdings können Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit mittlerweile bereits vor der Anerkennung auf Antrag zu diesen Kursen zugelassen werden. Die Kurse sind teilweise der Kritik ausgesetzt, da sie zum Teil nicht gut organisiert sind und der Fachaufsicht offensichtlich nicht die notwendige Bedeutung beigemessen wird. Projekte und auch entsprechende Maßnahmen sind zwar überall erkennbar, es mangelt aber oft an der zielgerichteten Organisation.

 

Wohin gehen meine Spendengelder für die Unterstützergruppe und wie werden sie verwaltet?

Seit der Vereinsgründung wird die Verwaltung unserer Spendengelder in der Kassenordnung geregelt. Die Kassenordnung ist ein rechtsgültiges Zusatzdokument zur Satzung und wurde von der Gründungsversammlung erlassen. Demnach entscheidet über Ausgaben bis zu 50 Euro unser Schatzmeister in alleiniger Verantwortung, bei Ausgaben über 50 Euro entscheidet der gesamte Vorstand mit einfacher Mehrheit. Die beiden Kassenprüfer erstatten zum Ende des Geschäftsjahres der Mitgliederversammlung Bericht.

Der wichtigste Verwendungszweck ist die Unterstützung der ehrenamtlichen Deutschkurse. Dazu gehört der Kauf von Lehrmaterialen wie Deutschbücher und Tafeln. Weiterhin werden Kosten, die unseren Helfern durch ihre Arbeit entstanden sind, wie Fahrt- oder Druckkosten, erstattet, sowie notwendige Dolmetscher, nicht staatlich bezahlte, aber notwendige ärztliche Behandlungen und sonstige Hilfen für die Asylbewerber bezuschusst. Ausdrücklich nicht bezuschusst werden Kosten, die die Asylbewerber von ihrem Taschengeld selbst tragen können oder die selbst von ihnen verschuldet worden sind, sowie Anwalts-, Gerichts- und Kosten für Familienzusammenführung. „Hilfe zur Selbsthilfe“ bedeutet für uns, dass die Flüchtlinge ihre allgemeinen Lebenshaltungskosten aus ihrem eigenen Taschengeld bestreiten müssen, wobei wir selbstverständlich beim Erlernen des richtigen Umgangs mit Bargeld und Bankkonten helfen.

Auf dieser Seite können Sie alle Kassenberichte seit Vereinsgründung abrufen.

Welche Rolle spielen die Kirchen in der Unterstützergruppe?

Die Zusammenarbeit der drei Kirchen, der kath.  Pfarreiengemeinschaft  Dillingen, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und der FeG Dillingen-Steinheim, in unserer Unterstützergruppe ist ein beispielloses Engagement in Sachen Ökumene. Ohne über konfessionelle Haarspaltereien zu stürzen, engagieren sich Mitglieder aus allen drei Gemeinden und aus vielen weiteren Kirchen und Freikirchen in unserem Unterstützerkreis. Dementsprechend ist die christliche Überzeugung der Nächstenliebe auch für viele unserer Helfer eine wichtige Motivation ihrer Arbeit.

Dennoch sind wir von jeder Kirche und kirchlichen Gemeinschaft sowohl rechtlich als auch inhaltlich unabhängig. Der Dillinger Unterstützerkreis verfolgt keinerlei kirchliche, politische oder ideologische Ziele, sondern hat sich die Bewahrung der Menschenwürde der Dillinger Flüchtlinge zur Aufgabe gemacht. In diesem Sinne wirken wir auch aktiv mit einer positiven Öffentlichkeitsarbeit, die ebenfalls von Ehrenamtlichen getragen wird, auf die Öffentlichkeit ein.

Bekommt ein Asylbewerber mehr Geld als ein deutscher Hartz-IV-Empfänger?

Nein - zumindest solange, wie das Asylverfahren noch andauert.

Personengruppe

Leistungen für Asylbewerber*

Regelsätze Hartz IV

Alleinstehend

368 €

416 €

Ehepaar

je 318 €

je 374 €

U25 im Haushalt der Eltern

284 €

332 €

14 bis 17 Jahre

311 €

316 €

6 bis 14 Jahre

291 €

296 €

0 bis 6 Jahre

237 €

240 €

Quelle für die Harzt-IV-Sätze: http://www.hartziv.org/regelbedarf.html
Quelle für die Asylsätze: Asylbewerberleistungsgesetz/Flüchtlingsrat Berlin
*Taschengeld, Lebensunterhalt und Kleiderzuschuss
Stand: 1. Januar 2018
Anmerkung: Asylbewerbern steht künftig erst dann ein voller Anspruch auf gesetzliche Leistungen zu, wenn sie sich vor Ort registriert haben und den neuen Flüchtlingsausweis besitzen, welchen die für den Asylsuchenden zuständigen Aufnahmeeinrichtung oder Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ausstellt. Wer sich vor oder bei der Einreise seiner Personalpapiere entledigt hat, oder Leistungen durch Angabe falscher Personalien erschlichen hat, verliert für fünf Jahre den Anspruch darauf.

Ausländische Asylbewerber bekommen also weniger Geld als deutsche Arbeitslose. Hinzu kommt, dass vor kurzem das Sachleistungsprinzip wiedereingeführt wurde. Für die Versorgung von Asylbewerbern sind die Kommunen zuständig. Nur, wenn diese nicht in der Lage sind, die Versorgung in Form von Sachleistungen zu gewährleisten, wird das sogenannte „Taschengeld“ ausbezahlt. Wir kritisieren dies, da für die Asylbewerber selbst das Taschengeld einen enormen Zugewinn an Würde und Menschlichkeit bedeutete. Viele Asylbewerber kochen, insbesondere zu festlichen Anlässen wie Geburtstagen, gerne mit Gerichten und Gewürzen aus ihrer Heimat, die sie nur dann erwerben können, wenn sie über eigenes Geld verfügen. Die Wiedereinführung des Sachleistungsprinzips entwurzelt sie also und trägt somit nicht zu einer erfolgreichen Integration bei. Wir begrüßen es daher, dass sich Dillingen dazu entschieden hat, das Sachleistungsprinzip noch nicht wieder einzuführen.

Die Dillinger Asylbewerber müssen mit diesem Geld natürlich haushalten. Der richtige Umgang mit Geld ist den zumeist jungen Asylbewerbern nicht vertraut, da oftmals auch grundlegende mathematische Kenntnisse fehlen, um Geldmengen dieser Größenordnung abschätzen zu können. Ebenso ist der Umgang mit einem (nicht verzinsten und nicht überziehbaren) Bankkonto und einer Girokarte für viele schwierig. Unsere Paten helfen deswegen beim richtigen und verantwortungsvollen Umgang mit dem ihnen anvertrauten Geld, können die Asylbewerber jedoch auch zu nichts zwingen, da sie volljährige und erwachsene Menschen sind.

Sobald ein Asylbewerber als Flüchtling anerkannt ist, erhält er, wenn er keine Arbeit oder Ausbildung findet, allerdings den gleichen Satz wie ein deutscher Hartz-IV-Empfänger.

Wie kann ich in der Unterstützergruppe mithelfen? Und was macht sie überhaupt?

Beim der Unterstützergruppe "Asyl/Migration" Dillingen/Donau e.V. gibt es grundsätzlich drei verschiedene "Typen" von Helfern. Alle drei arbeiten ehrenamtlich.

Die Paten sind die ersten und dauerhaften Ansprechpartner für die von ihnen betreuten Asylbewerber. Die Menschen, die zu uns kommen, sind mit der für sie völlig neuen Situation hier in Deutschland oftmals überfordert. Sie kennen unsere Sprache nicht, unsere Kultur und unsere Lebensgewohnheiten. Sie sind oft sehr jung, haben noch nie längere Zeit alleine gelebt und können mit technischen Geräten wie Waschmaschinen teilweise nicht umgehen, da es diese in manchen Herkunftsländern auch gar nicht gibt. Mülltrennung ist ihnen fremd. Behördengänge, Arztbesuche und der richtige Umgang mit Geld stellen für sie eine unüberwindbare Herausforderung dar. Diese Probleme existieren nicht, weil die Asylbewerber zu faul wären, sondern weil sie schlicht überfordert sind – manche sind sogar von ihrer Flucht oder von Erlebnissen in ihren Heimatländern traumatisiert. Bei all diesen Dingen brauchen sie also, vor allem in den ersten Monaten, Hilfe und Unterstützung. Diese Aufgabe übernehmen die Paten. Zusätzlich dazu leisten die Paten einen Beitrag zur Integration, weil sie Konflikte schlichten und den regelmäßigen Kontakt zu den Flüchtlingen halten. So verhindern wir, dass Parallelgesellschaften und Ghettos entstehen, und sorgen dafür, dass die Flüchtlinge regelmäßig mit deutschen Muttersprachlern in Kontakt kommen.

Die eigentliche Sprachausbildung Deutsch wiederum übernehmen unsere Deutschlehrer, die teilweise aus aktiven oder pensionierten Pädagogen bestehen, teilweise aber auch aus interessierten Laien. Ihre Arbeit wird von Paul Weishaupt und Jutta Libicher koordiniert. Bei gemeinsamen Treffen tauschen sich die Deutschlehrer über verschiedene Entwicklungen, Probleme und Lehrmaterialien aus. Im Unterricht selbst arbeiten die Lehrer weitestgehend frei in der Wahl der Mittel mit der Unterstützung des Lehrwerks "Pluspunkt Deutsch", das aus Spendengeldern gekauft wird. Große Resonanz findet der alle ca. sechs Wochen stattfindende Sprachtreff im Chili, der von Rebekka Jähnig organisiert wird und auf dem nur Deutsch gesprochen wird.

Die dritte Gruppe kümmert sich um laufende Projekte und organisatorische Sonderaufgaben. Der Vereinsvorstand nimmt rechtliche und organisatorische Aufgaben wahr. Der Beirat unterstützt ihn mit den Aufgaben, die ihm zugeordnet sind: darunter insbesondere die Jobbörse und die Öffentlichkeitsarbeit unseres Vereins.

Wir sind offen für frische Ideen, egal ob Kochkurse, Fußballaktionen oder einfache Begleitungen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, Englischkenntnisse wären wünschenswert, sind aber nicht zwingend nötig, da auch nicht alle Flüchtlinge Englisch können. Kontaktfreude ermöglicht Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen, die gerne auch von ihrer Heimat erzählen und damit auch unseren Horizont erweitern.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der neuen Seite "Mitmachen!".

Was ist das Rundgespräch?

Wären wir ein eigener Staat, dann wäre das Rundgespräch unser Parlament. In regelmäßigen Abständen lädt unser 1. Vorsitzender und Koordinator Georg Schrenk an wechselnden Orten, meist in den Saal der katholischen Kirchengemeinde St. Ulrich, zur Vollversammlung aller Asylhelfer ein. Externe Referenten, zum Beispiel vom Landratsamt, von der Arbeitsagentur, vom Bayerischen Flüchtlingsrat oder auch Fachleute zum Thema "Islam", informieren über wichtige Themen, und Beschlüsse zu einzelnen Punkten werden basisdemokratisch gefasst. Beim 13. Rundgespräch war dazu sogar unsere damalige Wahlkreisabgeordnete, Frau MdB Gabriele Fograscher (SPD), als Ehrengast zugegen.

Im Gegensatz zu einem Parlament muss aber niemand gewählt werden, um am Rundgespräch teilnehmen zu dürfen. Wir führen keine Liste über die Anzahl unserer Helfer. Die Einladungen werden (auch an dieser Stelle) regelmäßig vorher veröffentlicht. Alle an unserer Arbeit interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, sich zu informieren, mitzumachen und mitzuentscheiden. Da wir in einer Demokratie leben, gilt: nur wer sich einmischt, kann Verantwortung übernehmen!

Warum ist die dominierende Farbe auf der Homepage Braun?

Nein, die Farbe unseres Corporate Designs hat nichts mit der Farbe des Nationalsozialismus zu tun. Sie wurde vom AK Homepage, der das grundlegende Konzept unseres Online-Auftritts erarbeitet hat, am 07. Juni 2015 festgelegt. Der AK wünschte sich dabei eine Farbgebung, die mit den Menschen zu tun hat, mit denen wir arbeiten: den Flüchtlingen. Das Grafikerteam erarbeitete daraufhin einen Logoentwurf in Brauntönen. Die verschiedenen Brauntöne unseres Logos sollen dabei für die verschiedenen Hautfarben aller Menschen dieser Erde stehen. Die ineinandergreifenden Hände symbolisieren die länderübergreifende Zusammenarbeit und Solidarität aller Menschen in Dillingen, egal welcher Herkunft.

Dieses Logo wurde vom 8. Rundgespräch am 10. September 2015 angenommen und die Farbgebung der Homepage wurde daraufhin dem Logo angepasst. Das Braun in unserem Logo will also eine symbolische Umdeutung der alten Nazi-Uniformen leisten: weg von einer menschenverachtenden Ideologie hin zu einer völkerübergreifenden Zusammenarbeit in allen Farben nicht des Regenbogens, sondern der menschlichen Schutzhülle schlechthin: seiner Haut.

Sie ist der älteste und erfolgreichste Beitrag auf dieser Website: die FAQ-Asyl. Fragen wie "Bekommen Asylbewerber mehr Geld als Hartz-IV-Empfänger" brennen der Bevölkerung auf dem Herzen, und wir liefern mit unserer Erfahrung gerne mögliche Antwortversuche dazu. Denn nur informierte Bürger sind mündige Bürger.

Daher gibt es nun zum ersten Mal nach Vereinsgründung eine neue Fassung: die fünfte Überarbeitung bietet unter anderem eine neue Frage, ebenfalls häufig gestellte Frage zur Farbgestaltung auf unserer Homepage, aktualisierte Hartz-IV-Sätze und zahlreiche kleinere Überarbeitungen, die notwendig geworden sind. Viel Spaß!

An den Stellen, an denen konkrete Zahlen, Daten und Fakten dargelegt werden, haben wir im Sinne der Schaffung von Transparenz die entsprechende Fundstelle/Quelle hinzugefügt.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne persönlich an uns - entweder direkt an unseren Koordinator Georg Schrenk (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder an die jeweiligen, im Impressum genannten Ansprechpartner.

Letzte Aktualisierung: 29. Oktober 2017.
Aktuelle Fassung: Fünfte Fassung (erste Vereinsfassung), erste Überarbeitung.

Joomla templates by a4joomla